Fahrbericht: Fiat Professional eDucato
In der Version L4H2 und mit dem Radstand von 4 .035 mm bietet der Ducato ein Laderaumvolumen von bis zu 13 Kubikmeter.

In der Version L4H2 und mit dem Radstand von 4 .035 mm bietet der Ducato ein Laderaumvolumen von bis zu 13 Kubikmeter. (Foto: ┬ę Martin B├Ąrtges)

Ein Italiener unter Strom ÔÇô der Fiat Ducato

Der Ducato bringt das Geld bei Fiat Professional, der Transporter-Sparte des italienischen Fahrzeugherstellers. Seit 2021 gibt es den Dauerbrenner in einer vollelektrischen Version. Wir haben uns den Kastenwagen e-Ducato 35 L4H2 genauer angesehen.

Nach Umfragen verschiedener Transporter-Hersteller innerhalb der Kundschaft genu╠łgt vielen Anwendern, sei es aus dem Bereich Handwerk, wie bei Malern, Elektrikern, Heizungsmonteuren oder Fliesenlegern, oder bei Paketzustellern, eine ta╠łgliche Reichweite von rund 150 Kilometer. Das wa╠łre dann also ein Aktionsradius, der auch mit rein elektrisch betriebenen Transportern – nicht nur innerhalb von Fahrverbotszonen fu╠łr Fahrzeuge mit Verbrennermotoren – abgedeckt werden ko╠łnnte. Also etwa auch mit dem seit vergangenem Jahr angebotenen e-Ducato.

Längere Fahrstrecken im City-Zyklus

Den offeriert Fiat mit einem kleinen (47 kWh) oder wahlweise einem großen (79 kWh) Akku. Letzteren gibt es optional in Verbindung mit einem 11-kW-Ladeanschluss fu╠łr den satten Aufpreis von 16.600 Euro. Mit dem aus drei Modulen zusammengesetzten 47-kWh-Akku soll der e-Ducato fu╠łr 235 Kilometer Reichweite gut sein. Die gro╠łßere Batterie besteht aus fu╠łnf Modulen, sie soll es im WLTP-City-Zyklus auf 371 Kilometer bringen. Im City-Zyklus sind deutlich la╠łngere Fahrstrecken drin als beim U╠łberlandbetrieb, da ein Elektrofahrzeug in der Stadt nun mal wesentlich weniger Energie verbraucht. Außerdem rekuperiert der e-Ducato tatsa╠łchlich innerhalb geschlossener Ortschaften ganz ausgezeichnet. Im normalen Zyklus verspricht Fiat Reichweiten von 170 und 235 Kilometer. Das ist, nach unseren Erfahrungen mit dem großen Akku, auch durchaus realistisch.

Und beim großen Akku schafft der Italiener etwa die doppelte Reichweite des Wettbewerbers von VW, des elektrisch angetriebenen Crafters. Vorausgesetzt man fa╠łhrt nicht allzu ha╠łufig la╠łngere Steigungsstrecken. Denn die Topografie beeinflusst die Reichweite merklich. Wie alle E-Fahrzeuge mag auch der dreisitzige e-Ducato Kastenwagen bergige Regionen nicht sonderlich. Da schrumpft die angezeigte Rest-Reichweite bei einem real zuru╠łckgelegten Kilometer auch schon mal um fu╠łnf, sechs Kilometer. A╠łhnlich du╠łrfte es mit niedrigen, winterlichen Temperaturen aussehen, die E-Fahrzeuge auch nicht sonderlich mo╠łgen. Natu╠łrlich weiß man bei Fiat um diese Probleme und hat deshalb auch die Geschwindigkeit des e-Ducato begrenzt. Bei knapp 100 km/h Ho╠łchstgeschwindigkeit ist Schluss, damit ist der Einsatzzweck klar definiert: Der innersta╠łdtische Bereich ist die Doma╠łne des elektrischen Ducato. Da schwimmt der frontgetriebene Kastenwagen im Verkehr auch gut mit, angetrieben von seinem E-Motor mit 90 kW/122 PS Leistung und einem Drehmoment von 280 Nm.

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Kein Laden mit 230 Volt

Laden unter erschwerten Bedingungen: Das funktioniert nur bei abgeschlossenen Türen, ist laut – und geht auch nicht an der Haushaltssteckdose. Foto: ┬ę Martin B├ĄrtgesLaden unter erschwerten Bedingungen: Das funktioniert nur bei abgeschlossenen Türen, ist laut – und geht auch nicht an der Haushaltssteckdose. Foto: ┬ę Martin B├Ąrtges

Nach getaner Arbeit muss der Akku des e-Ducato dann irgendwann wieder geladen werden. Was mit 230 Volt nicht klappt. Zwar du╠łrfte jeder Besitzer eines E-Transporters u╠łber kurz oder lang zu Hause oder in der Firma ohnehin auf eine Wallbox setzen. Aber die Option, im Notfall auch mal u╠łber eine normale Haushalts-Steckdose – bei entsprechend la╠łngeren Ladezeiten – aufladen zu ko╠łnnen, ist schon angenehm.

Geladen werden kann der 205 cm breite e-Ducato nur bei verriegelten Tu╠łren. Was irgendwie nicht so sinnvoll ist, wenn es draußen regnet, stu╠łrmt oder schneit – und der Transporter mal schnell unterwegs zwischengeladen werden muss. Nicht wirklich angenehm ist auch die Gera╠łuschentwicklung beim Ladevorgang. Der italienische Transporter macht einen ziemlichen Rabatz, die Ku╠łhlung arbeitet ziemlich lautstark. Auf dem Firmengela╠łnde du╠łrfte das nicht unbedingt ein Problem sein, neben dem Eigenheim geparkt ko╠łnnte die Gera╠łuschkulisse wa╠łhrend des Ladevorgangs in den Abend- oder Nachtstunden auf Dauer doch etwas nerven.

Geladen werden ko╠łnnen die Batterien des e-Ducato mit 11 kW oder ku╠łnftig auch 22 kW. Als Option (2.500 Euro) gibt es einen Schnellladeanschluss mit 50 kW, der in einer knappen halben Stunde Energie fu╠łr 100 Kilometer Fahrstrecke in die Akkus schaffen soll.

Drei Fahrmodi

Foto: ┬ę Martin B├ĄrtgesFoto: ┬ę Martin B├Ąrtges

Und auch das muss man wissen: Der E-Motor la╠łsst sich nur bei geschlossener Tu╠łr, angelegtem Sicherheitsgurt und getretener Bremse in Gang setzen. Schnell mal auf dem Betriebsgela╠łnde ein paar Meter zum Be- oder Entladen zuru╠łcksetzen ist also nicht drin. Im rund sechs Meter langen und gut zweieinhalb Meter hohen Testwagen reißen die 122 Pferdesta╠łrken zwar keine Ba╠łume aus, aber der e-Ducato setzt sich lautlos in Bewegung und erreicht das innero╠łrtlich erlaubte Tempo von maximal 50 km/h in rund fu╠łnf Sekunden. Damit ist er a╠łhnlich schnell wie seine mit einem Verbrenner angetriebenen Versionen. Drei Fahrmodi bietet der e-Ducato: Eco, Normal und Power. Gerade der Eco-Modus ist zwar energiesparend und bringt damit Reichweite, ist aber auch ziemlich spaßbefreit und eher etwas fu╠łr ausgesprochen, na sagen wir gelassene und tiefenentspannte Fahrnaturen. Im "normalen" Modus findet man den wohl besten Kompromiss zwischen ausreichend Kraft und sparsamer Fahrt. Der Power-Mode mobilisiert die volle Leistung des E-Motors zum Transport schwerer Lasten und hilft auch so an kra╠łftigen Steigungen.

Ein zusa╠łtzliches Display an der A-Sa╠łule auf der Fahrerseite, das ein wenig an ein Nachru╠łst-Navi erinnert, zeigt dem Fahrer die Reichweite und den aktuellen Energieverbrauch an, außerdem den Stromverbrauch von Klimaanlage oder Audiosystem.

Die Außenfarbe des Testwagens, genannt Abarth Grey, zeigte sich im Testverlauf als, wie der Brite sagen wu╠łrde, "forgiving colour". Wa╠łhrend sich der mit Saharastaub vermischte Regen auf den Kunststofffla╠łchen des Testwagens deutlich sichtbar zeigte, fiel er auf den lackierten Fla╠łchen des verblechten Kastenwagens kaum auf.

Zuladung maximal 765 kg

In der Version L4H2 und mit dem Radstand von 4.035 mm bietet der Ducato, ebenso wie seine mit Dieselmotor ausgestatteten Artgenossen, ein ansta╠łndiges Laderaumvolumen von bis zu 13 Kubikmeter. Am Laderaumboden ist die Ladefla╠łche 3.705 mm lang und maximal 1.870 mm breit. Mit 1.932 mm Ho╠łhe bietet der e-Ducato den meisten Zeitgenossen, die mit ihm arbeiten, wohl auch ausreichend Stehho╠łhe im Laderaum. Bis zum Erreichen des zula╠łssigen Gesamtgewichts von 3.500 kg darf man dem e-Ducato maximal 765 kg aufbu╠łrden. Da schla╠łgt der große – und schwerere – Akku eben auf die maximal mo╠łgliche Zuladung durch.

Zurro╠łsen zur Ladungssicherung bringt der Ducato ab Werk mit, ebenso wie die LED-Beleuchtung im Lastabteil. Die Zurro╠łsen sind auch absolut unverzichtbar beim Testwagen, dessen lackierter Blechboden ist na╠łmlich alles andere als rutschhemmend. Da sollte man einen halbwegs rutschsicheren Boden ab Werk gleich mit ordern, nicht nur wegen des Ladeguts, sondern auch, damit man bei Regenwetter und nassem Schuhwerk nicht unversehens und ungewollt durch das Ladeabteil schlittert. Der Vollsta╠łndigkeit halber und damit vielleicht irgendwann auch bei Fiat mal jemand daru╠łber nachdenkt: Es hat schon seinen Grund, warum andere Hersteller ihren Transportern Einstiegsgriffe spendieren. Sollten die Italiener vielleicht auch mal machen.

Grundpreis ab 57.100 Euro

Laden geht nur bei abgeschlossenen Türen – und auch nicht an der Haushaltssteckdose . Foto: ┬ę Martin B├ĄrtgesLaden geht nur bei abgeschlossenen Türen – und auch nicht an der Haushaltssteckdose . Foto: ┬ę Martin B├Ąrtges

Als Grundpreis fu╠łr den e-Ducato 35 L4H2 Kastenwagen ruft Fiat 57.100 Euro auf. Gro╠łßter Einzelposten bei den Optionen ist beim Testwagen die verbaute 79-kWh-Batterie fu╠łr 16.600 Euro. Zu den weiteren dicken Positionen za╠łhlt etwa das e-Ducato-Paket. Fu╠łr 2.790 Euro gibt es Ru╠łckfahrkamera, Totwinkel-Assistent und Querverkehrwarner, USB-Ladeanschluss, akustisches Warnsignal fu╠łr Fußga╠łnger (Ru╠łckfahrwarner), elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, das 7-Zoll-Infotainment mit Touchscreen, DAB und Navigation sowie den Multifunktionstasten am Lenkrad. 2.500 Euro sind fu╠łr den 50-kW-Schnellladeanschluss fa╠łllig.

Mit ein paar weiteren Positionen summiert sich der Endpreis fu╠łr den Testwagen auf netto 81.980 Euro. Das ist dann schon ein heftiger Schluck aus der Pulle. Und fu╠łr manchen Handwerker Anlass zu heftigen Fa╠łllen von Schnappatmung. Auch wenn Fiat ins Feld fu╠łhrt, dass Wartungsarbeiten am elektrischen Antriebsstrang deutlich geringer seien als bei einem Verbrennungsmotor. So seien etwa weder O╠łlwechsel noch der Tausch u╠łblicher Verschleißteile notwendig. In der Konsequenz la╠łgen also die Gesamtkosten (Total Costs of Ownership) niedriger als bei einem Diesel. Fu╠łr den E-Ducato mit der 47-kWh-Batterie gewa╠łhrt Fiat eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometer, beim großen Akku sind es zehn Jahre oder 220.000 Kilometer.

Text: / handwerksblatt.de

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