Saadt Mahmood (30) aus dem Irak kennt sich in der Kfz-Werkstatt des Duisburger Bildungszentrums schon perfekt aus. Hier im ­Gespräch mit dem Geschäftsführer des ­Bildungszentrums der Kreishand­werker­schaft, Dr. Frank Bruxmeier.

Saadt Mahmood (30) aus dem Irak kennt sich in der Kfz-Werkstatt des Duisburger Bildungszentrums schon perfekt aus. Hier im ­Gespräch mit dem Geschäftsführer des ­Bildungszentrums der Kreishand­werker­schaft, Dr. Frank Bruxmeier. (Foto: © Andreas Buck)

18 Nationen lernen für die Lehre

Im Bildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Duisburg bereiten sich 45 junge Geflüchtete und drei deutsche Jugendliche auf die Ausbildung vor. Die Teilnehmer des Projekts sind hoch motiviert.

Seit einem Jahr lebt Saadt Mahmood in Deutschland. Der 30-Jährige ist aus der umkämpften Stadt Mossul im Irak geflohen. Jetzt hofft er auf einen Neuanfang in Duisburg. Wenn alles gut läuft, kann er im Sommer eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker oder zum Kaufmann beginnen. Der engagierte Flüchtling, der schon sehr gut Deutsch spricht, hat bereits zwei Ausbildungsbetriebe gefunden, die ihn gerne einstellen würden. 

Saadt Mahmood ist einer von 48 Teilnehmern des Modellprojekts "Gemeinsam in die Ausbildung" der Otto-Benecke-Stiftung, das aktuell beim Bildungszentrum des Handwerks in Duisburg läuft. Finanziert wird das Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Parallel laufen noch zwei weitere Kurse im Bildungszentrum des Handwerks in Recklinghausen und in der Handwerkskammer für Ostthüringen in Gera.

Individuelle Betreuung durch Sozialpädagogen

 Lancine Traore, 22, aus Guinea und Kevin Kroll, 21, aus Duisburg. Beide möchten Maler und Lackierer werden. (Foto: Andreas Buck)
Lancine Traore, 22, aus Guinea und Kevin Kroll, 21, aus Duisburg. Beide möchten Maler und Lackierer werden. (Foto: Andreas Buck)

"45 der Teilnehmer in Duisburg sind junge Geflüchtete, drei sind deutsche Jugendliche", erklärt der Geschäftsführer des Bildungszentrums, Dr. Frank Bruxmeier. Die jungen Männer aus 18 Nationen – und seit April auch eine Frau aus dem Iran – werden hier auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet. Sie können aber auch in kaufmännische oder Industrieberufe gehen, wenn sie dies möchten. Unterrichtet wird in Mathe, Deutsch, Sozialkunde und Politik. Das Besondere an dem Projekt ist die individuelle Betreuung durch Sozialpädagogen. 

Die Dozenten Andreas Komann, Cihan Sert, Nicolas Spengler sowie Projektleiterin Denise Gajzler finden heraus, wo die Stärken, Schwächen und Neigungen jedes Einzelnen liegen und vermitteln bei der Lehrstellensuche.

Nicht das erste Flüchtlingsprojekt in Duisburg

Für das Bildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Duisburg ist dies nicht das erste Flüchtlingsprojekt. Seit Sommer 2014 arbeitet man hier in verschiedenen Initiativen mit Geflüchteten zusammen. "Die jungen Leute sind eine Frischzellenkur für uns", gibt Frank Bruxmeier unumwunden zu. Sie seien durchweg extrem engagiert. "Obwohl wir hier in Duisburg einen Fachkräftemangel haben, gibt es eine Arbeitslosenquote von 13,5 Prozent. Das ist eine Riesenchance, die die Flüchtlinge nutzen." Sie würden zum Teil eine zweieinhalbstündige Anreise auf sich nehmen, um zu dem Lehrgang zu kommen. Besonders auf den Mittwoch freuen sie sich, dann spielen sie abends zusammen mit dem Hausmeister des Bildungszentrums Fußball. Die Trikots hat das BMWi gesponsert.

Alle sollen bis Sommer einen Ausbildungsvertrag haben

Sozialpädagoge Nicolas Spengler und Ali Bordbar (28) aus dem Iran . Ali möchte Sport- und Fitnesskaufmann oder Kfz-Mechatroniker werden. (Foto: Andreas Buck)
Sozialpädagoge Nicolas Spengler und Ali Bordbar (28) aus dem Iran . Ali möchte Sport- und Fitnesskaufmann oder Kfz-Mechatroniker werden. (Foto: Andreas Buck)

Das Engagement zahlt sich aus. "Für 18 der Projektteilnehmer haben wir schon Ausbildungsplätze akquiriert", sagt Bruxmeier im April. Ein besonders zielstrebiger junger Mann mit guten Deutschkenntnissen zum Beispiel sei auf einer Bildungsmesse von sich aus auf einen Augenoptiker zugegangen. Er habe sofort eine Zusage für einen Ausbildungsplatz in einer Düsseldorfer Filiale bekommen.

Ein ehemals Selbstständiger EDV-Experte aus Syrien fängt zum 1. September bei einem Stahlbauunternehmen an. Andere machen eine Lehre zum Maler und Lackierer, Kfz-Mechatroniker, Gerüstbauer, Bäcker oder Maurer.

Ziel ist es, dass alle Teilnehmer bis zum Sommer einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben. Frank Bruxmeier ist "guten Mutes", dass das auch klappt und appelliert an die Unternehmen: "Hier findet man hoch motivierte Azubis."

Um engagierte Projektteilnehmer zu finden, arbeitet das Bildungszentrum eng mit Flüchtlingsorganisationen, etwa dem "Bunten Tisch" in Moers, zusammen. Die Unzuverlässigen habe man gleich am Anfang aus dem Projekt genommen.

Die Flüchtlinge werden im ersten Ausbildungsjahr weiter betreut

Dr. Frank Bruxmeier, Geschäftsführer des Bildungszentrums Handwerk Duisburg (Foto: Andreas Buck)
Dr. Frank Bruxmeier, Geschäftsführer des Bildungszentrums Handwerk Duisburg (Foto: Andreas Buck)

Der Leiter des Bildungszentrums räumt aber ein, dass die Ausbildung bei dem einen oder anderen verlängert werden muss. "Nicht alle werden die Gesellenprüfung im ersten Anlauf schaffen. Das müssen wir ertragen." Firmenchefs sollten aber wissen, dass die Flüchtlinge im ersten Ausbildungsjahr auf Wunsch sozialpädagogisch begleitet werden. Sie können auch weiterhin an Mathe- und Deutschkursen teilnehmen, und es können ergänzend ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagentur genutzt werden.

Und schließlich gibt Bruxmeier zu bedenken: "Nur die wenigsten sind in einem bequemen vierstündigen Flug nach Deutschland gekommen. Die meisten haben eine dramatische Flucht vor der Armee, zu Fuß durch die Sahara oder auf einem Schiff hinter sich. Sie haben existenziellere Probleme als die Frage, ob man ein iPhone 5 oder ein iPhone 6 besitzt." Möglicherweise seien sie auch deshalb so motiviert. Saadt zum Beispiel musste seine Frau und seine vierjährige Tochter in Mossul zurücklassen. Er hofft, dass sie irgendwann zu ihm nach Deutschland kommen können – wenn er Arbeit hat.

Fotos: © Andreas Buck

Text: / handwerksblatt.de

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