Handwerker haben dieser Tage viele Fragen zur Energieeffizienz: Die Kammern helfen, die Betriebe optimal aufzustellen. Besonders energieintensive Branchen wie die Bäcker fordern für die Modernisierung Unterstützung seitens der Regierung, etwa ein Investitionsprogramm.

Handwerker haben dieser Tage viele Fragen zur Energieeffizienz: Die Kammern helfen, die Betriebe optimal aufzustellen. Besonders energieintensive Branchen wie die Bäcker fordern für die Modernisierung Unterstützung seitens der Regierung, etwa ein Investitionsprogramm. (Foto: © Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks)

Energiekosten: Kleine Veränderungen bringen große Ersparnisse

Die steigenden Energiekosten treffen fast alle Bereiche des Handwerks massiv. Die Kammern helfen dabei, Einsparpotenziale im Betrieb zu ermitteln, vermitteln Kontakte und bieten mit dem "Energiebuch/E-Tool" ein Managementtool zur Auswertung von Energiedaten.

Die steigenden Energiekosten, insbesondere bei Gas und Kraftstoffen, machen dem Handwerk zu schaffen. Laut einer Sonderumfrage der Handwerkskammer Dortmund machen die Energiekosten in einigen Gewerken schon 16 Prozent des Umsatzes aus.

Stark betroffen sind Friseure, Bäcker, Metallbauer, Tischler oder Kfz-Betriebe. 95 Prozent der befragten Handwerksbetriebe rechnen damit, dass die Preise als Folge des Ukraine-Kriegs noch weiter ansteigen werden.  Dass die EEG-Umlage zum 1. Juli wegfällt, dürfte da nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Doch nicht nur aufgrund der aktuellen Situation ist das Thema Energieeffizienz im Handwerk präsent, sondern auch, weil die Betriebe ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen. Zwei von drei Unternehmen haben bereits Maßnahmen umgesetzt oder planen diese, so die Umfrage der HWK Dortmund.

Zwei von drei Unternehmen haben Maßnahmen umgesetzt

Sie investieren, wo immer es finanziell und baulich geht, in energieeffiziente Maschinen oder Anlagen, sie sanieren Betriebsgebäude, montieren Photovoltaikanlagen, wechseln zu Ökostrom, produzieren Strom in eigenen Blockheizkraftwerken, nutzen Wärmerückgewinnung und/oder schaffen E-Fahrzeuge für den Fuhrpark an.

Die Beraterinnen und Berater bei den Handwerkskammern informieren zur Energieeinsparung, Rückgewinnung oder E-Mobilität, bieten Beratungen vor Ort an, suchen nach Fördermitteln und vermitteln Kontakte zu freien Beratern.

Die durch den ZDH, die Umweltzentren des Handwerks und vom Bundeswirtschaftsministerium getragene "Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz" (MIE) bündelt die Aktivitäten und unterstützt seit fast zehn Jahren Handwerksunternehmen auf ihrem Weg zu mehr Energieeffizienz im Betrieb. Angefangen hat es mit sieben Umweltzentren des Handwerks.

Alle Energiekosten leicht erfassen: Das "Energiebuch/E-Tool"

Foto: © SaarLorLux UmweltzentrumFoto: © SaarLorLux Umweltzentrum

"Mittlerweile ist die Initiative auf 60 Partner angewachsen, darunter Handwerkskammern, Innungen, Verbände und auch Landesenergieagenturen", berichtet Hans-Ulrich Thalhofer, Geschäftsführer des Saar-Lor-Lux Umweltzentrums bei der Handwerkskammer des Saarlandes, das die Aktivitäten bundesweit koordiniert.

Es geht darum, Energiesparpotenziale in den Betrieben zu finden und zu nutzen. "Die Erstberatung und auch Folgeberatungen können von allen Handwerksbetrieben kostenfrei in Anspruch genommen werden", sagt Thalhofer.

Als zentrales Werkzeug der Initiative MIE wurde vor fünf Jahren das "Energiebuch" entwickelt. Es ermöglicht den Handwerksbetrieben, relativ einfach sämtliche Energiekosten zu erfassen, die Maschinen und den Fuhrpark zu betrachten und CO2-Emissionen auszuwerten. Und das über Jahre hinweg. Auch der bundesweite Vergleich mit anderen Unternehmen des eigenen Gewerks ist möglich.

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Fast 1.000 Registrierungen, und täglich werden es mehr

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Das "Energiebuch" steht seit 2021 als umfangreiches Webportal "E-Tool" zur Verfügung. "Seit es die browserbasierte Plattform gibt, nutzen immer mehr Betriebe das Angebot. Wir haben inzwischen fast 1.000 Registrierungen, und täglich werden es mehr", erzählt Marcel Quinten, der für die technische Entwicklung und die Weiterentwicklung des E-Tools verantwortlich ist.

So soll Anfang Juli auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München ein neues Teil-Modul vorgestellt werden, mit dem Nutzer sämtliche klimarelevanten Emissionen bilanzieren können. "So können sie ihren CO2-Fußabdruck vollständig abbilden."

Auch die Betriebsberater in den Kammern sind momentan stark gefragt. "Die Thematik wirkt sich auf zahlreiche Dienstleistungsbereiche einer Handwerkskammer aus, weiß Bernd Reis, Hauptgeschäftsführer der HWK-Saarland.

"Von der Unternehmensberatung bei der Analyse von Optimierungspotenzialen bis hin zu Fördermittelberatung im Betrieb, aber auch bei der Fachkräftesicherung nehmen Umwelt- und Klimaschutz eine immer größere Rolle ein, um den Betrieb für die Zukunft optimal aufzustellen."

Wärmepumpen-Programm: "Die umweltfreundlichste und günstigste Kilowattstunde ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen", sagt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Er hat am 17. Mai den "Arbeitsplan Energieeffizienz" vorgelegt. Ein Schwerpunkt ist die Gebäudesanierung. Für Handwerker soll es unter anderem finanzielle Anreize geben, Öl- und Gasheizungen auszutauschen und Wärmepumpen einzubauen. Mehr dazu lesen Sie hier

Andreas Pater, Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT) der HWK Südwestfalen, stellt fest, dass Handwerksbetriebe deutlich offener gegenüber erneuerbaren Energien werden. Fragen zu deren Nutzung und der Wunsch, autarker zu werden, würden immer häufiger an ihn und seine Beraterkollegen herangetragen. "Oftmals helfen einfache Verhaltensänderungen, um Energiekosten zu senken, die ohne große Investitionen umsetzbar sind. Selbst wenn dann doch eine Investition fällig wird, rechnet sich auch eine solche auf lange Sicht." Auch Pater empfiehlt das "Energiebuch". Über das E-Tool können Nutzer auch "Ihren" Berater der jeweiligen Handwerkskammer auswählen und für die Unterstützung einbinden.

Bäcker fordern Unterstützung seitens der Politik für Investitionen

Das besonders energieintensive Bäckerhandwerk fordert aber auch mehr Unterstützung seitens der Politik, denn Geld zum Investieren fehle vielen Bäckereibetrieben derzeit. "Die Corona-Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen und die Kapitalbasis deutlich schmelzen lassen. Auch weitere Kredite aufzunehmen, ist für viele Betriebe schwierig, da sie bereits Verbindlichkeiten haben. Vielen kleinen Betrieben fehlt schlicht das Geld, um in energieeffiziente Technologien zu investieren", berichtet Pressereferentin Susan Hasse.

Von daher fordert der Zentralverband des Bäckerhandwerks ein Investitionsprogramm oder Unterstützung, "um gerade dem mittelständisch geprägten Handwerk bei der notwendigen Modernisierung zu helfen". 

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Text: / handwerksblatt.de

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