(Foto: © plus69/123RF.com)

Fotografen protestieren: Geschäft mit Passfotos soll wegbrechen

Geht es nach dem Bundesinnenministerium, sollen Fotografen und Fotostudios bald keine Passbilder mehr machen dürfen. Fotografen protestieren bundesweit gegen den Gesetzentwurf.

Die Pläne des Bundesinnenministeriums zu Passfotos für Personalausweise und Reisepässe treiben das gesamte Fotografenhandwerk und den Fotohandel um. Das Ministerium plant, dass solche Lichtbilder künftig ausschließlich "vor Ort unter Aufsicht der Pass- beziehungsweise Ausweisbehörde" aufgenommen werden. Also zum Beispiel im Bürgerbüro.

Jede Pass- und Ausweisbehörde soll Fotoautomaten beziehungsweise Foto-Terminals bekommt. Passbilder vom Fotografen wären dann bei Ausweisen verboten.  

Entsetzen in der gesamten Foto-Branche

Für Fotografen und Fotostudios sind die biometrischen Passfotos aber eine wichtige Einnahmequelle. Bundesweit reagiert die Branche deshalb entsetzt auf die Pläne aus dem Ministerium von Innenminister Horst Seehofer. Einige Fotografen fürchten gar um ihre Existenz. Waldemar Hartmann von "Foto Weber" in Würzburg erklärte gegenüber der Main Post, dass das Anfertigen von biometrischen Fotos etwa ein Drittel der Rendite ausmache. Passfotos würden dem Laden durchschnittlich 60 Kundenaufträge pro Tag einbringen.

Die Kunden, die zunächst nur ein Passfoto brauchen, bleiben dem Fotografen dann vielleicht später für größere Aufträge treu.

Existenzielle Bedrohung für die Unternehmer 

"Da die Fotohändler mit der Erstellung der Passbilder nicht nur den höchsten Deckungsbeitrag erzielen, sondern dieser Service auch maßgeblich für Kundenfrequenz in den Geschäften sorgt, würde dieser Plan Millionenumsätze im Handel vernichten", schreiben der Präsident des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser, und der Vorstandsvorsitzende des Handelsverbandes Technik (BVT), Frank Schipper, in einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer.

"Angesichts der ohnehin angespannten Lage im stationären Einzelhandel stellt dies eine existenzielle Bedrohung für viele mittelständische Unternehmen dar." 

Gegen Bildmanipulationen

Hintergrund für den Gesetzentwurf ist das Fälschen und Manipulieren von Passbildern, das man so verhindern will. Verbreitet sei das sogenannte "Morphing" – das Verschmelzen von mehreren Gesichtsbildern zu einem einzigen Gesamtbild, so das Bundesinnenministerium. Dem will man vorbeugen, indem das Foto nur noch direkt auf dem Amt und unter Aufsicht aufnommen werden darf.

"Es braucht kein Verbot"

Es sei richtig und wichtig, Manipulationen bei der Pass- oder Personalausweisbeantragung zu verhindern, so die Verbandsvertreter. Dafür brauche es aber kein faktisches Verbot. Über eine Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und Behörden seien die gleichen Sicherheitsstandards realisierbar.

Namhafte Händlergruppen würden bereits gemeinsam mit Herstellern von Passbildstationen, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und Softwareherstellern an einem Konzept arbeiten, das sichere, bruchfreie und einfache Bildübertragung an die Passbildämter gewährleiste, so Sanktjohanser und Schipper in ihrem gemeinsamen Brief.

Bis 28. Januar können Fotografenvereinigungen und andere Verbände noch eine Stellungnahme abgeben. Wenn Bundestag und Bundesrat zustimmen, soll das Gesetz Mitte 2022 in Kraft treten.

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: