Hubert Romer bei einem Meeting von

Hubert Romer bei einem Meeting von "Handwerk stiftet Zukunft" am Stand von WorldSkills Germany in Kasan. (Foto: © WorldSkills Germany/Anja Jungnickel)

"Starke Ausbeute" bei den WorldSkills

Unternehmensführung

Die WorldSkills 2019 sind vorbei. Hubert Romer, Delegationsleiter und Geschäftsführer von WorldSkills Germany, zieht eine Bilanz der Wettkämpfe in Kasan. Vor allem ein Zeitungsartikel hat das deutsche Team ziemlich verärgert.

Handwerksblatt: Herr Romer, die Tageszeitung "Die Welt" titelte kurz nach den WorldSkills "Bei der ,Handwerker-WM’ scheitert das deutsche Erfolgsmodell". Sehen Sie das genauso?

Romer: Nein, auf keinen Fall! Ich stehe mit dem Redakteur in Kontakt und sein Kommentar war, dass er die Politik mit der überspitzten Formulierung aus der Deckung herausholen wollte. Wichtig ist jedoch, dass sich Journalisten erst einmal richtig informieren, bevor sie kommentierend schreiben! Vorneweg zur Klärung: Es ging in Kasan nicht allein um eine Handwerker-WM. Vielmehr stellt das Handwerk neben den Industrie-, den Dienstleistungs-, den kaufmännischen und den IT-Berufen einen Anteil der Berufe.

Wenn man bedenkt, dass sich die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem laufenden beruflichen Alltag heraus auf die Wettkämpfe vorbereiten und sich viel Können und Wissen aus diesem herausziehen müssen, dann sind die 19 Exzellenz-Medaillen, die drei Siegermedaillen (zwei Disziplinen Gold, eine Disziplin Bronze) plus zwei weitere Siegermedaillen (zwei Disziplinen Bronze) in den Future-Skills eine starke Ausbeute. Und wenn man sich intensiver mit den Ergebnissen auseinandersetzt, dann sind mehr als sechs Plätze zu finden, die nur sehr knapp an einer Medaille vorbeischrammten. Ich selbst habe eine journalistische Ausbildung genossen und wünsche mir, dass Journalisten intensiver recherchieren und auswerten, wie es die Fachpresse tut, bevor es an die Berichterstattung geht.

Handwerksblatt: Mit drei Medaillen und 19 Exzellenzauszeichnungen belegt das deutsche Team den elften Platz der Nationenwertung. Das sieht auf den ersten Blick tatsächlich eher enttäuschend aus.

Romer: Sie dürfen die zwei Bronze-Medaillen in den Future-Skills nicht vergessen! Sie zählen nicht in die offizielle Wertung ein, tauchen also auch nicht im Medaillenspiegel auf, aber sie waren vom Niveau her einer offiziellen Disziplin gleichgestellt. Darüber hinaus ist wichtig zu sehen, welche Entwicklung wir seit der letzten WM in Abu Dhabi 2017 genommen haben. Beispielsweise sind wir in der für uns wichtigen Wertung der durchschnittlich erreichten Punkte pro Teilnehmer von Platz 30 auf 13 hochgestiegen. Auch in anderen Vergleichen ging es deutlich nach oben. Und das geschieht mit zumeist ehrenamtlichen Bundestrainerinnen und Bundestrainern. Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln erreichten unsere Trainer/innen und Teilnehmer/innen sehr viel! Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Wenn ich im Vergleich dazu ein berufliches College habe, in dem die Lehrer/innen hauptamtlich mit Schülerinnen und Schülern trainieren können, die ganztägig in der Woche erreichbar sind, dann ist das ein riesengroßer Unterschied.

Handwerksblatt: Es gab einige Neuerungen bei den WorldSkills 2019: Im Vorfeld haben die Teilnehmer und ihre Trainer keine Testprojekte für die Vorbereitung erhalten, das Werkzeug wurde beim Wettkampf komplett gestellt und die Aufgaben haben Externe ausgearbeitet. Hat sich dies bewährt?

Romer: Nicht in jedem Wettbewerbsberuf war dies der Fall. Der Wunsch von WorldSkills International ist, die unglaublich hohen Aufwendungen für die Logistik zu reduzieren. Das wird noch einige Jahre dauern, bis es in allen Disziplinen soweit ist. Es gibt unterschiedliche Rückmeldungen aus den einzelnen Berufen hierzu und ich denke, wir müssen noch die Übergangsphase abwarten, um zu einer umfassenden Bewertung zu kommen. Rund ist es aber sicherlich nicht in allen Skills gelaufen.

Handwerksblatt: Wird es mit Blick auf die kommenden EuroSkills in Graz und die WorldSkills in Shanghai Veränderungen in der Vorbereitung des deutschen Teams geben?

Romer: Wir haben in Abstimmung mit allen Partnern nach den WorldSkills in Abu Dhabi 2017 eine Strategie erstellt, die unter anderem die Forderung einer Qualifizierungsnorm enthält, genauso wie eine zwingende deutsche Meisterschaft im Vorfeld, ein Nationalteam und weitere Leistungsanforderungen. Diese Strategie wurde auf mehrere Jahre angelegt. Somit werden wir diese konsequent für Shanghai weiterführen und noch nachdrücklicher umsetzen. Es kann demnach also durchaus sein, dass wir mit einzelnen Berufen nicht mehr an der Europa- oder Weltmeisterschaft teilnehmen, dafür aber durchaus auch neue Disziplinen mitnehmen. Weiterhin wollen wir konsequent dafür kämpfen, dass die Trainerinnen und Trainer, sowie ihre Wettkämpferinnen und Wettkämpfer bessere Trainingsbedingungen erhalten. Sie haben es einfach verdient. Viel fehlt uns nicht mehr, um zukünftig noch besser in den kommenden WorldSkills abzuschneiden. Die Talente in Deutschland sind da, die Kompetenzen sind da, wie auch die motiviertesten Bundestrainer und Bundestrainerinnen, die man sich vorstellen kann. Es geht um die Ressourcen: die finanziellen und strukturellen Bedingungen, um den jungen Menschen die Kapazitäten für ein intensiveres Training zu geben.

Als nächster internationaler Wettkampf stehen die Europameisterschaften an. Ausrichter der EuroSkills 2020 wird Graz (Österreich) sein. Die Berufs-EM findet vom 16. bis 20. September statt. Ort und Datum für die WorldSkills 2021 sind ebenfalls schon bekannt. Shanghai (China) wird vom 22. bis 27. September seine Gäste aus aller Welt begrüßen. Anschließend messen sich wieder die besten jungen Fachkräfte aus Europa. Zu den EuroSkills 2022 lädt Russland dieses Mal nach St. Petersburg ein. Relativ nah wird es das deutsche Team zu den WorldSkills 2023 haben. Die Wahl ist im August auf Lyon (Frankreich) gefallen.

Die Fragen stellte Bernd Lorenz.

Text: / handwerksblatt.de

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