Beschäftigte im Handwerk sind oft körperlich stärker gefordert als andere Berufsgruppen. Am höchsten ist der Krankenstand laut der IKK classic mit 6,2 Prozent im Baugewerbe. (Foto: © belchonock/123RF.com)

Über 40 Prozent keinen Tag krankgeschrieben

Der Krankenstand im Handwerk ist im vorigen Jahr hauchdünn gestiegen. Dagegen sind die psychischen Diagnosen rückläufig. Auffällig niedrig ist laut der IKK Classic die Gesundheitsquote.

Beschäftigte im Handwerk sind oft körperlich stärker gefordert als andere Berufsgruppen. Trotzdem lag der Krankenstand der Branche im vergangenen Jahr mit 5,3 Prozent nur minimal über dem Schnitt aller Arbeitnehmer (5,2 Prozent). Der Anteil psychischer Erkrankungen betrug 12,7 Prozent. Im Jahr 2017 entfielen noch 12,9 Prozent der Krankschreibungen auf diese Diagnosegruppe. Handwerker seien weiterhin deutlich weniger von psychischen Beeinträchtigungen betroffen als die Gesamtheit der Arbeitnehmer mit 15,6 Prozent.

Das ergab eine aktuelle Analyse der IKK classic auf der Basis ihrer Arbeitsunfähigkeitsdaten. Nach eigenen Angaben versichert die "größte deutsche Innungskrankenkasse" mehr als drei Millionen Menschen. Grundlage der Auswertung waren die Daten von mehr als 1,6 Millionen Erwerbspersonen, rund 500.000 von ihnen arbeiten im Handwerk.

Auffällig sei nach wie vor die "Gesundheitsquote". Sie sei im Handwerk traditionell niedriger ist als im Schnitt aller Arbeitnehmer. Demnach waren 43,4 Prozent der handwerklich Beschäftigten keinen einzigen Tag krankgeschrieben. Dies treffe insgesamt nur auf 42,5 Prozent der Arbeitnehmer zu. "Handwerker sind mehrheitlich in kleinen und mittleren Betrieben beschäftigt, in denen man stark aufeinander angewiesen ist. Hier ist es schwer, schnell Ersatz für krankheitsbedingte Ausfälle zu bekommen, sodass das Fehlen von Kollegen gravierende Folgen für die Arbeitsabläufe haben kann", erklärt Pressesprecher Michael Förstermann den Grund für die höhere Quote im Handwerk.

Geringster Krankenstand in Süddeutschland

Betrachtet man die Kernregionen der IKK classic ergeben sich jedoch deutliche Unterschiede: So lag die Gesundheitsquote in Thüringen lediglich bei 37,1 Prozent, in Baden-Württemberg bei 46,9 Prozent und in Bayern sogar bei 49,1 Prozent. Ein ähnliches Bild ergebe sich auch beim Blick auf den Krankenstand: Am häufigsten krankgeschrieben waren die handwerklich Beschäftigten in Thüringen (6,3 Prozent), den geringsten Krankenstand wiesen mit 4,8 Prozent Bayern und Baden-Württemberg auf.

Auffälliger sei auch die unterschiedliche Betroffenheit der verschiedenen Gewerke. Am höchsten ist laut der IKK classic der Krankenstand mit 6,2 Prozent im Baugewerbe, am niedrigsten mit 4,8 Prozent im Gesundheits- und Reinigungsgewerbe – eine Branche mit einem hohen weiblichen Beschäftigungsanteil von 78,9 Prozent.

Deutliche Geschlechterunterschiede zeigen sich auch im höheren Alter ab 50 Jahren. Arbeitnehmerinnen zwischen 50 und 59 Jahren weisen einen Krankenstand von 5,9 Prozent gegenüber 7,1 Prozent bei den Männern auf. Ab dem Alter von 60 Jahren vergrößere sich die Lücke zwischen den Geschlechtern weiter: Hier liege der Krankenstand der Frauen bei 7,3 Prozent, der der Männer bei 10,4 Prozent.

 

Die häufigsten Krankheitsursachen im Handwerk:

  • Muskel- und Skeletterkrankungen: 33,5 Prozent (gesamt: 30,4 Prozent)
  • Verletzungen und Vergiftungen: 17,2 Prozent (gesamt: 15,3 Prozent)
  • Krankheiten des Atmungssystems: 14,5 Prozent (gesamt: 16,2 Prozent)

 

Die älter werdende Belegschaft und der anhaltend hohe Prozentsatz der Muskel- und Skeletterkrankungen führen auch dazu, dass mittlerweile 50,8 Prozent der Fehltage im Handwerk auf Langzeiterkrankungen über 42 Tage zurückzuführen sind. Der Gesamtschnitt liegt hier mit 46,8 Prozent deutlich niedriger.

Text: / handwerksblatt.de

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