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Studienabbrecher fühlen sich in Ausbildung wohl

Zwei von drei Studienabbrechern an baden-württembergischen Hochschulen wechseln innerhalb von zweieinhalb Jahren nach der Exmatrikulation in die berufliche Bildung – und fühlen sich dort sehr wohl.

Nach dem Abitur ein Studium aufzunehmen, muss nicht zwangsweise die beste Entscheidung sein. Viele Studienabbrecher fühlen sich nach dem Wechsel vom Hörsaal in die Werkstatt deutlich wohler. Foto: © Andreas Buck
Nach dem Abitur ein Studium aufzunehmen, muss nicht zwangsweise die beste Entscheidung sein. Viele Studienabbrecher fühlen sich nach dem Wechsel vom Hörsaal in die Werkstatt deutlich wohler.

Dies geht aus einer "bundesweit einmaligen" Studie hervor, die das Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium des Bundeslandes in Auftrag gegeben haben und die sich mit der beruflichen Neuorientierung von Hochschulaussteigern befasst hat. Demnach waren 63 Prozent der Befragten innerhalb von zweieinhalb Jahren nach ihrer Exmatrikulation in Ausbildung. Nach einem halben Jahr waren es bereits 44 Prozent. "Die Zahlen belegen klar die zunehmende Attraktivität der beruflichen Ausbildung", erklärt Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut.

Kurzversion der StudieDie Berufsausbildung sei durch ihren starken Praxisbezug und die intensive Betreuung im Betrieb attraktiv für leistungsstarke und motivierte junge Menschen. Auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes spielt eine wichtige Rolle. Die Möglichkeit, die Ausbildungsdauer zu verkürzen, sei für die Berufswahl dagegen nicht entscheidend. Studienabbrecher gehen Hoffmeister-Kraut zufolge hochmotiviert in die Ausbildung. Nur ein Prozent habe die Lehre wieder abgebrochen.

Die Entscheidung für eine bestimmte Berufsausbildung treffen die Befragten im Wesentlichen nach der Attraktivität der Ausbildungsinhalte. Besonders beliebt sind bei Studienabbrechern vor allem die kaufmännischen Berufe wie Bank- oder Versicherungskaufmann sowie die IT- und naturwissenschaftlichen Berufe wie Fachinformatiker oder Chemielaborant.

Studienabbrecher im Handwerk willkommen

Rainer Reichhold heißt sie auch im Handwerk willkommen. "Ein Studium ist ein Weg zu einer hohen Qualifizierung – aber keineswegs der einzige. Wenn ein Jugendlicher nach der Schule einen Handwerksberuf erlernt, seinen Meister macht und später einen Betrieb gründet oder übernimmt, hat er oder sie beste Chancen – auch einkommensmäßig", so der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages.

Auch wenn es erfreulich sei, dass die Studienabbrecher in einer Berufsausbildung eine neue Heimat fänden, wäre den jungen Menschen noch mehr geholfen, wenn sie erst gar nicht in diese Situation geraten würden. "Hier muss eine gute und praxisnahe Berufsorientierung ansetzen." Reichhold hält es für wichtig, Schülern, Eltern und Lehrkräften schon früh und intensiv die Vielfalt der Handwerksberufe und ihre Karrierewege aufzuzeigen. Das Handwerk engagiere sich bereits mit der Berufsorientierungsplattform handwerks-power.de, Bildungspartnerschaften und Ausbildungsbotschaftern.

Berufsorientierung an Gymnasium verstärken

Damit möglichst viele Jugendliche direkt eine passende Berufsentscheidung fällen, wollen das baden-württembergische Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium die Aktivitäten zur Berufsorientierung in den allgemein bildenden und beruflichen Gymnasien gezielt verstärken. "Mit den Initiativen Ausbildungs- und Studienbotschafter wollen wir noch mehr Jugendliche auf Augenhöhe über die Berufsausbildung und das Studium informieren", sagt Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Dazu werde es mehr Besuche von Auszubildenden in der Sekundarstufe I sowie mehr Auftritte gemeinsam mit Studienbotschaftern in der Sekundarstufe II geben. Für Studienzweifler wird es über gut-ausgebildet.de ein neues Informationsangebot im Internet geben.

Text: / handwerksblatt.de
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