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EU zwingt Hersteller, Ersatzteile zu liefern

Die EU hat sich auf neue Regelungen für Elektrogeräte geeinigt. Hersteller müssen künftig Ersatzteile bereitstellen. Außerdem sind sie verpflichtet, Informationen zur Reparatur herauszugeben.

Ersatzteile für Reparaturen von Waschmaschine und co. werden künftig einfacher erhältlich Foto: © Andriy Popov/123RF.com
Ersatzteile für Reparaturen von Waschmaschine und co. werden künftig einfacher erhältlich

Die EU-Kommission hat neue Ökodesign-Regelungen für Elektrogeräte vorgestellt. Für Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler, elektronische Displays und Leuchtmittel spielt erstmals neben der Energieeffizienz auch der Ressourcenschutz eine Rolle. Dazu werden die Hersteller per Gesetz in die Pflicht genommen: Künftig müssen sie Ersatzteile mindestens sieben Jahre lang vorhalten und Reparaturanleitungen frei zur Verfügung stellen.

Noch dazu sollen die Geräte in Zukunft so gestaltet werden, dass ein Austausch mit herkömmlichen Werkzeugen ohne Schäden möglich ist. LED-Leuchtmittel dürfen nicht mehr fest in Lampen verbaut werden, sondern müssen austauschbar sein.

Die neuen Regeln werden wahrscheinlich erst im September 2021 in Kraft treten, denn vorher müssen das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten noch zustimmen.

Gut für Umwelt und Geldbeutel

Hintergrund ist: Freie Werkstätten bekommen oft keine Ersatzteile von den Herstellern oder nur gegen höhere Kosten. Die Anbieter diktieren so den Markt. Außerdem landen Elektrogeräte schnell auf dem Müll, obwohl sie repariert werden könnten.

Detlef Vangerow, Rundfunk- und Fernsehtechnikermeister aus Reutlingen, hat im Oktober 2018 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums als Experte die EU-Vorschläge bewertet. "Reparaturen sichern die Existenz der Reparaturwerkstätten und erhalten das technische Know-how in Deutschland! Und Ersatzteile sind der Schlüssel zur Reparatur", betont der Handwerker, der schon lange die "Reparatur-Revolution" ausgerufen hat. 

Vor allem Smartphones, Computer und Tablets sind ressourcenintensiv in der Herstellung, haben aber oft nur eine begrenzte Lebens- und Nutzungsdauer weil keine Sicherheits- und Softwareupdates mehr verfügbar sind. Nicht nur Hardware, auch verfügbare Software ist daher wichtig. "Ganz praktisch sollte hier für jede einzelne Produktgruppe festgelegt werden, wie lange Sicherheits- und Softwareupdates zur Verfügung stehen müssen", meint Vangerow.

Ressourcenschutz bitte auch für Produkte, die keine Energie verbrauchen

Verbraucherschützer sind einigermaßen zufrieden mit den neuen EU-Normen: „Neben Energie werden damit auch Ressourcen gespart. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel der Verbraucher. Der Ball liegt jetzt bei den EU-Mitgliedstaaten. Sie müssen Maßstäbe beim Ressourcenschutz setzen und die Öko-Designrichtlinie erweitern“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. Er fordert daher, dass über das EU-Ökodesign alle relevanten Produktgruppen abgedeckt werden.

Handwerksmeister Vangerow sieht das genauso: "Die Regeln des EU-Ökodesigns sollten auch für Produkte eingeführt werden, die keine Energie verbrauchen." Beispiele seien Büro-Haushaltsmöbel, Schuhe oder Freizeitartikel. "Produkte sollten generell haltbar, reparierbar und recyclingfähig sein, daher muss die EU-Kommission dringend prüfen, für welche weiteren Produktkategorien Vorgaben für den Ressourcenschutz eingeführt werden können", betont er.

Mit Einführung einer Reparaturklausel im Designrecht hatte auch die Bundesregierung im September 2018 den Wettbewerb bei Ersatzteilen verbessert.

 

Text: / handwerksblatt.de

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