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Factoring: Geht auch bei kleinen Unternehmen

Offene Forderungen sofort in Liquidität verwandeln, das geht mit Factoring. Wir erklären, warum der Forderungsverkauf auch kleineren Unternehmen viele Vorteile bietet.

Wer sich dem Thema Factoring öffnet, der will häufig nicht mehr darauf verzichten. Foto: © designer491 /123RF.com
Wer sich dem Thema Factoring öffnet, der will häufig nicht mehr darauf verzichten.

Factoring, also Forderungsverkauf, das kennen viele vom Zahnarztbesuch. Die Rechnung für die professionelle Zahnreinigung oder eine neue Krone wird nicht an die Praxis selbst, sondern an eine ärztliche Verrechnungsstelle überwiesen. Im Handwerk ist Factoring noch ein eher schwieriges Feld, teilweise sogar ein Tabuthema.

"Geschätzt halten 95 Prozent der Handwerker Factoring für unseriös. Die restlichen fünf Prozent, die Factoring schon kennen und nutzen, würden nicht mehr darauf verzichten. Da ist eine enorme Diskrepanz", sagt Dirk Hecking, Leiter der Unternehmensberatung der Handwerkskammer zu Köln, der ein großer Fürsprecher des Forderungsverkaufs ist.  

Gerade bei expandierenden Unternehmen sei das ein geradezu simples Instrument, um dem steigenden Liquiditätsbedarf gerecht zu werden, betont Hecking. "Das Unternehmen kann mit der Liquidität planbar wirtschaften."

Das Geld ist sofort auf dem Konto

Factoring ist eine Art Dreiecksbeziehung. Der Handwerker liefert Waren oder Dienstleistungen an die Kundschaft. Die Ausgangsrechnungen kauft das Factoringunternehmen ab. Es überweist dem Handwerker das Geld innerhalb von ein bis zwei Banktagen, kümmert sich um die Abrechnung mit dem Kunden und übernimmt in der Regel auch das Ausfallrisiko. Abgezogen wird die vereinbarte Factoringgebühr von rund zwei bis vier Prozent vom angekauften Forderungsbestand. Einfluss auf die Höhe der Gebühren haben das Forderungsvolumen, die Bonitäten, der Aufwand und andere Details. 

Warum die Skepsis vieler Unternehmer?

Foto: © WSF/123RF.com Foto: © WSF/123RF.com Das Geld ist sofort auf dem Konto, um die Rechnungsabwicklung muss man sich nicht kümmern, und man könnte sich eine Warenkreditversicherung sparen. Auf Wunsch übernimmt die Factoringgesellschaft auch das Mahnwesen – warum also die Skepsis vieler Unternehmer? "Vielleicht liegt es daran, dass viele Firmenchefs Factoring und Inkasso in einen Topf werfen oder es als Sanierungsmaßnahme missverstehen", vermutet Rechtsanwalt Dr. Axel Janda gegenüber dem Handwerksblatt. "Folglich haben sie die Befürchtung, ihre Kundschaft oder Geschäftspartner zu verprellen, wenn sie Rechnungen über eine Factoringgesellschaft verschicken würden."

Einige wenige Factoringgesellschaften öffnen sich  

Aber nicht nur Betriebe sind skeptisch, sondern auch ein Großteil der Factoringanbieter sperrt sich, wenn ein Elektriker, Fensterbauer oder Dachdecker anfragt. "Forderungen aus dem Handwerk lehnen viele ab", weiß Janda, "denn das Handwerk wird mit Rechnungskürzung und Verlust in Verbindung gebracht", so der Experte. Es gibt aber auch Ausnahmen: Auf der einen Seite gibt es Handwerker, die den Forderungsverkauf seit Jahren praktizieren und damit sehr zufrieden sind, und es gibt auf der anderen Seite eine Handvoll Factoringgesellschaften, die sich dem Handwerk geöffnet haben. 

Kontokorrentkredit kostet auch Geld

"Factoring ist mehr als nur ein Finanzierungsmittel", weiß Bernd Renz, Leiter Vertrieb bei der Targobank AG mit Sitz in Mainz. Factoring biete neben dem Vorteil, dass Rechnungen am gleichen Tag zu Liquidität werden, weitere Vorteile: "Beim echten Factoring übernimmt die Factoringgesellschaft das Ausfallrisiko zu 100 Prozent." Auf Wunsch des Kunden könnten auch weitere Dienstleistungen wie zum Beispiel das Mahnwesen oder das Inkasso vom Factoringanbieter übernommen werden. "Dies reduziert den Verwaltungsaufwand auf Kundenseite und spart zudem Geld", so Renz. "Unsere Erfahrung zeigt, dass der durchschnittliche Zahlungseingang schneller erfolgt und die Reaktion auf etwaige Mahnungen deutlich reduziert werden, sobald der Factor diese Dienstleistungen mit übernimmt."Janda ist seit 1990 auf Factoring spezialisiert und hat 2001 den Bundesverband Factoring für den Mittelstand (BFM) als Branchenvertretung ins Leben gerufen, dessen Präsident er viele Jahre war. Er möchte das Thema verbreiten und betont: "Ein Unternehmen, das auf Rechnung arbeitet, hat immer einen Monatsumsatz an Außenständen, die es vor sich herschieben und zwischenfinanzieren muss.

Das geschieht im besten Fall mit eigenem Kapital oder aber mit dem Kontokorrentkredit. Der kostet Geld, ist abhängig von Sicherheiten und nicht unbegrenzt. Jedes Unternehmen hat aber diesen ungehobenen Schatz an Liquidität, der über Factoring gehoben werden kann. Dies soll keinesfalls Ersatz für den Kontokorrentkredit sein, aber eine Ergänzung im Finanzierungsmix." Mit der Liquidität könne man sofort wirtschaften, kann von Skontovorteilen und Barzahlerrabatten profitieren. Die höhere Eigenkapitalquote komme am Ende auch dem Bankenrating und den Kreditkonditionen zugute. 

Die Anzahl der kleinen und mittleren Betriebe, die sich dem öffnen, wächst kontinuierlich. "Das Ankaufvolumen stieg im ersten Halbjahr 2018 um 11,3 Prozent an", meldet der Verband BFM. Die Anzahl der KMU, die eine Forderungsfinanzierung nutzen, stieg demnach um 7,6 Prozent. 

Kirsten Freund

Voraussetzungen für Factoring:

Nur gesunde Unternehmen mit werthaltigen Forderungen, guter Bonität und sicherer Ertragskraft werden akzeptiert. Das Unternehmen muss bei vielen Gesellschaften einen gewissen Mindestumsatz haben, und auch bei der Höhe der Rechnungen gibt es je nach Factoringgesellschaft Mindestanforderungen. Bevor diese ein Angebot macht, prüft sie zum Teil, wie die Kundenstruktur ist oder wie viele Ausfälle es in der Vergangenheit gab. 

Nicht factoringfähig sind:  

Forderungen an Generalunternehmer / Bauträger sind in der Regel ausgenommen. Der Ankauf erfolgt hier, wenn überhaupt, nur nach Absprache. Beim Vorliegen von sogenannten Abtretungsverbotsklauseln in den AGB des Auftraggebers wird der Ankauf in der Regel abgelehnt, obwohl er auch dann rechtlich wirksam wäre.  

Anbieter für das Handwerk:

Einige wenige Factoringgesellschaften arbeiten mit dem Handwerk und hier speziell dem Baunebengewerbe zusammen. Dazu zählen unter anderem die Teba-Kreditbank, die CB Bank (beide gehören zur VR Gruppe), die Montan Factoring GmbH und die DV Deutsche Verrechnungsstelle, die als Partner die "abcfinance" hat. Alle Gesellschaften haben unterschiedliche Schwerpunkte. 

Text: / handwerksblatt.de

Leserkommentare

05.02.2019 08:04:53 Uhr
Heiko Walter

Privatpersonen und Factoing

Kleine Ergänzung zum Text.
Die meisten Factoringgesellschaften kaufen lediglich Forderungen gegenüber Gewerbekunden an, Forderungen gegenüber Privatpersonen werden meistens nicht angekauft/ finanziert. Nur ein paar wenige Gesellschaften können bzw. wollen das.
Diese zentrale Frage sollte in dem Gespräch mit einer Factoringgesellschaft als einer der ersten Beantwortet werden.

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