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Kammer Düsseldorf: Siebzig Jahre Meisterfeier

1949 fand die erste Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf statt. Seitdem bestanden in 70 Jahren rund 170.000 Handwerker ihre Meisterprüfung im Kammerbezirk.

Alle Bundeskanzler von Konrad Adenauer über Helmut Schmidt (in der Bildmitte) und Helmut Kohl bis Gerhard Schröder waren zu Gast bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf. Foto: © HWK Düsseldorf
Alle Bundeskanzler von Konrad Adenauer über Helmut Schmidt (in der Bildmitte) und Helmut Kohl bis Gerhard Schröder waren zu Gast bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf.

Am Osterdienstag 1949 fand in der Rheinhalle die erste Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf statt. 2.500 Jungmeister erhielten im Rahmen dieses feierlichen Akts die "Meisterwürde"; es gab insgesamt 43 Jahresbestmeister. Landtagspräsident und Oberbürgermeister Josef Gockeln hielt in Vertretung des verhinderten Ministerpräsidenten Karl Arnold die Festrede.

Die erste Meisterfeier stand ganz im Zeichen der Folgen des Zweiten Weltkrieges und des politischen wie wirtschaftlichen Wiederaufbaus. Dem Handwerk wurde von allen Rednern eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau Deutschlands zugeschrieben: Angesichts des kriegsbedingten Fachkräftemangels, des Rohstoffmangels und der grassierenden Armut wurden die "Arbeitskraft und schöpferische Intelligenz" der Handwerker als Voraussetzung für das Wiedererlangen wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit angesehen.

Größte handwerkspolitische Kundgebung

Foto: © HWK Düsseldorf Foto: © HWK Düsseldorf Zudem stand die Meisterfeier 1949 unter dem Motto: "Standesbewusstsein statt Klassenbewusstsein". Erst 1953 sollte das "Gesetz zur Ordnung des Handwerks" verabschiedet werden – der Karriereweg "Lehre – Geselle – Meister" war nach dem Krieg vor allem unter den Besatzungsmächten nicht unumstritten. Präsident Georg Schulhoff betonte daher: "Das Handwerk bejaht und wünscht den freien Wettbewerb. Es erwartet aber, dass durch Meisterprüfung und Großen Befähigungsnachweis dieser Wettbewerb auf einer höheren Ebene ausgetragen wird." Damit schloss sich das Handwerk exakt der Wettbewerbskonzeption der Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft an, die stets von einem freien Leistungswettbewerb gesprochen hatten.

Schnell hat sich die zentrale Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf als größte handwerkspolitische Kundgebung einen festen Platz im Jahreskalender des Wirtschaftssektors und der politischen Spitzenrepräsentanten der Bundesrepublik erobert. Zahlreiche Bundespräsidenten von Theodor Heuss über Walter Scheel bis Richard von Weizsäcker, alle Bundeskanzler von Konrad Adenauer über Helmut Schmidt und Helmut Kohl bis Gerhard Schröder, Spitzen der EU wie Leo Tindemans und Jean-Claude Juncker und sämtliche Ministerpräsidenten des Landes NRW – zuletzt zur Jubiläums-Meisterfeier am 12. Mai 2019 Regierungschef Armin Laschet - haben dem Elite-Nachwuchs des Handwerks von Rhein und Ruhr ihre Reverenz erwiesen.

Rund 170.000 Jungmeister in 70 Jahren

Foto: © HWK Düsseldorf Foto: © HWK Düsseldorf Selbst aus München war für Franz Josef Strauss und Edmund Stoiber einst kein Weg zu weit, um den rheinischen Meisternachwuchs zu ehren und ein pointiertes Statement zum Stellenwert der Meisterqualifikation – und natürlich zu den aktuellen Brandthemen der Wirtschafts-, Sozial- oder Bildungspolitik - abzugeben. Und die Absolventen der Meisterfortbildung aus in 70 Jahren? Im Düsseldorfer Kammerbezirk sind seit 1949 rund 170.000 Jungmeister hervorgegangen, von denen 30 bis über 60 Prozent eines Jahrgangs ein eigenes Unternehmen gründeten – und darin im Schnitt fünf bis sieben Mitarbeiter in Lohn und Brot brachten.

Text: / handwerksblatt.de
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