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Ausbildungsabbrüche: ein differenziertes Problem

Mehr als ein Viertel der Azubis bricht seine Ausbildung ab. Das Handwerk ist alarmiert, fordert aber einen differenzierten Blick auf das Problem.

Vorzeitiges Beenden von Ausbildungsverträgen habe sehr unterschiedliche Ursachen, sagt Holger Schwannecke (Foto: © auremar/123RF.com)

Die Quote der Ausbildungsabbrecher ist so hoch wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr, berichtet die Süddeutsche Zeitung und beruft sich dabei auf den Entwurf für den Berufsbildungsbericht 2018. Demnach bricht mehr als jeder vierte Azubi seine berufliche Ausbildung ab. "Wir im Handwerk wollen Fachkräfte qualifizieren und an uns binden. Insofern bedauern wir, wenn Auszubildende vorzeitig ihre Lehre abbrechen", sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. "Und wir analysieren die Ursachen. Dabei stellen wir fest: Vorzeitiges Beenden von Ausbildungsverträgen hat sehr unterschiedliche Ursachen."

Ein Großteil habe die Ausbildung nicht wirklich abgebrochen, sondern nur den Vertrag gelöst und setze die Ausbildung in einem anderen Betrieb fort. Ein Wechsel sei umso leichter, je größer das Ausbildungsangebot ist. Die Aussteigerzahlen müssten aber auch im Verhältnis zu anderen Bildungsbereichen gesehen werden. Im Vergleich zum akademischen Bereich seien die Ausbildungsabbrüche im Handwerk deutlich geringer. "Mit ausbildungsbegleitenden Hilfen und der Assistierten Ausbildung stehen Auszubildenden zudem Unterstützungsinstrumente bei fachlichen und persönlichen Schwierigkeiten zur Auswahl, die noch bekannter gemacht werden müssen."

Ausbildungsvergütung und Lohn nicht in einen Topf werfen

Die in jüngster Zeit zunehmende Vertragslösungsquote sei auch auf die steigende Zahl von geflüchteten Auszubildenden zurückzuführen. Sprachdefizite und unzureichende Kenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen führten zu Problemen vor allem in der Berufsschule und damit leider auch zu Ausbildungsabbrüchen. "Die Ausbildungsvergütung ist selten der Grund für den Abbruch einer Ausbildung. Schornsteinfeger-Azubis verdienen zum Beispiel deutlich weniger als der Schnitt und haben dennoch eine unterdurchschnittliche Vertragslösungsquote. Auszubildende in Maurerbetrieben hingegen verdienen deutlich mehr als der Schnitt, ihre Vertragslösungsquote hingegen ist überdurchschnittlich", so Schwannecke.

"Wir dürfen auch nicht die Themen Ausbildungsvergütung und Lohn in einen Topf werfen. Die Ausbildungsvergütung ist kein Lohn oder Gehalt, sondern ein Zuschuss zum Lebensunterhalt. Dazu kommen dann noch das Kindergeld und weitere soziale Förderungen. Azubis sind keine voll einsatzfähigen Arbeitskräfte, sondern lernen noch." Die Höhe der Ausbildungsvergütungen orientiere sich an der Leistungsfähigkeit der ausbildenden Betriebe und den steigenden Einsatzmöglichkeiten der Auszubildenden zusammen.

Regionale und branchenbezogene Unterschiede

Hinzu komme, dass es regionale wie auch branchenbezogene Unterschiede bei den Auszubildenden-Entgelten gibt. Je nach Region und Branche können die Ausbildungsvergütungen deutlich variieren. Eine generelle starre Untergrenze für Ausbildungsvergütungen würde dieser Vielfalt und den regionalen wie branchenüblichen Besonderheiten in keiner Weise gerecht. Deswegen kann nur ein branchenspezifischer Ansatz eine Lösung sein. Darüber sollten aber die Sozialpartner entscheiden und nicht die Bundesregierung. "Wir wollen auf keinen Fall, dass die Tarifautonomie ausgehebelt wird. Um Auszubildende besser zu unterstützen, wäre das Azubi-Ticket eine Möglichkeit. Schließlich bekommt auch ein Student während seiner Ausbildung Vergünstigungen, wie das Semesterticket."

Foto: © auremar/123RF.com

Text: / handwerksblatt.de
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