Anzeige

Antworten zum neuen Datenschutzrecht

Die Datenschutz-Grundverordnung steht in den Startlöchern. Auch Handwerksbetriebe sollten sich darauf vorbereiten. Wir geben praktische Tipps für den Betriebsalltag.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Das neue Datenschutzrecht
Datenschutzgrundverordnung,  Datenschutzrecht, EU, Datenschutzgrundverordnung, Handwerk, DSGVO
Der neue Datenschutz ist leider nicht im Rechner eingebaut. Foto: © Liu_Ming/123RF.com

"Das betrifft mich doch gar nicht", denkt so mancher Inhaber eines Handwerksbetriebs beim Stichwort Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Irrtum! Wenn sie am 25. Mai 2018 in Kraft tritt, hat das Folgen für alle Unternehmen – auch die kleinen. "Jeder Betrieb, der Mitarbeiterdaten elektronisch verwaltet, ist schon mittendrin in der Haftung der DSGVO", erklärt Nicole Baumgärtel, Datenschutzbeauftragte der Handwerkskammer Düsseldorf, "Handwerker, die eine Kundendatenbank oder ein elektronisches Kundenmanagementsystem führen, erst recht." Wer Daten seiner Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner nutzen möchte, muss künftig bestimmte Pflichten erfüllen.

Auf den ersten Blick sieht die DSGVO recht kompliziert aus, im Vergleich zum aktuellen deutschen Recht ändert sich aber nicht viel. Wie bisher dürfen personenbezogene Daten nur mit Erlaubnis verarbeitet werden. Die Betroffenen bekommen aber neue Auskunftsrechte. Außerdem sollen mehr datenbezogene Vorgänge dokumentiert werden – wer das nicht macht, riskiert in Zukunft Bußgelder. "Aber wie so oft gilt auch hier: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird", beruhigt die Expertin. "Sollte es tatsächlich mal zu einer Kontrolle kommen, sollte der Unternehmer zeigen, dass er den Datenschutz ernst nimmt und sich auf den Weg gemacht hat."

1. Um welche Daten geht es?
Geschützt sind alle personenbezogenen Daten von Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern – also etwa Namen, Bilder, Telefonnummern oder Adressen. Darunter fallen auch digitale Daten wie Emailadresse, Nutzernamen in sozialen Netzwerken, Profilbilder und IP-Adresse. Betriebe müssen bestimmte Pflichten beachten, wie sie diese Daten sammeln, speichern und nutzen. Achtung: Gesundheitsdaten wie etwa Dioptrienzahl oder Gehörschädigung gelten als besonders schutzwürdig; Gesundheitshandwerke dürfen diese Daten aber für die Gesundheitsvorsorge oder für Behandlungsverträge nutzen – das erlaubt das Datenschutzgesetz.

 2. Wann darf ich die Daten nutzen?

Datensicherheit 123rfErheben, verarbeiten und nutzen darf man personenbezogene Daten grundsätzlich nur mit einer Erlaubnis. Diese kann entstehen aus einem Gesetz oder der Einwilligung der betroffenen Person. Per Gesetz ist beispielsweise eine Datenverarbeitung zulässig, wenn sie zur Erfüllung eines Vertrags erforderlich ist. "In der Praxis heißt das: Hat ein Handwerker etwa nach der Adresse eines Kunden gefragt, um den Auftrag vor Ort beim Kunden ausführen zu können, ist das erlaubt", erklärt die Expertin. "Unproblematisch ist auch, wenn er sich eine Emailadresse geben lässt, um dem Kunden nach seinem Wunsch einen Kostenvoranschlag senden zu können." Diese Daten – genauso wie die Daten der Mitarbeiter – darf der Betrieb aber nicht an Dritte weitergeben (Ausnahme: Dienstleister wie etwa Steuerberater oder Anwalt) und nur so lange speichern, bis der Auftrag erledigt ist. Will er sie in einer Datenbank archivieren, bedarf das einer Genehmigung. Grundsätzlich gilt: Seien Sie sparsam beim Speichern von personenbezogenen Daten!

Ein Beispiel aus der Praxis: "Die Telefonnummer des Kunden an das private Handy eines Mitarbeiters weiterzugeben, ist nicht erlaubt", betont die Datenschutzbeauftragte, "schaffen Sie lieber Diensthandys an, um sicher zu gehen!" Das hilft auch, die Daten der Mitarbeiter zu schützen, wie ein anderer Praxisfall zeigt: Für den Handwerker-Parkausweis hatte die Stadt Mönchengladbach das Hinterlassen einer Handynummer hinter der Windschutzscheibe vorgeschrieben. Ein Geselle eines Handwerksbetriebes wollte aber nicht seine Privatnummer öffentlich sichtbar im Wagen lassen. Zu Recht, wie sich herausstellte. "Nach Einschreiten der Handwerkskammer stellte die Stadt ihre Vorgaben um", berichtet Baumgärtel.

Fotos: ©  Liu_Ming/123RF.com; Rancz Andrei/123RF.com

Text: Anne Kieserling

Leserkommentare

nach oben