Ein Friseursalon ohne Kunden? André Lichtenscheidt kommt trotzdem jeden Tag für zwei Stunden in seinen Hair & Barbershop Cut Corner im Düsseldorfer Stadtteil Bilk, um Spenden für seine Charity-Aktion entgegenzunehmen. Oder er fährt mit seinem Lastenrad Shampoos und Pomaden zu Kunden, die in seinem neuen Onlineshop bestellt haben.

Ein Friseursalon ohne Kunden? André Lichtenscheidt kommt trotzdem jeden Tag für zwei Stunden in seinen Hair & Barbershop Cut Corner im Düsseldorfer Stadtteil Bilk, um Spenden für seine Charity-Aktion entgegenzunehmen. Oder er fährt mit seinem Lastenrad Shampoos und Pomaden zu Kunden, die in seinem neuen Onlineshop bestellt haben. (Foto: © Kirsten Freund)

Spendenaktion: Friseursalon wird zur Suppenküche

Seinen Friseursalon und Barbershop Cut Corner musste André Lichtenscheidt wegen Corona schließen. Was also tun? Ostersonntag startet der Düsseldorfer eine Spendenaktion und Suppenküche für Bedürftige. Die Resonanz ist schon jetzt überwältigend.

Am Donnerstag, dem 19. März, wenige Tage vor der offiziellen Anordnung, dass auch Friseure auf Grund von Corona endgültig schließen müssen, hat André Lichtenscheidt beschlossen, seinen Laden nicht weiter zu öffnen. "Ich hatte Angst um meine vier Mädels und Gewissensbisse", erzählt der Friseurmeister in der Sonne vor seinem Hair & Barbershop Cut Corner in Düsseldorf Bilk.

Gemeinsam haben sie alle Kunden informiert und bis Samstag nochmal richtig reingeklotzt. Am 1. April hat der Chef dann für seine Mitarbeiterinnen Kurzarbeit angemeldet. Eine völlig neue Situation für den 36-Jährigen, der in den zehn Jahren seiner Selbstständigkeit immer einen vollen Terminplaner hatte.

Was nun? "Auf Langeweile habe ich keinen Bock", lacht André Lichtenscheidt. "Ich möchte lieber die Zeit nutzen und etwas Gutes tun."

Die Spendenaktion für Senioren startet Ostersonntag

Gesagt, getan: Ab Ostersonntag um 10 Uhr und dann alle zwei Tage können nun bedürftige Senioren in seinen Salon kommen und sich Essen und Sachspenden abholen. "Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit der Hamsterkäufer vorbei ist und die Menschen jetzt für andere etwas tun wollen. Ich möchte damit auch ein kleines Zeichen setzen", meint Lichtenscheidt. 

Wenn er nicht gerade Spenden annimmt, dann liefert Friseur André Lichtenscheidtmit seiner dicken Berta, so nennt er liebevoll sein Lastenfahrad, kostenlos Bestellungen aus. Der Online-Shop ist pünktlich zum Corona-Shutdown fertig geworden. Foto: © Kirsten FreundWenn er nicht gerade Spenden annimmt, dann liefert Friseur André Lichtenscheidtmit seiner dicken Berta, so nennt er liebevoll sein Lastenfahrad, kostenlos Bestellungen aus. Der Online-Shop ist pünktlich zum Corona-Shutdown fertig geworden. Foto: © Kirsten Freund

In Düsseldorf hat sich innerhalb weniger Tage herumgesprochen, was André Lichtenscheidt da gerade anleiertDer Friseursalon wird quasi zur Suppenküche. Das natürlich nur in übertragenem Sinn. Suppe aus der Gulaschkanone dürfte man in Corona-Zeiten nicht ausgeben. Darum ist alles sauber verpackt und vakuumiert.

Sein kultiger Salon mit antikem Interieur aus den 30-er bis 50-er Jahren ist weit über das Viertel, ja sogar über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Viele Kundinnen grüßen im Vorbeigehen, Autofahrer winken ihm zu, befreundete Geschäftsleute erkundigen sich nach der Spendenaktion. Eine ältere Dame mit Mundschutz bleibt stehen und fragt, ob sie vielleicht etwas beisteuern könnte.

Große Unternehmen, Handwerker und Privatleute spenden

Keine Langeweile trotz Zwangsschließung: André Lichtenscheidt will sich wegen der Corona-Schließung nicht die Laune verderben lassen und startet lieber eine Spenden-Aktion. Foto: © Kirsten FreundKeine Langeweile trotz Zwangsschließung: André Lichtenscheidt will sich wegen der Corona-Schließung nicht die Laune verderben lassen und startet lieber eine Spenden-Aktion. Foto: © Kirsten Freund

Auch auf den vorgeschriebenen Abstand ist alles vorbereitet. "Ich habe zwei Eingänge, da können die Leute dann vorne hinein und hinten hinausgehen. Der Rest wird mit Flatterband abgesperrt", erzählt er. Jeden Tag ist er jetzt für zwei Stunden vor Ort in seinem Salon, um die Spenden entgegenzunehmen.

Die Aktion wird von den Düsseldorfer Altstadtengeln begleitet und unterstützt. Ein Verein von Ehrenamtlichen, die obdachlosen und bedürftigen Menschen helfen. Hierhin kann sich jeder wenden, der spenden oder beim Verteilen im Friseursalon helfen möchte: altstadtengel@gmx.de

Große Firmen wie das Zeitarbeitsunternehmen Indeed oder die Molkerei Arla, die die Altstadtengel schon länger unterstützen, haben schon Waren gespendet. Auch Handwerkskollegen, wie der Düsseldorfer Metzger und "Bratwurstvirtuose" Peter Inhoven, der 40 bis 50 Portion von seinem Mittagstisch spendiert, oder die Bäckerei von Josef Hinkel sind an Bord. 

Kunden unterstützen den Salon mit Supporter-Scheinen

Die T-Shirts wurden zum zehnjährigen Bestehen 2019 entworfen und können jetzt über den neuen Onlineshop gekauft werden. Foto: © Kirsten FreundDie T-Shirts wurden zum zehnjährigen Bestehen 2019 entworfen und können jetzt über den neuen Onlineshop gekauft werden. Foto: © Kirsten FreundUnd wenn André Lichtenscheidt nicht gerade im Salon Spenden entgegen nimmt, fährt er mit seinem Lastenfahrrad, liebevoll die "dicke Berta" genannt, durch die Stadt und liefert an seine Kunden die Shampoos, Spülungen und Pomaden aus, die sie über seinen neuen Online-Shop bestellt haben.

Hier kann man seit Ende März auch sogenannte Supporter-Scheine kaufen, um den Salon zu unterstützen (dafür gibt es eine originell gestaltete Urkunde) oder Gutschein-Voucher für die Zeit nach der Kontaktsperre, wenn alle wieder zum Friseur gehen dürfen. "Wie die Kunden darauf schon in den ersten 24 Stunden reagiert haben, das war erschreckend schön."

Die staatliche Corona-Hilfe vom Bund und ein Förderkredit der KfW sind beantragt und zum Teil inzwischen ausgezahlt. Der Onlineshop ist eingerichtet und läuft super an. Jetzt sei die Zeit, um etwas zu bewegen und für andere zu tun.

André Lichtenscheidt hofft auch ein bisschen, dass Friseurkollegen, Ladeninhaber und andere Handwerker, die jetzt nicht arbeiten dürfen, vielleicht etwas Ähnliches auf die Beine stellen.

Text: / handwerksblatt.de

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