Weg von Öl und Gas, hin zur vollständigen Elektrifizierung: Daran arbeitet Elektro Birk seit 15 Jahren – mit Erfolg. Rund 100.000 Euro spart das Unternehmen im baden-württembergischen Oberkirch so jedes Jahr, schätzt Sven Bohnert, Leiter des Geschäftsbereichs Solartechnologie, Speichersysteme und E-Mobilität.
Elektro Birk: Effiziente Energienutzung im Betrieb
Für die Firmenwagen stehen 50 Ladepunkte bereit, die Flotte fährt zu 95 Prozent elektrisch. Foto: © Verlagsanstalt Handwerk GmbHWie hat Elektro Birk diese Einsparungen erreicht? "Alle Energieträger im Betrieb sind erneuerbar", sagt Bohnert. Den Anfang machte das Unternehmen mit einem Anbau 2011. "Damals haben wir uns entschieden, unsere eigene Infrastruktur konsequent zu elektrifizieren." Heute bedecken Photovoltaikanlagen mit über 200 Kilowatt Peak alle Dachflächen. Batteriespeicher puffern den Strom und versorgen den Betrieb zuverlässig – etwa die Luft-Luft-Wärmepumpen, die im Winter heizen und im Sommer kühlen. Für die Firmenwagen stehen 50 Ladepunkte bereit, die Flotte fährt zu 95 Prozent elektrisch. Allein bei der E-Mobilität spart der Betrieb rund 30.000 Euro jährlich, sagt Bohnert.
Was hat das gekostet? Die Investitionen in die Infrastruktur lagen bei 300.000 bis 400.000 Euro, berichtet der Elektrotechnikmeister – und ordnet die Summe ein: "Die Investitionen wären ohnehin angefallen, egal ob für fossile Energieträger oder für die Elektrifizierung." Eine Amortisationsrechnung hält er bei diesem Thema für den falschen Ansatz: "Keiner spricht über die Amortisation eines Verbrenners. Aber sobald irgendwo Elektro draufsteht, wird philosophiert, wann sich das rechnet".
Klimaschutz senkt nicht nur Kosten
"Betriebe favorisieren Maßnahmen, mit denen sie Kosten senken können", bestätigt Marcel Quinten von der Handwerkskammer des Saarlandes. Quinten leitet die Energie-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsberatung. Für ihn steht fest: "Betriebsinhaber haben den Wunsch nach wirtschaftlicher Stabilität und Zukunftssicherung – das ist letztlich nichts anderes als unternehmerische Nachhaltigkeit."
Doch nicht nur die Kosten sprechen für Klimaschutz. Nachhaltigkeit wirkt auch nach außen, weiß Quinten: "Gerade die jüngeren Generationen schauen stärker hin, wie ein Betrieb aufgestellt ist." Das betrifft Kunden und Fachkräfte.
Auch bei öffentlichen Ausschreibungen gewinnen Nachhaltigkeitskriterien an Bedeutung, aber auch in Lieferketten, so Quinten. So erhielten manche Zulieferer schon heute Fragebögen von Großkunden, die Nachhaltigkeitsdaten abfragen. Auch bei der Kreditvergabe spielen Nachhaltigkeitsaspekte eine wachsende Rolle. Einzelne Banken lassen bereits Nachhaltigkeitskriterien in die Ratings ihrer Firmenkunden einfließen. "Wer nachweisen kann, dass er nachhaltig wirtschaftet, kann sein Rating verbessern und teilweise von günstigeren Kreditkonditionen profitieren", berichtet Quinten.
Welche Vorteile hat Nachhaltigkeit im Handwerk für Unternehmen?
Die Vorteile gehen über den Kosteneffekt hinaus, bestätigt Sven Bohnert. Für den Betrieb zähle auch Autarkie – die Unabhängigkeit von unsicheren Energiemärkten und schwankenden Preisen. Zugleich dienen die Maßnahmen als Aushängeschild und Kompetenznachweis. "Wir reden nicht nur, sondern wir leben, was wir verkaufen." Kunden, die erstmals das Gelände betreten, seien "baff", so der Elektrotechnikmeister. "Die sehen, wie es bei uns gelebt wird, und sind dann überzeugt, dass das Konzept aufgeht."
Auch als Arbeitgeber profitiert Elektro Birk: Mitarbeitende sehen, dass ihr Arbeitgeber bei allen Entwicklungen die Nase vorn hat. "Unser Team strotzt genauso vor Euphorie wie wir", sagt Bohnert. Das bindet Mitarbeitende und hilft, neue zu finden. Nicht zuletzt hat das Unternehmen 2025 auch die Jury des Klimaretter Awards Handwerk überzeugt. Mit dem Award zeichnen das Deutsche Handwerksblatt und der Workwear-Hersteller Fristads nachhaltige Handwerksbetriebe mit Leuchtturmfunktion aus.
Qualität statt Wegwerfmentalität
Doch nicht nur Energieeinsparungen zählen im Handwerk. Elektro Birk achtet auch beim Materialeinkauf auf Nachhaltigkeit: Wo möglich, nutzt der Betrieb Produkte deutscher Hersteller, die sich reparieren lassen. "Wir wollen keine Wegwerfmentalität mit importierten Billig-Produkten", sagt Sven Bohnert. Auch bei Kleinteilen bevorzugt der Betrieb deutsche Lieferanten – am liebsten solche, die wiederverwendbare Netze statt Einmalverpackungen liefern.
Damit steht der Betrieb nicht allein: Neben dem Energieverbrauch sind Materialeffizienz und Abfallmanagement wichtige Themen im Handwerk, berichtet Frederic-Johann Ferber von der Handwerkskammer Düsseldorf. Dazu gehören auch die sortenreine Trennung, Rücknahme und Wiederverwertung von Reststoffen, berichtet der Leiter des Zentrums für Umwelt, Energie und Klima. "Der Effekt zeigt sich unmittelbar in den Entsorgungskosten."
Kreislaufwirtschaft im Handwerk: Status und Herausforderungen
Wie weit das Handwerk dabei ist, zeigt eine Umfrage der Handwerkskammer Ende 2025 unter mehr als eintausend Betrieben: Rund 17 Prozent haben ihre Prozesse bereits nach kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien gestaltet, fast 28 Prozent in Teilbereichen. Weitere 15 Prozent haben konkrete Ideen oder Interesse. "Das ist eine beachtliche Basis, zeigt aber auch, dass bei rund 40 Prozent der Betriebe das Thema bislang keine Rolle spielt", so Ferber.
Frederic-Johann Ferber, Handwerkskammer Düsseldorf Foto: © privatDabei unterschätzen viele das Thema "Kreislaufwirtschaft". "Gerade im Baugewerbe ließen sich theoretisch besonders große Abfallmengen vermeiden, wenn sich Betriebe intensiver mit dem zerstörungsfreien Rückbau und der Wiederverwendung von Bauteilen und Baustoffen beschäftigen würden", betont Ferber. Dem messen laut Umfrage jedoch nur 13,3 Prozent der Betriebe große Bedeutung bei.
Das liegt nicht nur an Zeit- und Personalmangel in den Betrieben. Auch externe Faktoren bremsen, wie die Umfrage zeigt: Unzureichende politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen erschweren Investitionen, rechtliche und bürokratische Hürden kommen hinzu. Nicht zuletzt fehlen Lösungen aus der Industrie, etwa für reparierbare oder recyclingfähige Vorprodukte und Rücknahmesysteme. "Das Handwerk kann nur so kreislauffähig arbeiten, wie es die Produkte zulassen, die es verarbeitet", betont Ferber.
In Zusammenhängen denken
Sven Börjesson,
Handwerkskammer zu Leipzig Foto: © KitzingWo Betriebe selbst gestalten können, sind viele schon weiter – im Großen wie im Kleinen. "Manches ist fast schon so normal, dass man gar nicht mehr daran denkt – vom Fair-Trade-Kaffee im Büro über Druckerpapier mit Grünem Punkt bis zum Einsatz unproblematischer Reinigungsmittel", sagt Sven Börjesson von der Handwerkskammer zu Leipzig.
Und im Großen? "Bei Investitionen geht es meistens um mehrere Aspekte, warum man eine Maßnahme umsetzt – das ist den Betrieben sehr bewusst", sagt der Leiter des Umwelt- und Transferzentrums in Leipzig. So schaffen Betriebe neue Maschinen nicht nur wegen des geringeren Energieverbrauchs an, sondern "auch weil damit mehr Produkte hergestellt werden können, die Arbeitsbedingungen verbessert werden und Material sparsamer eingesetzt wird".
Klimafreundliche Lösungen für heiße Büros
Ein anderes Beispiel liefere gerade die zunehmende Zahl an Hitzetagen, so Börjesson: In überhitzten Büros und Hallen helfen oft Klimaanlagen. Umweltfreundlicher und günstiger lässt sich der Wärmeeintrag anders senken:
– Dämmung schützt vor Hitze und senkt den Energiebedarf im Winter.
– PV-Module, schräg angeordnet auf der Fassade, verschatten die Fenster und erzeugen Strom – das senkt Verbrauchskosten und CO2-Emissionen.
– Rasengitter statt Asphalt: Wer den asphaltierten Parkplatz vor dem Büro durch Rasengittersteine, Gras, Bäume und Sträucher ersetzt, senkt die reflektierende Wärmestrahlung auf das Gebäude. Nebeneffekte: sinkende Abwassergebühren, geringeres Risiko durch Starkregen und "eine höhere Aufenthaltsqualität bei Pausen im Freien", so Börjesson.
Auch das Denken in Kreisläufen zahlt sich aus, nicht nur beim Material. Als Beispiel nennt Börjesson die Abwärme aus Druckluftkompressoren, Absauganlagen, Kühlaggregaten, Kesseln oder Öfen: Immer mehr Betriebe nutzen diese Energiequelle, um durch Wärmerückgewinnung Heizkosten zu sparen.
Mit drei Schritten zu den besten Ideen
So viele Möglichkeiten – wo sollen Betriebe anfangen? "Der erste Schritt ist immer die Bestandsaufnahme", sagt Frederic-Johann Ferber von der Handwerkskammer Düsseldorf: "Welche Energie- und Materialverbräuche habe ich, wo entstehen Abfälle, wo liegen die größten Kostenblöcke?" Daraus ergeben sich die eigenen Prioritäten.
Der zweite Schritt sei es, in Investitionszyklen zu denken. "Wenn ohnehin eine Maschine, ein Fahrzeug oder die Heizung zur Erneuerung ansteht, sollte die effiziente Variante gewählt werden, oft mit Förderung." Im dritten Schritt sollten Betriebe ihre Mitarbeitenden einbinden. "Die besten Ideen für Einsparungen kommen aus der Werkstatt selbst", sagt Ferber.
Die Unterstützung der Kammern nutzen
Bleibt noch eine Hürde: "Der Engpass ist im Handwerk selten das Geld, sondern die Zeit", weiß Ferber. Das Hindernis sei vor allem der Startaufwand: sich einen Überblick über die eigenen Verbräuche zu verschaffen und die richtigen Maßnahmen zu priorisieren. "Genau dafür gibt es Beratungsangebote. Einmal umgesetzt, ist der laufende Aufwand bei den meisten Maßnahmen gering", so Ferber.
Hilfe bieten vor allem die Handwerksorganisationen. Die Handwerkskammern beraten insbesondere zu Geschäftsmodellen, Energieeffizienz, Ressourceneinsparung und Fördermöglichkeiten. Auch die Fachverbände der Gewerke sowie Organisationen und Programme auf Landes- und kommunaler Ebene unterstützen.
Auch bei der Finanzierung helfen die Berater der Handwerkskammern: "Für vieles gibt es Zuschüsse oder günstige Darlehen – vom Bund, vom Land oder auch regional", berichtet Sven Börjesson von der Handwerkskammer zu Leipzig. Ein Hindernis: Die Informationen und Richtlinien der Förderinstitute sind oft schwer verständlich. "Da braucht es manchmal einen Mittler, und da helfen wir auch", so Börjesson.
Energie ist oft der größte Hebel Viele Betriebe setzen zuerst auf Maßnahmen, die sich einfach, günstig und schnell umsetzen lassen. Am meisten lässt sich häufig bei den Energiekosten sparen:
LED-Beleuchtung: Ein Wechsel zu LEDs rechne sich teilweise nach drei, vier Jahren – manchmal sogar schneller, so Quinten.
Zentralschalter: Sie verhindern Standby-Verluste, indem Maschinen abends zentral abgeschaltet werden.
Druckluftoptimierung: Beim Einsatz von Druckluft verpuffen 90 Prozent der eingesetzten Energie als Wärme, sagt Quinten. Wer undichte Kupplungen und Leckagen und Standby-Verluste abschaltet, spart viel Geld. "Durch solche Leckagen können pro Jahr leicht unnötige Energiekosten im vierstelligen Bereich entstehen", erklärt der Berater.
Photovoltaik: Photovoltaikanlagen amortisieren sich häufig in sieben bis zehn Jahren – bei einer Lebensdauer von 30 Jahren und mehr. "Wenn mir ein Firmengebäude gehört, dessen Dach tragfähig und nicht verschattet ist, muss eine PV darauf", sagt Quinten. "Ich würde wirtschaftliches Potenzial verschenken, wenn ich das nicht mache." Selbst wer den Betrieb bald übergeben will, steigert mit einer solchen Anlage den Immobilienwert. Mit einem Batteriespeicher lässt sich der Eigenverbrauch oft zusätzlich erhöhen – ob sich ein Speicher wirtschaftlich lohnt, muss aber im Einzelfall geprüft werden.
Elektromobilität: Besonders für Betriebe mit regionalem Einsatzgebiet und täglichen Strecken bis zu rund 150 Kilometern lohnen sich E-Fahrzeuge, so Quinten – vor allem, wenn die Fahrzeuge mit eigenem PV-Strom geladen werden. Auch Transport- und Anhängelasten der neuen Modelle reichen inzwischen für viele Gewerke aus.
Optimierte Wärmeübertragung: Wer Warmluftheizungen durch Strahlungsheizungen wie Dunkelstrahler oder Fußbodenheizung ersetzt, überträgt Wärme deutlich effizienter.
Wärmepumpen: Wer heute neue Betriebsgebäude errichtet, setzt zunehmend auf Wärmepumpen. Auch im Gebäudebestand, bei Sanierungen oder einer neuen Heizungsanlage, fällt die Entscheidung immer häufiger für diese Technologie.
So finden Sie den Einstieg
Marcel Quinten,
Handwerkskammer Saarland Marcel Quinten von der Handwerkskammer des Saarlandes empfiehlt einen systematischen Einstieg mit drei Angeboten des Handwerks:
Der Nachhaltigkeitscheck 360° orientiert sich an den ESG-Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Gemeinsam mit einem Berater der Handwerkskammer erstellt, liefert der Check in einem Gespräch einen ersten Überblick, wo ein Betrieb steht und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt. youtu.be/S1TpPDV8Imo
Das kostenlose E-Tool des Handwerks ermöglicht die Erfassung, Auswertung und auch das Monitoring von Energieverbräuchen und Emissionen. Damit schafft es die Grundlage für die Identifikation von Umsetzungsmaßnahmen, die konkret auf den Betrieb abgestimmt sind. Betriebe nutzen das Tool mit Unterstützung der Kammer oder auch eigenständig. e-tool.de
Der Zukunftskompass Handwerk ist für all jene Betriebe interessant, die ihre Nachhaltigkeitsbemühungen gegenüber Auftraggebern oder Banken dokumentieren wollen oder müssen. Der Zukunftskompass Handwerk ist abgestimmt auf den freiwilligen EU-Nachhaltigkeitsstandard ("VS"), der jetzt bald verabschiedet wird. "Zudem gibt es Schnittstellen zwischen E-Tool und Zukunftskompass, so dass die Energie- und Emissionsdaten unmittelbar in den Kompass übernommen werden können, was Zeit spart", betont Quinten. zukunfts-kompass-handwerk.de
Vorausschauen lohnt sich
Sven Bohnert, Elektro Birk Foto: © 2026 Elektro Birk e.K."Wo will ich mit meinem Betrieb hin?"
Auch Sven Bohnert rät Kollegen, sich erst einen Überblick zu verschaffen und planvoll vorzugehen. "Da hängt mittlerweile so vieles dran: normativ, versicherungstechnisch, vom Energieversorger.
Wer etwa seine Flotte nach und nach auf E-Mobilität umrüstet, könnte irgendwann feststellen, dass die Anschlussleistung nicht reicht und der Batteriespeicher zu klein ist. Sein Rat: "Da muss wirklich die Vision stehen: Wo will ich mit meinem Betrieb hin?"
Elektro Birk ist da schon einen Schritt weiter. Aktuell arbeiten Sven Bohnert und seine Kollegen daran, den Energieverbrauch noch smarter zu steuern. Die Energiemanagementsysteme auf dem Markt arbeiten bisher meist statisch. Bohnert schwebt ein System vor, das Wetterprognosedaten, Lastprofile und Börsenstrompreise berücksichtigt und dann Ladezeitpunkte, Klimatisierung und Großverbraucher automatisch aufeinander abstimmt. Dafür hat der Betrieb eine strategische Partnerschaft mit einem Münchner Energiemanagement-Unternehmen geschlossen. Das soll sich am Ende nicht nur innerbetrieblich auszahlen, berichtet der Handwerksmeister. "Vor allem bei unseren gewerblichen Kunden ist da noch so viel Energiesparpotenzial." DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
Text:
Jörg Wiebking /
handwerksblatt.de
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