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HWK Trier | Juli 2026
Web-Seminar zur Arbeitgeberattraktivität
Die Handwerkskammer Trier informiert über ein Web-Seminar, das im Rahmen des Projekts "Handwerk attraktiv Rheinland-Pfalz" stattfindet.
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Juli 2026
Noch ist die Personalsituation an den Berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz gut, doch die anstehende Pensionierungswelle und der Nachwuchsmangel bei Lehrkräften bringen das System unter Druck. Quer- und Seiteneinsteiger sollen helfen.
Noch fällt an den berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz wenig Unterricht aus. Doch hinter der stabilen Fassade wächst ein Problem, das viele Handwerksbetriebe bald direkt treffen könnte: In den kommenden Jahren gehen zahlreiche Berufsschullehrkräfte in Pension – und gerade in technischen Fächern fehlt der Nachwuchs. Das könnte in ländlichen Regionen dazu führen, dass Auszubildende längere Wege zur Berufsschule zurücklegen müssen. Besonders gefährdet sind die Nahrungsmittelgewerke oder das Friseurhandwerk.
Auf den ersten Blick wirkt die Situation wenig dramatisch. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in der dualen Ausbildung ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Vor 18 Jahren seien es noch etwa 86.000 gewesen, im kommenden Schuljahr liege die Zahl bei 63.100. Das ist ein Rückgang um mehr als ein Viertel, berichtet der Hauptpersonalratsvorsitzende für die Berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz Harry Wunschel. Der Unterrichtsausfall an den berufsbildenden Schulen ist aktuell mit rund zwei Prozent noch vergleichsweise niedrig.
Große Sorge bereitet die anstehende Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation mit gleichzeitig wieder leicht ansteigenden Schülerzahlen. Es fehlen Nachwuchslehrer in den Bereichen, die für das Handwerk zentral sind: technische Fächer, Metall, Elektro, Informationstechnik und Nahrung. "Dazu kommt, dass weniger Lehrerstellen als in den Vorjahren zur Verfügung gestellt werden", so Harry Wunschel, der neben seiner Tätigkeit als Personalratsvorsitzender an der Berufsbildende Schule I in Kaiserslautern unterrichtet.
Die Pensionswelle ist ein bundesweites Phänomen: Laut einer Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) wird bis 2035 rund ein Drittel der Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen in den Ruhestand gehen, während der Nachwuchs an qualifizierten Berufsschullehrern nicht ausreicht, um diese Lücke zu schließen. "Es gibt kaum Studierende in den beruflichen Fächern in Koblenz und Kaiserslautern", sagt Dr. Rüdiger Tauschek, Schulleiter der BBS 1 in Mainz.
Die gewerblich technische Schule mit 160 Lehrkräften hat aktuell fast Vollversorgung. Mit ihrem innovativen Unterrichtskonzept zählt zu den Top 20 Schulen des Deutschen Schulpreises – als einzige Berufsbildende Schule bundesweit. Auch mit ihrer Lage in der Landeshauptstadt kann die BBS 1 bei jungen Lehrkräften punkten.
"Bei uns liegt der Unterrichtsausfall bei nur ein bis zwei Prozent, aber die Lage ist angespannt. In zwei, drei Jahren kann sich alles ändern", so Tauschek. "Schon seit Längerem haben wir keinen einzigen Bewerber aus dem Lehramt im Bereich Elektrotechnik und Informatik. Offene Stellen können nicht besetzt werden." Die BBS 1 sei da keine Ausnahme. "Das ist im ganzen Land so, der Markt ist leergefegt", berichtet der Schulleiter.
Wer Elektrotechnik oder Informationstechnik studiert, ist in der Wirtschaft gefragt, hat oftmals bessere Einstiegsgehälter und Karrierechancen. "Das Bildungsministerium gibt alles daran, Interessierte zu finden und ihnen den Weg über den Quer- und Seiteneinstieg in die Schulen zu ebnen", betont Rüdiger Tauschek. Zum Beispiel gebe es eine große Kampagne des Ministeriums, um mehr Lehrkräfte zu finden.
Aber der Wechsel aus der Wirtschaft in den Schuldienst ist nicht immer einfach. Beim Quereinstieg absolvieren die Bewerberinnen und Bewerber ein Referendariat mit reduzierter Unterrichtsverpflichtung. Das Problem sei die Bezahlung während dieser Zeit, erklärt Harry Wunschel. Für Handwerksmeisterinnen, Techniker oder berufserfahrene Fachkräfte könne das ein Ausschlusskriterium sein. "Wer mitten im Berufsleben steht, Familie hat oder ein Haus finanziert, kann sich zwei Jahre mit deutlich geringerem Einkommen oft nicht leisten."
Der Personalrat fordert deshalb befristete Zulagen für die Quereinsteiger, insbesondere in Mangelberufen. Der Seiteneinstieg sei finanziell attraktiver, aber belastender. "Seiteneinsteiger werden auf einer Dreiviertelstelle bezahlt, müssen aber zugleich unterrichten und ihre pädagogische Ausbildung absolvieren." Es sei ein Kraftakt, das bis zum Ende durchzuhalten. Der Gefahr des Abbruchs sei groß, sagt Wunschel.
Sorge bereitet auch die künftige Versorgung in der Fläche. Viele Handwerksbetriebe sitzen nicht in Städten wie Mainz, Koblenz, Trier oder Kaiserslautern, sondern in kleineren Ortschaften und ländlichen Regionen wie der Eifel, der Südpfalz oder dem Donnersbergkreis. Dort sind wohnortnahe Berufsschulangebote für das Handwerk wichtig. Wenn Fachklassen geschlossen oder zentralisiert werden, müssen Auszubildende weite Wege fahren. Das kann für die Betriebe zum Problem werden.
Es sei wichtig, dass die Klassen auch in der Fläche erhalten bleiben. "Dafür kämpfen wir ", betont Harry Wunschel. Denn wenn zum Beispiel ein Friseur-Azubi 50 Kilometer zur nächsten BBS fahren muss, dann bilde der Betrieb künftig nicht mehr aus. "Wer ohnehin Mühe hat, Auszubildende zu finden, überlegt sich genau, ob lange Schulwege zusätzlich zum Risiko werden." Aber kleinere berufsbildende Schulen in der Eifel, in der Südpfalz oder im Hunsrück seien wichtig, um Azubis und Fachkräfte in der Region zu halten. Bisher gelinge es vielerorts noch, kleine Klassen und regionale Angebote zu sichern.
Doch die Grenze sei erreicht, wenn in einzelnen Jahrgängen nur noch drei oder vier Auszubildende übrigbleiben. "Kleine Klassen binden Lehrerstunden, die an anderer Stelle fehlen." Momentan engagieren sich die BBS zudem für mehr Deutschunterricht - nicht nur für Zugewanderte. Viele in Deutschland geborene Auszubildende hätten ebenfalls dringenden Bedarf, berichtet Harry Wunschel.
Diese Entwicklung beobachtet auch Friseurmeister Hans-Jörg Friese. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz und Präsident der HWK Rheinhessen: "Gerade im Friseurhandwerk, aber auch in anderen Gewerken stehen Berufsschulen vor der Herausforderung, immer heterogenere Lerngruppen mit teils erheblichen sprachlichen und fachlichen Defiziten zu unterrichten. Gleichzeitig kann der Mangel an spezialisierten Fachlehrkräften dazu führen, dass Unterrichtsausfälle häufig nicht kompensiert werden können. Besonders betroffen sind Auszubildende mit schwachen Grundkenntnissen, deren Chancen auf erfolgreiche Lernentwicklung dadurch weiter sinken."
Ein Angebot in Rheinland-Pfalz für Schüler ohne oder mit nur geringen Deutschkenntnissen ist das "Berufsvorbereitungsjahr Sprache" (BVJ-S). Personalrat Harry Wunschel hofft, dass in Zukunft an den Schulen mehr Stunden für Sprachunterricht - auch Fachsprache - zur Verfügung gestellt werden. Aber auch das hängt davon ab, dass es ausreichend Lehrkräfte und Stellen für die Berufsschulen gibt.
Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium sieht die Berufsschulen trotz angespannter Lage derzeit personell abgesichert: Alle Planstellen seien auch in diesem Schuljahr besetzt, schreibt das Ministerium auf Anfrage. Aktuell sind 23 Stellen ausgeschrieben, darunter 19 für den Seiteneinstieg, drei für Fachlehrer und eine für eine Lehrkraft für Fachpraxis.
Einen wesentlichen Beitrag zur Gewinnung und Qualifizierung von Lehrkräften für den berufsbildenden Bereich leiste die "ausgeweitete Einstellungspraxis in die Ausbildung zum Fachlehrer oder zur Fachlehrerin beziehungsweise zum Lehrer oder zur Lehrerin für Fachpraxis sowie Lehrkräfte im Seiteneinstieg". Diese erfolge mit einem regionalen oder sogar schulspezifischen Bezug.
"Hier spielt auch die Förderung innovativer Lehr- und Lernkonzepte eine bedeutende Rolle", schreibt das Ministerium. Dazu gehören beispielsweise der Ausbau des Blended-Learning-Angebots, digitale Lernformen und neue Formate wie Virtual und Augmented Reality in der beruflichen Bildung. Das Land setze auf mehr Seiteneinstiege, flexibilisierte Einstellungsverfahren, regionale und schulspezifische Rekrutierung, Werbekampagnen wie "lehrer-in.rlp.de" sowie neue Studienangebote und Fächerkombinationen. Befristete Zulagen für Seiteneinsteige, wie vom Personalrat gefordert, seien aber nicht geplant.
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