Steinmetzwissen zeitgemäß aufbereitet
Der Chatbot "SteinIQ" soll schnell und zuverlässig auf technische Fragen im Steinmetzhandwerk antworten. Seine Dienste sind jedoch vorerst einem exklusiven Kreis vorbehalten.
Wurde der Grabstein richtig gesetzt, steht die Bodenplatte zu hoch heraus oder passt das Gefälle der neuen Außentreppe? Auf alltägliche Fragen wie diese sollten Sachverständige und Betriebe des Steinmetzhandwerks schnell eine fundierte Antwort parat haben – gar nicht so einfach bei der Vielzahl technischer Regeln.
Eine niedrigschwellige, prompte und zuverlässige Hilfe soll nun eine KI-Lösung bieten. Ein Berliner Softwarehaus hat für den Bundesverband Deutscher Steinmetze den Chatbot "SteinIQ" entwickelt. "Man tippt nur zwei, drei Stichworte auf der Tastatur des PCs, Laptops, Smartphones oder Tablets ein und erhält innerhalb kürzester Zeit eine adäquate Auskunft, die auf den Formulierungen des technischen Regelwerks basiert", erklärt Raphael Holzer, Technischer Fachberater beim Bundesverband. "Damit kann man im Kundengespräch oder bei der Baubesprechung mit verifiziertem Fachwissen punkten."
Verbandsinterner Datenschatz
Dialog zwischen Nutzer und dem Technik-Chatbot SteinIQ Foto: © Bundesverband Deutscher SteinmetzeDer Chatbot ist geschützt in die Website des Bundesverbands eingebettet. Zugang erhalten dessen Mitglieder, indem sie im internen Bereich ihren Benutzernamen und ihr Kennwort eingeben. Die Dienste des virtuellen Assistenten sind im Innungsbeitrag enthalten.
Die KI-Modelle können auf einen reichhaltigen Datenschatz zugreifen – zum einen auf circa 50 Dokumente des Bundesverbands wie etwa Fachregeln, Fachinformationen und Richtlinien, zum anderen auf etwa 15 technische Regelwerke von Partnerverbänden. "Der Chatbot gibt die Antworten nur auf Basis der hinterlegten Informationen, halluziniert also nicht", betont Raphael Holzer. Nach der Abfrage lässt sich der Chat-Verlauf im Textformat kopieren oder in ein PDF umwandeln und kann damit auf einem stationären oder mobilen Endgerät abgelegt werden.
Potenzielle Informationsquellen
Normen wären eine ideale Ergänzung, "doch selbst wenn man sie gekauft hat, dürfen sie aktuell noch nicht einfach für KI-Anwendungen bereitgestellt werden", stellt der Fachberater klar. Der Bundesverband stehe aber schon in Kontakt mit dem Deutschen Institut für Normung, um dies eventuell im Rahmen eines Pilotprojekts zu erproben. Als weitere Quelle böten sich Fachbücher an. In diesem Falle müsse es wegen der Urheberrechte und der Kosten jedoch eine Absprache mit den Autoren oder dem Verlag geben, erklärt Holzer. Doch auch in diesem Punkt bemüht sich der Bundesverband um eine Lösung.
Neue Innungsmitglieder
Logo des Technik-Chatbots SteinIQ Foto: © Bundesverband Deutscher SteinmetzeSeit Anfang April 2026 steht "SteinIQ" den Innungsmitgliedern zur Verfügung. Die Rückmeldungen der Nutzer fallen bislang positiv aus. Zuspruch erhält Raphael Holzer vor allem von den Sachverständigen. "Sie sparen bei der Recherche für ein Gutachten sehr viel Zeit. Auf der Grundlage des umfangreichen Fachwissens erhalten sie einen vorformulierten Text, der nur noch auf den jeweiligen Fall angepasst werden muss", hebt der Technische Fachberater hervor.
Diese Mehrwerte haben sich offenbar bereits herumgesprochen, denn "einige Sachverständige sind wieder in die Innung eingetreten, um den Technik-Chatbot nutzen zu können". Intensives Interesse an einer Zusammenarbeit haben bereits auch verwandte Akteure wie der Fachverband Fliesen und Naturstein und der Deutsche Naturwerkstein-Verband bekundet. "Dies könnte dazu führen, dass die technischen Formulierungen zukünftig zwischen den verschiedenen Verbänden noch detaillierter und widerspruchsfrei aufeinander abgestimmt sind", hofft Holzer.
Erweiterung der Datenbasis
"SteinIQ" soll zunächst einem exklusiven Kreis vorbehalten bleiben. "Meines Wissens sind wir der erste Verband, der seinen Mitgliedern solch eine tolle Dienstleistung für die technische Beratung zur Verfügung stellt", erklärt der Mitarbeiter des Bundesverbands, denkt aber auch schon einen Schritt weiter. Er könnte sich vorstellen, den Chatbot mit internen betriebswirtschaftlichen, rechtlichen oder tariflichen Informationen zu füttern. "All diese Bausteine ließen sich zu einer Art Premiumversion zusammenfassen, die wir auch kostenpflichtig anbieten könnten, doch diese Idee steckt noch in den Kinderschuhen."
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Text:
Bernd Lorenz /
handwerksblatt.de
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