Brusk: Wo Brügge Mittelalter und KI verbindet
Brügge ist um eine Attraktion reicher. Am 8. Mai eröffnete die neue Kunsthalle Brusk mit zwei außergewöhnlichen Ausstellungen. Zugleich möchte das Haus ein offener Ort sein, an dem Kunst, Kultur und Menschen zusammenkommen.
Brügge, umgeben von Mauern und Toren, durchzogen von Grachten und Wasserwegen: Bewohner ebenso wie Gäste aus aller Welt schlendern über die gepflasterten Straßen. Ein Stimmengewirr aus Niederländisch, Französisch und Englisch ist zu hören. Die Gassen sind voller Bewegung. Waren werden gekauft, Nachrichten ausgetauscht. In den Restaurants sitzen Menschen verschiedener Herkunft an einem Tisch. Fremde, die für einen Moment zu Nachbarn werden.
Zwei neue Ausstellungen
Foto: Visit Bruges - © Jan DarthetSchon im Mittelalter war Brügge eine Stadt der Sprachen und Kulturen. Kaufleute, Handwerker und Reisende aus vielen Regionen begegneten sich in den Gassen, Kontoren und Gasthäusern. Die Stadt galt zu jener Zeit als bedeutendes Finanzzentrum und zählte zu den mächtigsten Kommunen Nordeuropas. Kaufleute und Handwerker betrieben regen Handel weit über die Grenzen Europas hinaus. Kontakte wurden geknüpft, Gilden und Zünfte organisierten sich, um gemeinsame Interessen zu vertreten. Wer die richtigen Menschen kannte, konnte leichter Geschäfte machen.
Das klingt doch fast so, als wäre es eine Szene aus dem heutigen Leben. Tatsächlich möchte der britische Historiker und Chefkurator der Ausstellung "Bigger Picture", Peter Frankopan, in der groß angelegten kulturhistorischen Schau des neuen Brusk die globalen Verbindungen des Mittelalters und deren Bedeutung für die Gegenwart zeigen. Noch bis zum 6. September 2026 können die mehr als 250 Kunst- und Kulturobjekte in einer der beiden großzügig gestalteten Ausstellungshallen betrachtet werden.
Foto: Visit Bruges - © Jan DarthetDemgegenüber steht die Ausstellung "Latent City" des türkisch-amerikanischen Medienkünstlers Refik Anadol. In seiner Schau in Brügge, die noch bis zum 8. November 2026 läuft, widmet sich der Künstler der digitalen Kunst und dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Mithilfe von KI und eigens entwickelten Algorithmen verwandelt Anadol Daten in immersive Kunstwerke. Die beiden Eröffnungsausstellungen könnten unterschiedlicher kaum sein – und verbinden doch Vergangenheit und Gegenwart.
Ein offenes Haus für Kunst und Begegnung
Seit jeher sind Stadt und Kunst eng miteinander verwoben. Brügge gilt als Wiege der Flämischen Primitiven. Bedeutende Sammlungen historischer Kunstwerke konnten bislang zwar in den städtischen Museen gezeigt werden, doch für große Sonderausstellungen fehlte der Platz. Brusk schafft nun zusätzliche Ausstellungsflächen und damit Raum für internationale Leihgaben und umfangreiche Sonderausstellungen.
Die neue Kunsthalle befindet sich inmitten des historisch geprägten Stadtzentrums. Foto: Musea Brugge | © Jasper van het GroenewoudIm Herzen des Brügger Museumsviertels, am Dijver 12, befindet sich die neue Kunsthalle inmitten des historisch geprägten Stadtzentrums. Umgeben von Grachten und Backsteinbauten bildet das Brusk mit seiner modernen Architektur einen spannenden Kontrast zur historischen Umgebung.
Dabei ging es den Architekten Robbrecht & Daem und Olivier Salens darum, ein Gebäude zu schaffen, das sich zur Stadt öffnet und neue Begegnungen ermöglicht. Das Kunsterlebnis soll dabei nicht auf die beiden großen Ausstellungshallen beschränkt bleiben.
Bar Brusk: Kunst und Gastfreundschaft vereint
Ein Ort der Gastlichkeit: die Bar Brusk. Foto: Visit Bruges - © Jan DarthetVor allem die Bar Brusk im südlichen Teil des Gebäudes ist für Kunstinteressierte ebenso wie für zufällig vorbeikommende Besucher ein Ort der Gastlichkeit. Die Bar wird von "De Republiek" betrieben, das unter anderem für das Grand Café in der Sint-Jakobsstraat bekannt ist. Die Bar versteht sich ausdrücklich als Ort für alle – für Einheimische und Besucher, für Kunstinteressierte und Menschen, die einfach nur etwas trinken, essen oder sich treffen möchten.
Das Treppenhaus der Kunsthalle Brusk beherbergt das zeitgenössische Kunstwerk The Whispering Walls Rêve der Künstlerin Laure Prouvost. Foto: Visit Bruges - © Jan DarthetVon dort führt der Weg in die lichtdurchflutete Scala. Ihre zentrale Treppe erschließt die beiden Ausstellungshallen im Obergeschoss. Gleich im Eingangsbereich befindet sich das monumentale Fresko "The Whispering Walls Rêve" der französischen Künstlerin Laure Prouvost. Das vierteilige Werk erstreckt sich über insgesamt 350 Quadratmeter und enthält zahlreiche Details und Verweise auf die Stadt.
So hat die Stadt Brügge mit Brusk einen neuen Ort für die Bewahrung und Erforschung ihrer Kunstschätze geschaffen. Damit bleibt Brügge seinem Selbstverständnis treu: eine Stadt, in der Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Alltag, Bewohner und Besucher aufeinandertreffen.
Weitere InfosKunsthalle Brusk
Dijver 12, 8000 Brügge, Belgien
E-Mail: musea@brugge.be
Telefon: 0032 50 44 87 11
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, im Sommer von 10 bis 18 Uhr: Jeden ersten Freitag im Monat bleibt die Kunsthalle bis 21.30 Uhr geöffnet.
Ausstellung "Latent City": bis 8. November 2026
Ausstellung "Bigger Picture": bis 6. September 2026
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Text:
Brigitte Klefisch /
handwerksblatt.de
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