Für dieses Jahr rechnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute mit einem Plus von 1,3 Prozent und für 2027 mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent.

Für dieses Jahr rechnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute mit einem Plus von 1,3 Prozent und für 2027 mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent. (Foto: © ronstik/123RF.com)

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Wirtschaft soll stärker wachsen als erwartet

Die führenden Forschungsinstitute rechnen in ihrer Herbstprognose mit einem höheren Wirtschaftswachstum als noch im Frühling erwartet. Die Reformarbeit dürfe damit nicht enden, fordert der ZDH. Eine echte Trendwende werde es sonst nicht geben.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands erwarten für das laufende und das nächste Jahr ein stärkeres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als bisher angenommen. Für dieses Jahr rechnen sie nun mit einem Plus von 1,3 Prozent und für 2027 mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent. Im Frühjahr sagten sie noch ein schwächeres Wachstum (plus 0,6 Prozent für 2026 und plus 0,9 Prozent für 2027) voraus. Dennoch bleibe der Aufschwung auf niedrigem Niveau, der zudem angesichts der hohen Energiepreise und Strukturprobleme auf tönernen Füßen stehe. Zudem bremse das Niedrigwasser derzeit die Wirtschaft aus.

Grund für das überraschend starke Wachstum seien in erster Linie mehr Exporte und die größere Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe. Außerdem hätte der mit dem Krieg im Nahem Osten verbundene Energiepreisschock negative Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung. Auf die übrigen Verbraucherpreise habe das aber bisher kaum Auswirkungen. Für das Jahr 2027 sagen die Institute eine Fortsetzung des Aufschwungs voraus, die vor allem von der inländischen Nachfrage getragen wird. "Der private Konsum dürfte mit den real verfügbaren Einkommen moderat zulegen, und die Wohnungsbauinvestitionen dürften allmählich anziehen."

"Reformarbeit mus weitergehen"

Im Jahr 2028 soll sich die wirtschaftliche Erholung verlangsamen. Das BIP werde dann nur um 0,4 Prozent ansteigen. Ein Problem sei das zunehmende staatliche Defizit. Hier staue sich ein wachsender Konsolidierungsbedarf auf. "Das staatliche Finanzierungsdefizit steigt von 4,1 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr auf 4,7 Prozent im Jahr 2028. Auch bei Einhaltung der reformierten nationalen Schuldenbremse wird die Schuldenquote mittelfristig weiter steigen; zudem nehmen die Zinsausgaben erheblich zu", so die Wissenschaftler.

Jörg Dittrich Foto: © ZDH/Henning SchachtJörg Dittrich Foto: © ZDH/Henning Schacht

Das Handwerk warnt davor, die besseren Zahlen als Anlass zu nehmen, entscheidende Reformen aufzuschieben. "Wer jetzt glaubt, die Reformarbeit sei mit den ersten besseren Konjunkturdaten erledigt, betreibt Augenwischerei. Im Handwerk und im Mittelstand ist von einer Belebung bislang wenig zu spüren", sagt Jörg Dittrich. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) weist darauf hin, dass das höhere Wachstum vor allem mit einer stärkeren Auslandsnachfrage und ersten Impulsen aus den Sondervermögen begründet werde.

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Betriebe entlasten

"Beides kommt bei vielen Handwerksbetrieben vor Ort bislang kaum an. Die strukturellen Probleme und die Belastungen gerade für mittelständische Betriebe sind weiter viel zu groß und einer der Gründe, weshalb Investitionen zurückgehalten werden", so Dittrich. "Wenn Verbraucher beispielsweise an der Tankstelle deutlich mehr Geld ausgeben müssen, steht ihnen dieses Geld für andere Ausgaben nicht mehr zur Verfügung. Das kann dazu führen, dass etwa ein Friseurtermin abgesagt wird. Was auf den ersten Blick wie eine Belastung der Verbraucher erscheint, wirkt damit unmittelbar auf die Nachfrage nach handwerklichen Dienstleistungen zurück."

Umso wichtiger sei es, nicht nur die Nachfrage zu stärken, sondern auch die Betriebe selbst zu entlasten. "Weitere Reformen zur Senkung der Lohnzusatzkosten sind deshalb dringend geboten. Die Regierungskoalition darf diese Prognosen daher keinesfalls dahingehend deuten, in ihren Reformanstrengungen nachzulassen. Auch die Wahlergebnisse vom vergangenen Sonntag dürfen nicht dazu führen, den eingeschlagenen Reformweg zu verlassen oder bereits Vereinbartes wieder zu verwässern. Vieles davon reicht aus Sicht der Betriebe ohnehin noch nicht aus, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern."

Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen

Die Betriebe seien auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Nur dann könne aus einer langsamen Erholung ein Aufschwung werden, der auch das Handwerk und den Mittelstand und so die ganze Wirtschaft erreiche. Das Geld aus den Sondervermögen bieten die Möglichkeit, dringliche Investitionen anzuschieben. Dittrich: "Ziel muss es sein, mit dem eingesetzten Geld möglichst viel für Infrastruktur, Wertschöpfung und Wachstum in Deutschland zu erreichen. Wenn Infrastruktur gebaut und modernisiert wird, müssen auch Handwerks- und Mittelstandsbetriebe Zugang zu den Aufträgen haben."

Das gelte ebenso für öffentlich-private Partnerschaften. Sie seien nicht automatisch die wirtschaftlichere Lösung für den Staat. "Komplexe Vergabe-, Finanzierungs- und Vertragsstrukturen können Projekte verteuern und erschweren in Kombination mit großen Auftragsvolumina den Zugang für kleinere und mittlere Unternehmen. Wenn dadurch weniger Mittel bei Investitionen und Wertschöpfung ankommen, wird der Zweck der Sondervermögen verfehlt. Deutschland braucht eine Wirtschaftspolitik, die Investitionen ermöglicht, Leistung anerkennt und dem Staat zugleich die Grundlage dafür gibt, diejenigen zu unterstützen, die darauf angewiesen sind."

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Text: / handwerksblatt.de

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