(Foto: © Andriy Popov/123RF.com)

Wenn es plötzlich zu viele Chefs gibt

Betriebsführung

Es gibt verschiedene Wege, wie das Geld der Mitarbeiter als Kapital im Unternehmen angelegt werden kann. Die Mittel können aus vermögenswirksamen Leistungen, Zuschüssen des Unternehmens oder freiwilligen Zuzahlungen des Beschäftigten stammen.

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Eigen- und Fremdkapital. Während Belegschaftsaktien und GmbH-Anteile echtes Eigenkapital und Mitarbeiterdarlehen Fremdkapital darstellen, gibt es noch Mischformen, wie die stille Beteiligung und Genussrechte. Rund die Hälfte aller Firmen mit Mitarbeiterkapitalbeteiligung wählt den Weg der stillen Beteiligung. "Neben der stillen Beteiligung sind Arbeitnehmerdarlehen und Genussrechte Beteiligungsformen, die auf Grund ihrer einfachen Handhabung besonders für kleine und mittlere Unternehmen in Frage kommen," sagte Dr. Birgit Roos, Geschäftsbereichsleiterin der Investitions-Bank NRW (IB), gegenüber der Landesinitiative "Einkommen der Zukunft".

Die direkte Beteiligung durch GmbH-Anteile sei in der Praxis schwerer zu handhaben, da sie auf der einen Seite mit der Übertragung von Gesellschafterrechten einhergeht und auf der anderen Seite für jede Änderung eine notarielle Beurkundung notwendig macht. Auch Belegschaftsaktien und Aktienoptionspläne würden für die klassischen KMU, also die kleinen und mittelständischen Unternehmen, eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Angestellten einbeziehen

Schlechte Erfahrungen mit der GmbH-Beteiligung musste Thomas Braun, Geschäftsführer eines Leverkusener SHK-Betriebes, machen. Er hatte die GmbH-Beteiligung mit dem Ziel eingeführt, die Mitarbeiter mehr zu motivieren und die Produktivität zu steigern. Sieben der 26 Mitarbeiter beteiligten sich daraufhin als GmbH-Gesellschafter.

Doch das Experiment verlief nach rund anderthalb Jahren im Sande. Die Mitarbeiter verkauften ihre Anteile zurück. Der Grund: "Es gab plötzlich zu viele Chefs. Aber gearbeitet wurde wie gehabt", erinnert sich Geschäftsführer Ralf Hertel. Der Fehler sei damals gewesen, dass die Mitarbeiter nicht umfangreich genug informiert wurden. Er rät allen Betriebsinhabern, die ihre Beschäftigten am Kapital beteiligen möchten: "Erst das Ganze planvoll angehen, sich sehr intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen und dann die Angestellten einbeziehen."

Handwerksbetriebe in Nordrhein-Westfalen haben die Möglichkeit, sich über die Landesinitiative "Einkommen der Zukunft" über das Thema zu informieren, erhalten dort Broschüren, können an Workshops teilnehmen und können eine kostenlose Erstberatung in Anspruch nehmen. Bundesweit informiert die Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGPEV).

Text: / handwerksblatt.de