Unternehmer Martin Liebelt (r.) überträgt seinen Auszubildenden früh Verantwortung. Davon profitiert auch Nils Wohlfahrt-Laymann (l.). (Foto: © Handwerkskammer Dortmund)

Aus Verantwortung wachsen Fähigkeiten

Nils Wohlfahrt-Laymann hat im Betrieb von Martin Liebelt das Tischlerhandwerk gelernt. Eigentlich wollte er studieren, jetzt überlegt er, ob er im Handwerk bleibt.

Eigentlich wollte Nils Wohlfahrt-Laymann Architektur studieren. Ganz sicher war er aber nicht. Ein Gespräch mit seinem Vater brachte Klarheit. Jedoch anders als erwartet. "Er fand meine Idee gut, hat mich aber auch vor die Frage gestellt, ob ich mir vielleicht eine Tischlerausbildung als praktische Grundlage vor dem Studium vorstellen könne. Der Gedanke hat mir gefallen." In seiner Entscheidung bestärkt hat den 20-Jährigen die positive Erfahrung eines Freundes, der ein Praktikum bei der Dortmunder Tischlerei Giese und Liebelt gemacht hat. Dort bewarb sich Nils dann. Mit Erfolg. Sein erstes Lehrjahr ist nun bald vorbei und schon jetzt zieht es den angehenden Tischler gar nicht mehr so stark in Richtung Studium. "Vielleicht bleibe ich nach der Ausbildung im Handwerk. Es gefällt mir hier nämlich sehr gut. Die Arbeit macht Spaß, ich lerne jeden Tag etwas Neues und der Umgang miteinander ist hier im Betrieb toll."

60 Azubis bei Tischler Martin Liebelt

Positives Feedback von Auszubildenden wie Nils freut vor allem Geschäftsführer und Tischlermeister Martin Liebelt. In seinem Unternehmen wurden seit der Gründung 1999 bereits über 60 junge Menschen im Handwerk ausgebildet. Kaum jemand hat seine Ausbildung in dem Unternehmen abgebrochen. Die Quote von etwa zehn Prozent befindet sich weit unter dem Bundesdurchschnitt. Woran das liegt, kann Liebelt nicht eindeutig definieren. Sicherlich spiele aber gegenseitiges Vertrauen eine Rolle. "Unsere Auszubildenden bekommen schon früh Verantwortung übertragen. Sie kümmern sich um eigene Projekte und machen natürlich auch mal Fehler. Das Risiko gehen wir aber bewusst ein, denn daraus lernen sie wiederum und können ihre Fähigkeiten weiterentwickelt. Und ganz alleine gelassen werden sie bei uns ja auch nicht."

Ausgezeichnete Azubis

Dass diese Herangehensweise durchaus Früchte trägt, spiegelt sich nicht nur in der 38-köpfigen Belegschaft wieder, die größtenteils aus den eigenen Reihen kommt. Sondern auch in den handwerklichen Kompetenzen. Drei Jungtischler aus dem vergangenen Ausbildungsjahr sind erst kürzlich ausgezeichnet worden: Einer von ihnen gewann den Bundesgestaltungswettbewerb "Die Gute Form", ein weiterer wurde Jahrgangsbester der Tischlerinnung Dortmund und Lünen. Der Dritte gewann den zweiten Platz bei der "Guten Form" und wurde zudem Zweitbester des Jahrgangs.

Zwischenmenschliches entscheidet

Allerdings ist es nicht nur die vom Chef übertragene  Verantwortung, aus der Talente und zufriedene Azubis erwachsen. Wer Martin Liebelt genau zuhört, merkt, dass der Prozess des Zueinanderfindens noch vor der Ausbildung für ihn und seinen Geschäftspartner Lars Giese bereits eine große Rolle spielt. So gebe es für potentielle Bewerber bestimmte Anforderungen, die bestenfalls erfüllt werden sollten. "Wir freuen uns beispielsweise, wenn unsere Auszubildenden einen Führerschein haben. Außerdem bestehen wir auf einem einwöchigen Praktikum vor Ausbildungsantritt. So können wir sehen, ob es auf beiden Seiten passt", erklärt Liebelt. Noten stünden nicht an erster Stelle, wenn es um die Auswahl der Bewerber gehe. Zwischenmenschlichkeit sei entscheidend. Dennoch erhalte das Unternehmen 20 bis 30 Bewerbungen pro Jahr, viele von Studienabbrechern. "Denen geht es gerade darum, praktisch zu arbeiten und am Ende des Tages mit Freude auf die selbst hergestellten Arbeiten zu schauen", sagt der Unternehmer, der sich auch für die Förderung seiner Schützlinge stark macht. So ermöglichte er Auszubildenden in Kooperation mit dem Erasmus-Programm bereits vierwöchige, berufsbezogene Auslandsaufenthalte in Schottland und Norwegen. Natürlich bleibt nicht jeder Azubi nach seiner Ausbildung bei der Dortmunder Tischlerei. Die drei Nachwuchsfachkräfte aus dem letzten Abschlussjahrgang beispielsweise gehen jetzt ihre ganz eigenen Wege. "Einer von Ihnen geht bald nach Kanada, der zweite arbeitet im elterlichen Betrieb und der dritte macht gerade seinen Meister." Das sei aber nicht so schlimm, wie Liebelt meint. Er höre immer wieder von früheren Auszubildenden, die gut untergekommen seien. Am liebsten aber, natürlich als Fachkraft in seinem Team.

 

Kontakt: Die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer Dortmund ist erreichbar unter der Telefonnummer 0231/5493333 oder per E-Mail unter ausbildungsberatung@hwk-do.de

Text: / handwerksblatt.de