Die Frühjahrskonjunktur im Kammerbezirk Münster entwickelt sich negativ – auch der Optimismus bei den Betrieben sinkt.

Die Frühjahrskonjunktur im Kammerbezirk Münster entwickelt sich negativ – auch der Optimismus bei den Betrieben sinkt. (Foto: © alexan107/123RF.com)

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Die Handwerkskonjunktur kühlt ab

Der Präsident der Handwerkskammer Münster Jürgen Kroos fordert mehr Freiräume für unternehmerisches Handeln.

Das Handwerk im Kammerbezirk Münster gerät im Frühjahr 2026 zunehmend unter Druck – die Stimmung der Betriebe hat sich eingetrübt. Das meldet die Handwerkskammer (HWK) Münster auf Basis ihrer Konjunkturumfrage mit 577 teilnehmenden Unternehmen. "Zwar bleibt die aktuelle Geschäftslage noch überwiegend tragfähig, die wirtschaftliche Dynamik hat jedoch deutlich nachgelassen, und der Blick nach vorn ist von zunehmender Unsicherheit geprägt", fasst Präsident Jürgen Kroos zusammen. Er fordert bessere Rahmenbedingungen: "Steuern, Abgaben und Bürokratie engen die Handlungsmöglichkeiten ein. Die kleinen und mittleren Unternehmen des Handwerks brauchen mehr Freiräume für Wachstum und Beschäftigung."

Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich eine Verschlechterung der Geschäfte. Der Anteil der Betriebe mit guter Lage ist auf 37 Prozent zurückgegangen (minus 3 Prozentpunkte gegenüber Frühjahr 2025), während gleichzeitig mehr Unternehmen ihre Situation als schlecht bewerten (22 Prozent, plus 4 Punkte). "Die wirtschaftliche Basis im Handwerk verliert an Stabilität", kommentiert Kroos. Die Betriebe blicken deutlich skeptischer auf die kommenden Monate als noch vor einem Jahr. Optimistische Einschätzungen sind weniger geworden (16 Prozent, minus zwei Punkte), während der Anteil der pessimistischen Erwartungen spürbar zugenommen hat (26 Prozent, plus 5 Punkte). Diese Verschiebung wertet Kroos als Zeichen wachsender Unsicherheit. Das deute darauf hin, dass sich das Handwerk einmal mehr auf eine Phase geringerer wirtschaftlicher Dynamik einstelle. Der Geschäftsklimaindikator liegt mit einem Wert von 101,2 nur noch knapp über der Wachstumsschwelle. Er ist im Jahresvergleich um 7,4 Punkte deutlich gesunken und signalisiert damit eine merkliche Abkühlung der Handwerkskonjunktur. 

Von Stagnation geprägtes Bild

Auch die weiteren konjunkturellen Indikatoren bestätigen diese Entwicklung: Die Kapazitätsauslastung von 76,8 Prozent ist gegenüber dem Vorjahr um 0,4 und gegenüber dem Herbst um 1,6 Prozentpunkte gesunken. Die Betriebe prognostizieren einen weiteren Rückgang in den kommenden Monaten. Die regionalen Unterschiede zeigen ein insgesamt schwaches, von Stagnation geprägtes Bild. Im Münsterland erreicht der Geschäftsklimaindikator 101,7 Punkte, knapp oberhalb der Stagnationsgrenze. In der Emscher-Lippe-Region fällt der Wert mit 99,5 Punkten leicht darunter. Auch die Kapazitätsauslastung bleibt in beiden Regionen verhalten: Mit 77,7 Prozent im Münsterland und 73,8 Prozent in der Emscher-Lippe-Region bewegen sich die Werte auf einem Niveau, das keine hohe Auslastung erkennen lässt. Insgesamt zeigt sich damit in beiden Regionen eine Phase geringer Dynamik ohne klare Wachstumsimpulse.

Die Auftragsbestände sind gesunken. Längere Auftragsreichweiten (9,3 Wochen) könnten, so die HWK, auch auf eine verzögerte Abarbeitung infolge begrenzter Materialien oder vorsichtiger Planung zurückzuführen sein. Neue Impulse bei den Auftragseingängen werden nicht erwartet. Sorgen bereitet der HWK die erneut nachgelassene Investitionsbereitschaft der Betriebe. "Viele Unternehmen verschieben größere Vorhaben oder prüfen Investitionen sorgfältiger, solange die wirtschaftlichen Perspektiven unsicher sind", weiß Kroos. Dies unterstreicht die insgesamt vorsichtige Haltung im Handwerk. "Steigende Kosten für Personal, Material und Energie haben die Gewinnmargen und damit Investitionspielräume verringert", erklärt Kroos. So sind zum Beispiel bei 75 Prozent der Befragten im vergangenen halben Jahr die Energiekosten gestiegen. Nur 46 Prozent konnten aber am Markt höhere Verkaufspreise erzielen. Der Rest hat diese Kostensteigerungen nicht weitergegeben.

Insgesamt negative Tendenz

Besonders deutlich wird die allgemeine Tendenz bei der Beschäftigung: Die Befragten halten sich bei Neueinstellungen zurück, weil sich die Erwartungen deutlich verschlechtert haben. Die Betriebe reagieren damit auf die unsicheren Rahmenbedingungen und passen ihre Personalplanung entsprechend an. Die konjunkturelle Abschwächung, die von wachsender Unsicherheit und vorsichtigem unternehmerischem Handeln geprägt ist, zeigt sich über nahezu alle Branchen hinweg, wenn auch in unterschiedlicher Intensität: 

Das Bauhauptgewerbe verzeichnet einen deutlichen Rückgang des Geschäftslageindikators von 116,6 auf 103,9 Punkte. Die Konjunktur verläuft zwar insgesamt noch positiv, hat aber spürbar an Stärke verloren.Das Ausbaugewerbe zeigt sich mit einem nur leichten Rückgang von 107,6 auf 106,2 Punkte vergleichsweise stabil. Die Geschäfte entwickeln sich insgesamt auf gutem Niveau. Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf fallen von 103,4 auf 89,0 Punkte und rutschen damit klar unter die Wachstumsschwelle. Die Lage hat sich deutlich verschlechtert und ist inzwischen negativ. Das Kfz-Gewerbe weist mit einem Rückgang von 117,4 auf 91,9 Punkte eine sehr starke Eintrübung auf. Die zuvor sehr gute Lage hat sich deutlich abgeschwächt. Das Nahrungsmittelgewerbe zeigt mit einem Rückgang von 123,4 auf 88,1 Punkte die stärkste Verschlechterung. Die Geschäfte sind angespannt. Das Gesundheitsgewerbe bleibt mit einem Rückgang von 120,9 auf 107,3 Punkte zwar auf solidem Niveau, verliert aber ebenfalls deutlich an Dynamik. Die personenbezogenen Dienstleistungen verbessern sich leicht von 96,4 auf 99,2 Punkte. Die Geschäfte bleibt damit insgesamt stabil und bewegt sich nahe der Neutralmarke.

 

Hintergrund: Der KammerbezirkHintergrund Zum Handwerk im Kammerbezirk Münster gehören 30.749 Betriebe (Stand: 31. Dezember 2025) mit rund 210.000 Beschäftigten, davon 13.500 Auszubildenden. Sie erwirtschaften ungefähr 33,4 Milliarden Euro Jahresumsatz. 

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Text: / handwerksblatt.de

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