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Je besser die Willkommenskultur, umso größer die Chance, dass der Praktikant im Betrieb bleibt. (Foto: © www.argum.com/Falk Heller)

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Praktikanten für die Ausbildung gewinnen

Der "Praktikumscoach" enthält Tipps und praktische Musterbeispiele dafür, wie sich Praktikanten an den Betrieb binden lassen.

Handwerksbetriebe müssen sich heutzutage um den beruflichen Nachwuchs stärker denn je bemühen. Denn das Motto "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" hat ausgedient. Ausbildungsbetriebe sollten umdenken und sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Das fängt schon im Praktikum an. Der erste Eindruck zählt! Hier gilt es, die Chance zu nutzen und Jugendliche für den Betrieb sowie die Arbeit zu begeistern.

Wie das am besten funktioniert, beantwortet die HWK in ihrem neuen Leitfaden: "Praktikumscoach – Wie binde ich Praktikanten an mein Unternehmen" heißt das Praxiskonzept, das sie für Nachwuchs suchende Betriebe entwickelt hat. In einer Pressekonferenz stellte die Kammer das Konzept vor. Der Termin war eingebettet in die "Woche der Berufsbildung" und einen Besuch von Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing in der Handwerkskammer.

Ein Coach als Ansprechpartner für die Praktikanten

In dem Leitfaden wird empfohlen, im Betrieb einen "Coach" zu ernennen, der sich um den Praktikanten kümmert. Neben sieben wichtigen Tipps für ein erfolgreiches Praktikum enthält der Ratgeber viele praktische Anleitungen, wie sich das Praktikum für beide Seiten erfolgreich gestalten lässt.

Konkret und praxisnah enthält die Broschüre auch die Vorlage für einen wertschätzenden Musterbrief, den der Praktikant vor dem Beginn des Praktikums erhalten sollte, sowie das Muster einer Praktikumsbescheinigung. Zur Verfügung steht auch eine Liste mit Erwartungen des Betriebs an den Praktikanten. So kann der junge Mensch einschätzen, wie er sich verhalten soll. "Schaue immer, dass du Arbeit hast, und biete dich an", lautet beispielsweise ein Ratschlag, "Sei nicht teilnahmslos, sondern frage viel" ein anderer.

Schlechte Erfahrungen im Praktikum sprechen sich herum

"Der Umgang aller Mitarbeiter mit Praktikanten ist entscheidend dafür, ob ein Betrieb in Zukunft noch Bewerbungen erhält und Ausbildungsstellen besetzen kann oder nicht", sagte Kammerpräsident Rudi Müller. "Schließlich sind Jugendliche untereinander sehr gut vernetzt." Er gab zu bedenken, dass der Praktikant, dem es im Praktikum nicht gefallen habe, "weil er nur gekehrt hat oder schlecht behandelt wurde", davon in seiner Schulklasse berichte. "Folglich werden zumindest in deren Abgangsjahr keine Bewerbungen bei dem betreffenden Unternehmen eingehen." Diese Botschaft müssen alle Betriebe verinnerlichen und leben", so die Überzeugung des Kammerpräsidenten.

Er betonte aber auch, dass der Leitfaden nur ein Einstieg zu einem erfolgreichen Praktikum sei. "Man muss auch die Mitarbeiter mit ins Boot holen und sich kümmern!" Das sei entscheidend. Minister Wissing lobte die Initiative "Praktikumscoach" und den Ansatz, junge Menschen für den Betrieb und den Beruf zu begeistern. Mit dem Umsetzungskonzept habe die Kammer den mittelständischen Betrieben, die nicht viel Zeit zur Entwicklung eines solchen Ansatzes hätten, Arbeit abgenommen, lobte Wissing: "Ein großartiges Konzept und ein Beispiel, wie man mit wenig Geld viel erreichen kann. Kompakt, klar und deutlich!"

Gute Vorbereitung und Wertschätzung vermitteln Professionalität

Die Schreinerei Norbert Brakonier in Gusterath hat mithilfe des "Praktikumscoaches" schon zwei Stellen besetzen können. "Wir sind wir damit sehr glücklich", sagte Schreinermeister Michael Bender in der Pressekonferenz. Er habe bereits ein Praxisseminar zum Thema "Generation Z" gemacht. "Die Betriebe müssen umdenken, weil die Generation ab Jahrgang 2000 anders tickt", sagte er.

Seine Auszubildende Susann Westhoff, die nach dem Abbruch ihres Studiums dort ein zweiwöchiges Praktikum gemacht hatte, kam dort bereits in den Genuss des "Praktikumscoaches". "Im Praktikum wurde ich sehr gut aufgenommen und in die Arbeitsabläufe integriert." Selbstverständlich sei das nicht, sagt die 24-Jährige: "Das habe ich schon ganz anders erlebt. Da kam ich am Montagmorgen in einen Betrieb und alle waren ratlos, nach dem Motto: Da ist eine Praktikantin – und was jetzt?"

Der Leitfaden "Praktikumscoach – Wie binde ich Praktikanten an mein Unternehmen" ist auf der HWK-Website erhältlich.


Kontakt
Rudolf Müller
Tel. 0651/207-102
E-Mail: rmueller@hwk-trier.de

Text: / handwerksblatt.de

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