Gemeinsam für die Zukunft des Handwerks: Reformen notwendig
Die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der Handwerkskammern haben darüber beraten, wie angesichts des Reformbedarfs die Zukunft des Handwerks gesichert werden kann.
Es ist ein alter, aber treffender Vergleich: Die Sozialpartnerschaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist wie eine alte Ehe. Man ist nicht immer einer Meinung, aber beide Seiten bringen sie gemeinsam über Kompromisse weiter in die Zukunft. Jetzt haben die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten in Frankfurt ihre 100. Tagung genutzt, um sich einen Fahrplan zu geben, wie sie die Zukunft des Handwerks mit sichern können.
Denn die Herausforderungen sind groß: Handwerk und Gesellschaft müssen sich dem demografischen Wandel, der Digitalisierung und dem Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft genauso stellen wie dem Reformbedarf in den sozialen Sicherungssystemen, inklusive Gesundheit.
Reformen im Handwerk: Solidarität und Eigenverantwortung wahren
Klar ist: "Die notwendigen Reformen dürfen nicht zulasten derjenigen gehen, die täglich mit ihrer Arbeit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im Handwerk sichern", sagt Joachim Noll, Arbeitnehmer-Vizepräsident des Deutschen Handwerkskammertags, stellvertretend für die Arbeitnehmervertreter in der Handwerksorganisation. Dabei wehren sich die Vertreter grundsätzlich gegen eine Kürzung von Leistungen, egal, ob es sich um Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung handelt. "Wer einzahlt, hat Anspruch auf Leistungen.“
Einig sind sie sich mit den Arbeitgebern, dass es Reformbedarf gibt – und dieser eine Balance zwischen Solidarität und Eigenverantwortung spiegelt. Es gelte, Reformen sozial ausgewogen zu gestalten, den solidarischen Charakter der Sozialversicherung zu stärken, ohne die Beitragszahler zu überfordern. Klar sei auch, dass das System Gerechtigkeitslücken schließen und Fehlanreize abbauen müsse.
Arbeitszeitmodelle im Handwerk: Ein Balanceakt
Nicht bei allen Punkten geht die Arbeitgeberseite mit. Ein Punkt betrifft die Arbeitszeit, bei der die Politik, aber auch die Arbeitgeber die Arbeitszeit zugunsten eines flexibleren Modells ändern wollen, wie es auch in der europäischen Gesetzgebung vorgesehen ist. Konkreter Streitpunkt ist der Acht-Stunden-Tag, der in eine Wochenarbeitszeit übergehen und so eine höhere Flexibilität erlauben soll, wenn es Zeiten mit hohem Arbeitsaufkommen gibt. Hier fürchten die Arbeitnehmer zusätzliche Belastungen, vor allem gesundheitliche Mehrbelastung. Hier wird auch der Wunsch nach mehr Prävention und betrieblichem Gesundheitsmanagement deutlich.
Kritisch sehen die Arbeitnehmer auch die private Vorsorge. Viele Beschäftigte im Handwerk haben bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 2.470 Euro kaum Spielraum, in die Vorsorge zu investieren. Zudem gilt, dass überall dort, wo die Politik Instrumente überprüft, soziale Leitplanken sein müssen, gerade um niedrige und mittlere Einkommen nicht stärker zu belasten. Noll: "Versicherungsfremde Leistungen sollen vollständig aus Steuermitteln finanziert werden.“
Zukunft des Handwerks: Gemeinsame Lösungen erforderlich
Hohes Lob für die Sozialpartnerschaft kam von ZDH-Präsident Jörg Dittrich, der als Gast an einer Podiumsdiskussion mit dem Thema "Zukunft des Handwerks gemeinsam gestalten" zusammen mit Susanne Haus, Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Stefan Körzell, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes DGB, Nadine Boguslawski, Mitglied des Vorstands IG Metall, und Carsten Burckhardt, Mitglied des Vorstands IG Bauen-Agrar-Umwelt, teilnahm: "Sie ist unverzichtbar, und gut, dass wir sie haben", so Deutschlands "oberster" Handwerker. Er blickt – wie die Gewerkschaftsvertreter auch – kritisch auf die geplanten Reformen, weil es einfach "zu lange dauert". Das Handwerk braucht verlässliche Rahmenbedingungen – und zwar schnell, so das Fazit der Diskussion.
Entscheidend dabei, so die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten, sind die sozialen Leitplanken. Einschränkungen seien grundsätzlich nicht geeignet, um vor allem ein altersgerechtes Arbeiten zu ermöglichen. Wichtig seien daher sozialverträgliche Reformen, weil nur das die Attraktivität des Handwerks stärkt und zur Fachkräftesicherung beiträgt. Der Appell aus Frankfurt: Es gilt, den Alltag der Beschäftigten konkret zu verbessern und das Handwerk als Ausbildungs- und Arbeitsort zu stärken. Dies kann nur gemeinsam erreicht werden! Daher rufen wir alle Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Verbände auf, zum Wohle aller, gemeinsam Ideen und Vorschläge zu entwickeln. Diese gemeinschaftlich zu kommunizieren, um so der Politik eine klare Meinung des gesamten Handwerks zu geben.
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Text:
Stefan Buhren /
handwerksblatt.de
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