Prävention im Handwerk: Wie Sie die Krankenquote senken können
Deutsche Arbeitnehmer sind im Schnitt drei Wochen pro Jahr krank. Betroffene leiden, die Firmen kostet es Geld. Doch schon wenige Maßnahmen können helfen, die Krankenquote zu senken.
Menschen mit einer handwerklichen Berufswahl sind nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder als andere. Das belegt die Studie "So gesund ist das Handwerk" der IKK classic aus dem vergangenen Jahr. Alle zwei Jahre erhebt die Innungskrankenkasse den Gesundheitszustand im Handwerk. 84,9 Prozent der Befragten schätzen den eigenen Befund als "sehr gut" oder "gut" ein, gerade mal 2,7 Prozent bezeichnen ihn als "schlecht". Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung sehen sich nur 69,9 Prozent der Beschäftigten als fit – das Handwerk schneidet in allen Altersklassen deutlich besser ab.
Statistisch gesehen ist die arbeitende Bevölkerung im Schnitt an 19,5 bis 23,3 Tagen arbeitsunfähig erkrankt – die Werte schwanken je nach Methode und Kasse: Die DAK kommt auf 19,5 Tage, die AOK auf 23,3. Zum Vergleich: In ihrer Studie zur Gesundheit des Handwerks kommt die IKK Classic auf nur 12,7 Krankentage für das Jahr 2024.
Hohe Krankenquote belastet deutsche Wirtschaft
Das IGES Institut, das die Daten für die DAK ausgewertet hat, kommt auf eine Krankenquote von 5,4 Prozent. Das soll "ein weit überdurchschnittliches Niveau" sein, wie der Verband forschender Arzneimittelhersteller schreibt, der auf "erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen" hinweist. Demnach kostet diese Krankenquote die deutsche Wirtschaft jährlich bis zu 160 Milliarden Euro. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kommt für das Jahr 2023 auf "nur" 76,7 Milliarden Euro, merkt aber an, dass diese Zahl eine Verdoppelung binnen 14 Jahren sei.
Kein Wunder, dass vor allem die Politik reagiert und Konsequenzen fordert. Etwa die Forderung, die telefonische Krankschreibung wieder zu kassieren. Zu den Kritikern zählte unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, der angesichts einer Quote von 14,5 Krankheitstagen und einer Gesamtheit von fast drei Wochen pro Jahr auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung noch im Januar 2026 formulierte: "Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?" Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken reagierte auf die Zahlen und stellt diese Regelung – natürlich zusammen mit dem gesamten Reformbedarf im Gesundheitswesen – auf den Prüfstand.
Krankschreibungen: Missbrauch oder notwendige Transparenz?
Dahinter steht der implizite Vorwurf des Missbrauchs. Für die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, ist es "inzwischen hoch unanständig, in welchem Ausmaß krankgemeldete Beschäftigte unter den Generalverdacht gestellt werden, sie wären Drückeberger und Faulenzer." Vergessen wird dabei gerne, dass für eine telefonische Krankschreibung gilt: Der Erkrankte muss der Praxis bekannt sein und mindestens einmal in den letzten beiden Jahren dort gewesen sein. Und es liegt immer noch im Ermessen des Arztes, ob die Telefondiagnose ausreicht oder der Patient vorstellig werden muss.
Fest steht: Krankheitsquoten gelten ab fünf Prozent branchenübergreifend als hoch. Experten sehen das Jahr 2022 als Zäsur, weil in dem Jahr die Krankenquote deutlich nach oben ging. Eine – oft übersehene – Ursache: In dem Jahr wurde die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) eingeführt, die zu deutlich mehr Transparenz führte. Denn nicht immer landeten die früher ausgegebenen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auch wirklich bei der Krankenkasse. Durch die Einführung der eAU gehen sämtliche Krankschreibungen direkt an die Krankenkasse. "Die Einreichung kann also durch die Versicherten nicht vergessen werden, was das Meldeaufkommen erhöht", schreibt das IGES Institut. Seitdem bewegen sich die Quoten auf einem annähernd gleichen Niveau.
Experten empfehlen Ursachenanalyse
Krankheitsfall Nummer eins über alle Arbeitnehmer waren 2025 wie schon im Vorjahr Atemwegserkrankungen. Auf Platz zwei folgen psychische. Sie allein trugen zu einer Steigerung der Fehlzeiten um 6,9 Prozent bei, hat das IGES Institut auf Grundlage der DAK-Fallzahlen ermittelt. Sie verdrängen den vorherigen "Zweiplatzierten", Muskel-Skelett-Erkrankungen, auf Rang drei als Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit. Zählt man diese drei Erkrankungen zusammen, machen sie allein rund 50 Prozent aller Ausfalltage aus.
Experten empfehlen bei Quoten ab fünf Prozent eine Ursachenanalyse, meist durch den Personalverantwortlichen oder Chef, abhängig von der Betriebsgröße. Schließlich kosten ausgefallene Mitarbeiter oft doppelt: Zum einen läuft die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall weiter, zum anderen muss der Ausfall durch Ersatz oder Mehrarbeit des bestehenden Teams kompensiert und zusätzlich vergütet werden. Schwierig wird es zum Beispiel bei saisonal auftretenden Krankheitswellen, etwa Grippe oder auch Allergien. Unternehmen können durch regelmäßige Gesundheitsangebote präventiv arbeiten, etwa durch das Angebot einer Grippeimpfung.
Anders sieht es bei Ursachen aus, die im Betrieb, in den Strukturen oder Arbeitsbedingungen liegen. Zu Krankheitsursachen zählen Experten unter anderem
– Eine schlechte oder unterdurchschnittliche Bezahlung
– Schwierige Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz
– Körperliche und psychische Belastungen
– Leistungsdruck
– Mobbing / schlechtes Betriebsklima
– Ungünstige Arbeitszeiten (Schichtarbeit)
Genau hier kann die Chefin, der Chef ansetzen und vor allem über eine offene, transparente Kommunikation auch mit wenigen Mitteln viel bewirken. "Durch die Integration von Maßnahmen des Gesundheitsmanagements, wie ergonomische Arbeitsgestaltung, regelmäßige Gesundheitschecks und präventive Programme, kann der Arbeitsalltag erleichtert und die Belastungen verringert werden", listen die Autoren der Studie "So gesund ist das Handwerk" auf.
Gesunde Lebensweise im Handwerk fördern
Hinzu kommt generell ein die Gesundheit fördernder Lebensstil mit einer ausgewogenen, gesunden Ernährung, regelmäßiger Bewegung und mentaler Fitness, neudeutsch Resilienz genannt. Das kann und sollte der Chef auch vorleben.
Denn es rechnet sich auch finanziell, wie eine Studie aus dem Jahr 2011 (neuere liegen nicht vor) zeigt. Damals erstellte Prof. Dr. Dietmar Bräunig von der Justus-Liebig-Universität Gießen erstmals eine "Präventionsbilanzierung", indem er anfallende Kosten für die Prävention dem Nutzen gegenüberstellte. Das Ergebnis der Umfrage des internationalen Forschungsprojekts: Für jeden investierten Euro bekam das Unternehmen 2,20 Euro als "Return of Prevention" (RoP) zurück – durch geringere Ausfallkosten, weniger Unfälle oder eine höhere Produktivität.
So kann der Chef zum Beispiel das "Rauchfreie Unternehmen" propagieren und Entwöhnungskurse für sein Team finanzieren, ein Antistress-Training, eine Rückenschule oder andere Kurse anbieten, aber auch gesundes Kantinenessen oder Ernährungskurse offerieren. Wichtig ist, dass das jeweilige Angebot zur Unternehmenskultur passt und von den Mitarbeitern angenommen wird. Maßnahmen müssen sich die Unternehmer auch nicht selbst ausdenken – bei den Krankenkassen oder Handwerkskammern gibt es eine umfassende Beratung.
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Text:
Stefan Buhren /
handwerksblatt.de
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