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Es gibt zahlreiche Aspekte, die für und gegen die E-Mobilität sprechen. Es gilt letztlich, abzuwägen, ob die neue Technologie für den Einzelnen von Interesse ist. (Foto: © Hyundai)

E-Mobilität: Seit Jahren in den Startlöchern

Mobilität

Seit dem Dieselurteil steht die Elektromobilität hoch im Kurs. Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen noch immer weit auseinander.

Wer euphorisch neue Zeiten für Elektromobilität ausrufen möchte, sollte lieber noch einmal stille Einkehr halten. Denn das Angebot auf dem Papier und den Modellkatalogen ist zwar groß, aber es scheitert in den meisten Fällen an der Verfügbarkeit. Und selbst wenn Modelle tatsächlich fahr- und kaufbereit beim Händler stehen sollten, lauert die nächste Hürde: der Preis. Hinzu kommen noch weitere Aspekte, die es bei Elektromobilität zu berücksichtigen gilt. Unbestrittene Tatsache ist, Fahrer müssen im Falle von E-Autos liebgewonnene Gewohnheiten über Bord werfen und sich auch mit unbequemen Wahrheiten auseinandersetzen. Deshalb hier einfach mal ein paar positive wie negative Aspekte, die jeder einmal gehört haben sollte.

Die Reichweitenangst ist völlig unbegründet: Autofahrer legen im Schnitt im Pkw 56 Kilometer zurück, gewerbliche Fahrzeuglenker 68 Kilometer. Die Zahlen hat das neutrale Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg ermittelt – und jedes voll geladene E-Auto schafft mindestens das Doppelte oder Dreifache.

Lange Fahrten erfordern Planung: Zugegeben: Sich in Hamburg ins Auto zu setzen und nach München durchzufahren, geht nicht. Aber: Auf der Strecke gibt es genügend Ladestationen, auch Schnellladestationen – und Pausen gehören auf jeder Langstrecke dazu. Die Route sollte sich nach den Ladestationen richten, nicht nach der schönsten oder schnellsten Strecke.

E-Auto fahren macht Spaß: Fahrfreude ist ein oft verwendetes Wort, wenn es um die Fortbewegung auf dem Asphalt geht. Doch der Verbrenner hat eine Drehmomentkurve, das heißt, er bringt seine höchste Leistung nur in einem bestimmten Drehzahlbereich. Er wird danach nur lauter, aber wenig schneller. Anders das E-Auto: Hier steht die volle Leistung über den gesamten Drehzahlbereich schon ab der ersten Umdrehung komplett zur Verfügung. Leistungsstarke Elektromotoren hängen an der Kreuzung jeden Verbrenner ab.

Es gibt auch negative Aspekte

Sauberer Antrieb, schmutzige Produktion: Jedes Elektroauto fährt emissionsfrei. Und alle wissen: Richtig sauber fährt er nur, wenn er den Strom aus regenerativen Quellen bezieht. Doch das lässt der übliche Strommix nur bedingt zu. Hinzu kommt eine umweltUNfreundliche Produktion. Allein die Produktion eines BMW i3 oder eines VW e-Golfs setzt produktionstechnisch doppelt so viel CO2-Emissionen wie vergleichbare Verbrenner frei. Und die Batterie ist noch nicht reingerechnet.

Klimafreundlicher erst nach Jahren: Der ADAC hat nachgerechnet, ab wann ein E-Auto klimafreundlicher als ein Verbrenner unterwegs ist. Bei reinem Ökostrom muss ein E-Auto im Kleinwagensegment 24.000 Kilometer fahren, ehe er einen Benziner in Sachen Emissionen unterbietet, beim klassischen Strommix sind es 80.000 Kilometer. Bei Kompakten sind E-Fahrzeuge erst bei einer Fahrleistung von 21.000 Kilometern umweltfreundlicher unterwegs als ein Benziner, Öko-Ladestrom vorausgesetzt, ansonsten sind es 45.000 Kilometer. Und in der oberen Mittelklasse sind sie erst ab 50.000 km (bei Ökostrom) bzw. 116.000 km klimafreundlicher unterwegs als vergleichbare Benziner.

Rohstoffe ausreichend, aber kritische Förderbedingungen: Die Rohstoffe Mangan, Lithium, Graphit, Nickel und Kobalt sind ausreichend auf der Erde vorhanden. Aber: Kobalt kommt zu 50 Prozent aus der Demokratischen Republik Kongo, einem politischen Pulverfass. Und die Abbaubedingungen sind so, dass deutsche Berufsgenossenschaften die Minen sofort komplett stilllegen würden.

In den Batterien steckt Kinderarbeit: Weltweit wird jedes zehnte Kind laut UN zur Kinderarbeit gezwungen. In den Kobaltminen des Kongo riskieren laut Amnesty International bereits Kinder ab sieben Jahren ihr Leben und ihre Gesundheit. Wissenschaftler mahnen auch unter dem Gesichtspunkt der Herkunft aus dem politisch unsicheren Kongo die Suche nach Ersatzstoffen an.

Individuelle Mobilität widerspricht der Umwelt: Gewerbetreibende wie Privatleute wollen sofort verfügbare Mobilität für individuelle Strecken. Das heißt, dass 100 Menschen die gleiche Zahl an Fahrzeugen und den gleichen Platz auf der Straße brauchen, egal, ob sie elektrisch, mit einem Verbrenner oder autonom unterwegs sind. Im gewerblichen Bereich wird das allerdings nur bedingt veränderbar sein (Liefertermine, Notfallreparaturen etc.).

 

Überblick: Die Marktübersicht zu den Hybriden und den E-Fahrzeugen listen alle Modelle auf, die derzeit auf dem deutschen Markt zu haben sind. Mild-Hybride wie etwa der Mercedes S450, der S500 oder der Renault Scénic dCi110 Hybrid fehlen, weil der Elektromotor ausschließlich als Startergenerator arbeitet und das Fahrzeug nicht rein elektrisch antreiben kann. Auch die C-Klasse fehlt, weil Mercedes nur Benziner und Diesel anbietet und noch offen ist, wann die C-Klasse-Hybriden in den Verkauf gehen. Der Stand der beiden Tabellen ist April 2018, die Angaben stammen von den Herstellern.

Text: / handwerksblatt.de