Markus Wildhagen bewahrt schöne Dinge, um auf seine Art an die Entwicklungsgeschichte und Kultur der Menschheit zu erinnern.

Markus Wildhagen bewahrt schöne Dinge, um auf seine Art an die Entwicklungsgeschichte und Kultur der Menschheit zu erinnern. (Foto: © Andreas Endermann)

Der Geschichtensammler von Düsseldorf

Erbstück oder Sammelleidenschaft. Der Antiquitätenexperte Markus Wildhagen gibt Tipps, den Wert gesammelter Lieblingsstücke einzuschätzen.

Natürlich. Barack Obama steht neben der amerikanischen Freiheitsstatue. Die lebensgroßen Pappaufsteller haben ihren Platz in Reichweite einer Büste von John F. Kennedy. Der Blick des 35. Präsidenten der Vereinigen Staaten von Amerika schweift auf die andere Seite der Lagerhalle. Dahin, wo ein athletischer Bronze-Jüngling kraftvoll Pfeil und Bogen gen Himmel reckt. Wenige Meter weiter haben es sich bunt gekleidete Schaufensterpuppen in den Space-Age-Möbeln der 60er Jahre gemütlich gemacht. Mit Schlapphut und Mega-Sonnenbrille im Gesicht erinnern sie an das Lebensgefühl der Hippiekultur und die Euphorie der Beatlemania.

Eine Reise mit der Zeitmaschine

Wer die Räume von Markus Wildhagen betritt, geht auf eine Zeitreise. Auf 1.300 Quadratmetern hat der Antiquitäten- und Vintageexperte Lampen, Möbel, Kleinkram bis hin zu einem kompletten Kino und einem Zeitungsautomaten der New York Times zusammengetragen. Die schönen Dinge des Lebens stammen aus dem Jugendstil, Art Déco, Bauhaus und Industriedesign und reichen bis in die 60er, 70er Jahre. Bis zu 30.000 Exponate lagern in den Räumen einer ehemaligen Likörfabrik in Düsseldorf. "Jedes einzelne Stück erzählt eine Geschichte", sagt der aus der ZDF-Sendung "Bares für Rares" bekannte Händler und verrät damit gleich das Geheimnis seiner Sammelleidenschaft.

Ein Wechselbad der Gefühle

Die Basis legte sein Großvater. Von ihm lernte er als Jugendlicher, dass jeder Gegenstand eine Geschichte hat und viele es wert sind, als Zeitzeugen bewahrt zu werden. Zudem erde und beruhige die Beschäftigung mit alten Dingen. "Alles, was Sie hier sehen, ist schön", lädt Markus Wildhagen das Deutsche Handwerksblatt zu einem Rundgang ein. "Menschen auf der Suche nach dem Besonderen finden bei mir nicht nur Antiquitäten, sondern auch Objekte, die völlig abgerockt sind", betont der Inhaber von Wandel Einrichtungsgegenstände, dass er sich nicht als den klassischen Antiquitätenhändler betrachtet.

"Bei mir gibt es schön bis museal und schön bis braucht man nicht, und dennoch sind es schöne Dinge", sagt der Sammler, der in 40 Jahren so ziemlich alles gesehen hat, was das Herz eines Sammlers höher schlagen lässt. Doch die Wochen des Lockdowns und der Corona-Krise waren auch für Markus Wildhagen ein Wechselbad der Gefühle. Das Geschäft in der Friedensstraße musste er schließen. Dafür flattern täglich Hunderte Fotos in sein E-Mail-Postfach. Dem Unternehmer wird virtuell jede Menge "Bares für Rares" offeriert. Darunter französische Möbel, auf denen schon die Urgroßeltern gesessen haben oder Uhren, die seit Generationen der Familie die Zeit vorgaben.

Ist das ein Schatz oder kann das weg?

"Viele Menschen saßen zu Hause auf dem Sofa, betrachteten ihre Wohnung und fingen an, vom Keller bis zum Dachboden die Ecken aufzuräumen", erzählt der 54-Jährige. Markus Wildhagen lächelt. "Nicht alles, was alt ist, ist wertlos, aber nicht alles, was alt ist, ist gleich eine Antiquität", musste er des Öfteren Menschen über den wahren Wert ihrer Schätze enttäuschen. Tatsächlich kommt es zwar vor, dass sich Trödel als wahrer Kunstschatz entpuppt. Wie bei einer französischen Familie. Beim Ausmisten entdeckten sie auf dem Dachboden eine chinesische Vase. Von einem Kunstkenner auf 500.000 Euro geschätzt, wechselt das Kleinod später bei Sotheby‘s für 16 Millionen Euro den Besitzer.

Die Geschichte der Objekte erforschen

Doch das ist wie ein Sechser im Lotto. "Leider gibt es nicht die drei goldenen Regeln, die den Wert eines Gegenstandes auf Anhieb erkennen lassen", meint Markus Wildhagen. Bei der Frage "Ist das ein Schatz oder kann das weg?" rät der Experte deshalb: Jeder sollte sich mit der Geschichte der großen und kleinen Zeitenerzähler intensiv befassen. Jede Familie hat ein, zwei alte Sachen, die Geschichte erzählen. Wenngleich der materielle Wert als gering eingestuft werden muss, so kann die Wertschätzung dieses Erinnerungsstücks nicht hoch genug bewertet werden. "Sie stehen für eine Epoche oder erinnern an die Großeltern oder an eine besondere Werbung."

Von schön bis abgerockt

Als Einrichtungsexperte sieht Markus Wildhagen sowieso in den alten Schätzchen originelle Stilelemente. Selbst lebt er in einem Mix aus Art Déco, Jugendstil, Bauhaus und modernen Elementen. "Jeden Tag sehe ich meine Möbel an und finde sie nach wie vor schön", kann seiner Meinung nach ein Pokal aus den 20er Jahren allein einen Raum aus dem Gros des industriellen Möbelallerleis hervorheben. Gerade erst habe ein junges Paar einen Rollstuhl aus den 20er Jahren gekauft. "Für sie war es skurril und ein Hingucker in der Wohnung."

Oscar für die Ausstattung

Ursprünglich hatte den der Düsseldorfer als Requisite für den Filmverleih angeschafft. Der Ruf des Designexperten hat sich in der Filmszene rumgesprochen. So stammen die Laborgefäße in dem Film "Das Parfüm" aus der Düsseldorfer Zeitmaschine. Zuletzt waren Leihgaben in der Serie "Babylon Berlin" zu sehen und der Film "Grand Budapest Hotel" wurde dank der wichtigen wie unentbehrlichen Zeitenerzähler sogar mit einem Oscar für das beste Szenenbild ausgezeichnet.

Sie glauben, einen Schatz gefunden zu haben? Sie haben Keller, Dachböden und Flohmärkte durchforstet und glauben, auf einen wahren Schatz gestoßen zu sein?  Die "Bares für Rares"-Experten schätzen den Wert Ihrer Rarität und mit etwas Glück haben Sie anschließend die Gelegenheit, Ihr Schätzchen bei den Händlern gegen Bargeld zu tauschen. Den Link für die Bewerbung bei "Bares für Rares" mit Moderator Horst Lichter und Adressen für weiterer Antiquitäten-Checks finden Sie hier. Ob Kunsthistoriker, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger oder geprüfter Experte auf seinem Gebiet: Schätze 24 bewertet neutral und  und ohne Interesse an An- und Verkäufen. Der Antiquitäten-Check begutachtet Objekte online durch Experten.

Text: / handwerksblatt.de

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