(Foto: © Stiftung Haus der Geschichte/ Ralf Klodt)

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Wähl mich!

Zeitgeschichte: Keineswegs wahllos gehen die Parteien bei der Wahl ihrer Wahlplakate vor. Wie Köpfe, Farben und Slogans die Wähler vom Können der Partei überzeugen sollen, zeigt jetzt eine Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn.

Eins, zwei, drei, vier. Nur vier Sekunden betrachten Bürger durchschnittlich die Wahlplakate an Säulen, Straßen oder Wänden. Das Haus der Geschichte in Bonn zeigt im Wahljahr 2021 in der Sonderausstellung "Wähl mich!", wie die Wahlplakate um die Gunst der Wähler buhlten. Im Fokus stehen die einzelnen Bausteine der Wahlplakate, wie Köpfe, Farben und Slogans. "Keine Experimente" versprach Bundeskanzler Konrad Adenauer im Bundestagswahlkampf 1957. Mit diesem Slogan setzte zugleich die Personalisierung des Wahlkampfes ein.

Erfolgreich mit Wahlplakaten

Wahlplakat aus den Wirtschaftswunderjahren der noch jungen Bundesrepublik Foto: © Stiftung Haus der Geschichte/ Axel ThünkerWahlplakat aus den Wirtschaftswunderjahren der noch jungen Bundesrepublik Foto: © Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker

Mit dem legendären Plakat hatte er Erfolg. Zum ersten und einzigen Mal erreichte die CDU die absolute Mehrheit im Deutschen Bundestag. Seit dieser Zeit haben sich die Wahlkämpfe verändert. Aber trotz des digitalen Zeitalters werben die Parteien weiterhin für die Stimmen der Wähler. Und nach wie vor spiegeln sie die Meinungsfreiheit und Meinungspluralität in einer lebendigen Demokratie wider.

Bis zum 3. Oktober können Besucher auch einen Blick "hinter" die rund 100 Wahlplakate werfen. Zum Beispiel auf das SPD-Wahlplakat von 1972. Harry Walter von der Düsseldorfer Agentur ARE baute um das Plakat die "Willy wählen"-Kampagne auf. Präsentiert werden Arbeiten der Werbeagentur "von Mannstein Concept Design", die erfolgreich über einen langen Zeitraum Bundestags- und Landtagswahlkämpfe der CDU und der FDP begleitet hat. Weitere Plakate verdeutlichen den Fokus auf die Protagonisten im Wahlkampf. Während Konrad Adenauer noch eine Vaterfigur der noch jungen Bundesrepublik darstellte, verkörperte Willy Brandt mit seiner Wahlkampagne 1961 einen Politik- und Generationenwechsel.

Farbspiel der Parteien

Die politische Farbpalette nutzen Politiker immer wieder für weitere Botschaften. Bündnis 90/Die Grünen veröffentlichten bei den Thüringer Landtagswahlen 1999 auf einem schwarzen Plakat den grünen Schriftzug "Farbe. Grün muss sein." Die CDU mit der Farbe Schwarz erreichte dennoch die Mehrheit bei der Wahl.

Immer wieder nehmen Parteien dennoch auch Farbwechsel vor, um politische Signale zu senden. Das Rot der Arbeiterbewegung zum Beispiel findet sich nicht mehr nur in Plakaten der Linkspartei oder der SPD wieder. Auch auf die bei den Deutschen beliebte Farbe Blau greifen nahezu alle Parteien im Wahlkampf zurück.

Prägnante Slogans sind wichtig

Die Wahlplakate zeigen beginnend in den 50er Jahren den Wandel der Gesellschaft und den jeweiligen Zeitgeist. Foto: © Stiftung Haus der Geschichte/ Axel ThünkerDie Wahlplakate zeigen beginnend in den 50er Jahren den Wandel der Gesellschaft und den jeweiligen Zeitgeist. Foto: © Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker

Welches Ziel verfolgt die Partei? Was will sie nach einer gewonnenen Bundesoder Landtagswahl umsetzen? Um das kurz und knackig auf den Punkt zu bringen, sind die prägnanten Slogans wichtig. Ein Slogan spiegelt die Stimmungen und den Zeitgeist der Gesellschaft wider.

Als die Grünen 1983 erstmals in den Bundestag einzogen, traf im Zuge der Debatte um das Waldsterben der Slogan "Rettet den Wald" den Nerv von Teilen der Gesellschaft. Der FDP-Slogan "Zukunft durch Leistung" aus der Bundestagswahl 1987 kommunizierte die wirtschaftsliberalen Werte der Wählerklientel. Zu den Klassikern gehört dabei das Thema "Sicherheit", das die Bevölkerung bis heute bewegt und von allen Parteien angesprochen wird.

"Köpfe, Farben und Slogans werden uns auch in den nächsten Jahren begegnen und daran erinnern, dass Wahlen bevorstehen", sagt Peter Hoffmann vom Haus der Geschichte. An welchem Plakat der Blick bei der Bundestagswahl 2021 hängenbleiben wird, erfahren die Bürger in Kürze.

WÄHL MICH! PARTEIEN PLAKATIEREN
Haus der Geschichte
Museumsmeile
Willy-Brandt-Allee 14
53113 Bonn
Der Eintritt zum Museum und allen Ausstellungen ist kostenlos.

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 9–19 Uhr
Samstag und Sonntag: 10–18 Uhr
hdg.de

Text: / handwerksblatt.de