Das Cort liegt zentral an der Plaza de Cort, direkt gegenüber dem Rathaus. Das Boutiquehotel ist Treffpunkt für Mallorquiner und Touristen gleichermaßen.

Das Cort liegt zentral an der Plaza de Cort, direkt gegenüber dem Rathaus. Das Boutiquehotel ist Treffpunkt für Mallorquiner und Touristen gleichermaßen. (Foto: © Francisco Garvi)

Palma: Mit dem Friseurmeister unterwegs

Panorama - Reise

Einst kürte das Time-Magazin Palma zur lebenswertesten Stadt in Europa. Tatsächlich hat die Hauptstadt Mallorcas viel mehr zu bieten als die quirlige Milla de Oro.

Ich stehe am Kilometer Null. Der wunderschöne alte Olivenbaum an der Plaza de Cort ist der beste Startpunkt für einen Rundgang durch die mallorquinische Hauptstadt. Gleich dahinter befindet sich das Designhotel Cort. Ich bin mit Sven Rasch verabredet. Mit einem herzlichen Lachen eilt der Hoteldirektor auf mich zu. "Zehn Minuten Verspätung ist auf Mallorca nichts", empfiehlt er, die deutsche Pünktlichkeit besser gleich im Koffer zu lassen und dem entspannten mediterranen Pulsschlag der Stadt zu folgen. Sven Rasch ist Palma-Experte. Seit 18 Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Dresdner in der Stadt mit ihren einzigartigen gotischen Bauten.

Anlehnen und genießen

Das Cort verfügt über 14 gemütlich eingerichtete Suiten und zwei Doppelzimmer. Foto: © Francisco Garvi
Das Cort verfügt über 14 gemütlich eingerichtete Suiten und zwei Doppelzimmer. Foto: © Francisco Garvi

Seit zwei Jahren ist Rasch Direktor des gemütlichen Boutiquehotels. Gestaltet hat es der Designer Lázaro Rosa-Violán. Mit seinem mutigen Stilmix gehört er zu den innovativsten Inneneinrichtern der Szene. Sein Stil macht sich vor allem im Restaurant des Hotels bemerkbar. Beim Boden wählte er ein Muster in Grautönen aus 15 unterschiedlichen Mosaiksteinen. Die Dekoration wirkt bewusst überladen. Flaschenregale, Spiegel und Tischlerarbeiten aus Holz sind visuell miteinander verbunden. Für das kulinarische Wohl sorgen galant Felix und sein Team. Der Oberkellner alter mallorquinischer Schule ist die Seele des Restaurants. Sei es bei der Beratung der Menüfolge oder die passende Auswahl des Weins, liest Felix quasi jeden Wunsch von den Augen seiner Gäste ab. "Das Cort", sagt Sven Rasch, "ist ein guter Ausgangspunkt, um die Stadt hinter der Stadt zu entdecken und ein beliebter Treffpunkt für Touristen und Einheimische."

Handwerker in Palma herzlichen willkommen

Der Salon von Rokaia Suriati und Felix Götze liegt im schönen Viertel La Lonja, im Herzen der Altstadt. Foto: © Feliz Hair
Der Salon von Rokaia Suriati und Felix Götze liegt im schönen Viertel La Lonja, im Herzen der Altstadt. Foto: © Feliz Hair

Wenn Sven Rasch jedoch wirklich wissen möchte, was auf der Insel los ist, dann geht er zu Felix Götze. Nicht nur der Hoteldirektor weiß die Arbeit des deutschen Friseurmeisters zu schätzen. "Das deutsche Handwerk steht bei den Einwohnern wie Gästen für Qualität." Der 47-Jährige bedauert dabei aufrichtig, dass die Bedeutung des Handwerks so sehr unterschätzt wird. Am nächsten Tag treffe ich Götze. Seit 2001 lebt der Deutsche auf Palma. Seine Ausbildung absolvierte er bei dem früheren Friseurweltmeister Michael Rosinski. Später ist er als Schulungsleiter für verschiedene Unternehmen in Europa tätig. Im Laufe seiner Karriere hat er mit einigen Größen der Branche zusammengearbeitet. Dazu zählen Udo Waltz oder Alexandre de Paris. Der Handwerksmeister ist in Palma ein gefragter Friseur. Das Wort Promi-Friseur allerdings begeistert ihn nicht. "Ich mag keine Klassifizierungen", betont der 50-Jährige. Sein Salon "Feliz Hair" ist in einem historischen Gebäude untergebracht und liegt im schönen Viertel La Lonja, im Herzen der Altstadt. In acht Sprachen werden in entspannter Atmosphäre die Wünsche der Kunden aus aller Welt erfüllt. Den Salon führt er mit Ehefrau Rokaia Suriati.

Bloß kein Chichi

Felix mag vor allem Menschen, die mit den Füßen auf dem Boden geblieben sind. So wie er. Chichi ist nicht sein Ding. Das Leben in seiner Wahlheimat erfasst er mit allen Sinnen. "Wir sind hier Gäste und integrieren uns. Allein Danke oder Bitte auf Spanisch öffnet Dir hier alle Türen", versichert Felix Götze. So wie bei den Marktbetreibern des Mercat de L’Olivar.

Das frische Obst und Gemüse, die inseltypische Wurst Sobrasada oder ein feiner Pata-Negra-Schinken lösen erste Hungergefühle aus. Der Duft frischgebackenen Brotes gibt uns die weitere Laufrichtung vor. Die "pa pagès" werden traditionell ohne Salz gebacken. Dadurch bleiben sie haltbar. Eine weitere mallorquinische Spezialität sind die Llonguets. Die Herstellung der Brötchen ist aufwendig und gehört zu den größten Geheimnissen der Insel.

Genußvielfalt in den Markthallen

Sushi-Päuschen am Stand von Thomas Wilden (l.). Für Felix Götze (r.) und Sven Rasch (Mitte) ist der Markt de L’Olivar ein Ort der Begegnungen und der regionalen Kulinarik. Foto: © DHB
Sushi-Päuschen am Stand von Thomas Wilden (l.). Für Felix Götze (r.) und Sven Rasch (Mitte) ist der Markt de L’Olivar ein Ort der Begegnungen und der regionalen Kulinarik. Foto: © DHB

Was Leckeres für obendrauf gibt es bei "Corte de jamón mallorca". Ivan Aleixandre ist professioneller Schinkenschneider. Lebhaft plaudert er nur zu gerne über sein Spezialgebiet. Mit 20 bis 800 Euro sind die Preise zwar nicht ohne, eine Kostprobe sollte sich dennoch niemand entgehen lassen. Wer lieber dem typischen Käse aus Schaf- oder Ziegenmilch den Vorzug gibt, kommt am Stand "Queseria S’Aglà" nicht vorbei. Auf engstem Raum offeriert Juan über 300 Käsesorten. Alle Leckerbissen stammen aus den umliegenden Familienbetrieben und sind handgemacht.

Im Fischmarkt nebenan finden wir auf üppig dekorierten Tischen die eisgekühlten Köstlichkeiten der mallorquinischen Unterwasserwelt. Zwischen den Fischständen gehört auf jeden Fall ein Stopp in einem der vielen Restaurants dazu. Ab 11 Uhr füllen sich die kleinen Bars und Bodegas. Gegenüber vom Fischhändler "Yosushi" wirbelt der Deutsche Thomas Wilden konzentriert auf wenigen Quadratmetern von einer Ecke in die andere. Irgendwann hat der Sternekoch seine Schürze im Genfer Hof an den Nagel gehängt und in der Fischhalle von Palma City eine neue Heimat gefunden. Nach einem kleinen Sushi-Frühstück geben auch wir jetzt Gas. Auf dem Programm: das älteste Café der Stadt.

Eines der größten Altstadtviertel Europas

Der Weg führt durch das alte Chinesenviertel "Sa Gerreria". Mit den Vierteln La Seu, Calatrava und Monti-Sion hat Palma übrigens eines der größten zusammenhängenden Altstadtviertel in Europa. So wie es seine Zeit erlaubt, schlendert Felix mit Vorliebe durch die Gassen und entdeckt an den alten Hausfassaden und in Hinterhöfen immer wieder Neues. Im Viertel Monti-Sion liegt auch das "C’an Joan De S’aigo". Beim Betreten machen wir einen Sprung in die Vergangenheit. Gegründet im 17. Jahrhundert, gibt es hier einen erstklassigen dickflüssigen Kakao.

"Der schmeckt fast wie Pudding", weiß Felix aus Erfahrung. Zum Angebot gehören zudem verführerisch frische "Ensaïmada de Mallorca". Das Hefegebäck gibt es ungefüllt oder mit "cabell d’angel", also Engelshaar, gefüllt. Eine köstliche Auswahl an Empanadas Mallorquinas schließt sich in der Theke gleich daneben an. Rezepte gibt es auf Mallorca wie Sand am Meer, und "es sind die jungen Leute, die darum kämpfen, dass diese Traditionen erhalten bleiben", sagt der Wahl-Mallorquiner Felix Götze.

Mallorquinische Lebensfreuden

Schon ist es Mittag. Nach vielen neuen Eindrücken ist es Zeit für einen Cortado. Die spanische Espressovariante finden wir im Bosch an der Placa Rei Joan Charles I. Die Bar ist eine Institution in Palma. Inmitten des Gewimmels aus Tischen, Stühlen und herumsausenden Kellnern machen wir Rokaia aus. Die Ehefrau von Felix gesellt sich zu uns und begleitet uns zum nächsten Sightseeing-Highlight: dem Sternerestaurant von Marc Fosh. Das Restaurant des britischen Sternekochs liegt am Carrer de la Missió. Im wöchentlichen Wechsel stehen ein Drei-Gang-Menü für 29,50 Euro und ein Fünf-Gang-Menü für 39,50 Euro auf der Speise­karte. Ein wahrhaft köstliches Vergnügen auch für den kleinen Geldbeutel. 

Am Ende einer bezaubernden Entdeckungsreise besuchen wir noch das Weingut Xaloc in Pollenca. "Xaloc" bedeutet so viel wie der sanfte Südost-Wind Mallorcas. Wegen der Namensähnlichkeit gibt Christina Schallock ihren biologisch angebauten Weinen diesen poetisch klingenden Namen. Seit acht Jahren baut die ehemalige Managerin auf drei Hektar Wein an. Was als Schnapsidee begann, wird mittlerweile in zahlreichen Restaurants auf Mallorca ausgeschenkt.

Zurück in Palma Stadt, heißt es Abschied nehmen von einer Stadt, die alles zu bieten hat. Herzliche Menschen, traditionelle Märkte, eine vielschichtige Kultur, ausgelassene Feste, aber allem voran eine unwiderstehliche mallorquinische Lebensfreude. Die ist längst auf all die anderen hier lebenden und arbeitenden Deutschen übergeschwappt. Der deutsche Friseurmeister in Palma betont: "Hier leben wir. Hier sind wir zu Hause. Punkt!"

Hotel/Restaurant Cort
Das liegt direkt gegenüber dem Rathaus an der Plaza de Cort und verfügt über 14 Suiten und zwei Doppel­zimmer – ­zwischen 150 und 200 Euro die Nacht. Im ­Angebot sind marktfrische Spezialitäten, Fisch und Sushis an der Raw-Bar.

Felizhair
"Die Haare sind das wertvollste und natürlichste Schmuckstück, welches wir besitzen, dementsprechend sollten wir es behandeln." Nach dieser Philosophie leben und arbeiten Felix Götze und ­Rokaia Suriati in ihrem Salon.

Mercat de L’Oliva
Der Markt ist an sechs Tagen die Wochevon 7 bis 14.30 Uhr geöffnet.

Marc Fosh
Das Gourmet-Restaurant des britischen Kochs Marc Fosh wurde mit einem Guide-Michelin-Stern ausgezeichnet. In der Zeit von 13 bis 15 Uhr gibt es zwei Menüs zum erschwinglichen Preis.

Bodega Xaloc
Nach Voranmeldung kann das Weingut von Christina Schallock besucht ­werden.

Spain.info
Informationen über Anreise und Sehenswürdigkeiten

Text: / handwerksblatt.de

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