Bei der WHKT-Vollversammlung berichtete Präsident Hans Hund über die Lage des Handwerks in NRW.

Bei der WHKT-Vollversammlung berichtete Präsident Hans Hund über die Lage des Handwerks in NRW. (Foto: © Rolf Göbels/WHKT)

Das NRW-Handwerk setzt auf die Zukunft

Politik

Trotz der andauernden Probleme in der Corona-Krise richtet der WHKT seinen Blick auch auf die Zeit nach der Pandemie. Verschiedene Zukunftsthemen spielen dabei eine Rolle.

Nach einem Jahr Pandemie sei die Stimmung in Deutschland gereizt. Das stellte Hans Hund bei der Frühjahrsvollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) fest. Aber bei aller berechtigten Kritik hinsichtlich der unübersichtlichen Masse an verschiedenen Corona-Regelungen in den Bundesländern, unterschiedlich angewandter Notbremsen, Hilfsgelder, die zu spät oder gar nicht ankommen, unsicherer Perspektiven und langsam vorangehender Impfungen gelte es, nicht nur zu meckern, sondern weiter anzupacken, betonte der WHKT-Präsident. Genau das tue das Handwerk. Trotz der branchenabhängigen "Spaltung der Konjunktur" sei ein großer Teil der Betriebe gut durch das letzte Jahr gekommen.

"Die Konjunkturdaten berichten uns davon, dass das Handwerk der Stabilitätsanker in dieser Krise war und ist." Hund warb für Solidarität mit den mit den Betrieben in Not, besonders im Friseur-, Kosmetiker- und Messebauerhandwerk. "Der Platz der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern war und ist zurecht an der Seite jener Betriebe, die von der Pandemie besonders betroffen waren und sind. Wir haben uns mit Rat und Tat um die Betriebe gekümmert, die unverschuldet in Not geraten sind. Bis heute setzen wir uns Tag für Tag als WHKT gemeinsam mit der LGH und gesamten Handwerksorganisation dafür ein, dass die Auswirkungen der Pandemie bestmöglich abgefedert werden."

Verantwortungsvoll handeln

Die Betriebe müssten auch weiterhin verantwortungsvoll handeln, um die Pandemie zu meistern. Hunds Appell: "Weiterhin sind die Hygieneregeln streng zu beachten - auf jeder Baustelle und bei jedem Kunden. Und beim Testen sind die Betriebe nach Kräften gefordert, alles dafür zu tun, dass wir dem Virus keine Chance geben und damit denen helfen, die direkt oder indirekt von Schließungen betroffen sind, eine Perspektive zu geben." Trotz all der coronabedingten Probleme verliere das Handwerk die Zukunftsthemen nicht aus dem Blick. Dazu gehören Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung. Hier liefen konkrete Initiativen, um die Zukunftsfähigkeit der Betriebe zu stärken.

Matthias Heidmeier ist zufrieden mit der Zusammenarbeit des Handwerks mit der Landesregierung während der Corona-Pandemie. Foto: © Rolf Göbels/WHKTMatthias Heidmeier ist zufrieden mit der Zusammenarbeit des Handwerks mit der Landesregierung während der Corona-Pandemie. Foto: © Rolf Göbels/WHKT

Das nordrhein-westfälische Handwerk blicke jetzt auch nach vorne auf die Zeit nach der Pandemie. Hund: "Ich bin davon überzeugt, dass wir alle Chancen haben, nach Corona einen Aufbruch für mehr Wachstum, mehr Beschäftigung und mehr Innovation auch im Handwerk zu erleben.“ Wichtig dafür: engagierte Handwerker und die richtigen politischen Rahmenbedingungen in Bund und Land mit weniger Bürokratie, einer passgenauen Förderung, einer echten Mittelstandfreundlichkeit, fairen Wettbewerbschancen und echten Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.

Gute Zusammenarbeit mit der Politik

WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier zog eine positive Bilanz für die Zusammenarbeit mit der Landesregierung während der Corona-Pandemie. Nicht in allen Bundesländern seien die Interessen der Handwerksbetriebe in dem Maße berücksichtigt worden wie in NRW. Gleichwohl gebe es auch immer wieder Ärgernisse. "Aber unter dem Strich hat man uns gehört und unsere Wünsche berücksichtigt, soweit es möglich war." Der Gast aus der Politik Nathanael Liminski, Chef der NRW-Staatskanzlei, lobte die Zusammenarbeit mit dem Handwerk und äußerte Verständnis für die Forderungen nach Planbarkeit und Perspektive bei den Corona-Maßnahmen. Es sei aber für die Politik nicht immer einfach, in der dynamischen Pandemielage mittel- oder gar langfristige Voraussagen und Entscheidungen zu treffen.

Digital zugeschaltet war der Chef der Staatskanzlei Nathanael Liminski. Foto: © Rolf Göbels/WHKTDigital zugeschaltet war der Chef der Staatskanzlei Nathanael Liminski. Foto: © Rolf Göbels/WHKT

Er sicherte den Vertretern der Handwerkskammern die Unterstützung des Landes zu: "Die Landesregierung setzt sich weiter für eine zuverlässige Perspektive und klare Strategie für die Wirtschaft ein“, so Liminksi. "Mit einer großen, gemeinsamen Kraftanstrengung – klaren und deutlichen Regeln, der Beschleunigung der Impfoffensive, dem wachsenden Einsatz von Selbst- und Schnelltests und der zunehmenden Nutzung digitaler Lösungen bei der Kontaktnachverfolgung – gehen wir große Schritte auf dem Weg zu verlässlichen Prognosen und Zusagen für die Branche." Die Landesregierung wolle nun den bundesgesetzlichen Prozess so konstruktiv wie möglich begleiten und das Gesetz so gut wie möglich ausgestalten.

Noch keine Entscheidung bei der Grundsteuer

Liminski kündigte eine Novellierung der Mittelstandsförderungsgesetzes und die Fortsetzung der Digitalstrategie an, um den Neustart nach der Pandemie zu beschleunigen. Mit Blick auf eine vom Handwerk geforderte "transparente flächenbezogene" Lösung für die Grundsteuer sei noch nicht entschieden, ob NRW das Bundesmodell umsetzt oder davon abweichen wird. Der nordrhein-westfälische Finanzminister Lutz Lienenkämper habe schon bei der Gestaltung des Bundesmodells sehr viel Zeit investiert, um unnötige Bürokratie zu vermeiden. "Und man ist jetzt in der Abwägung, nimmt man jetzt das, was man erreichen konnte, das sicherlich nicht das das Maximum dessen ist, was wir uns hätten vorstellen können. Oder eröffnen wir in der Tat einen großen eigenen Gesetzgebungsprozess in Nordrhein-Westfalen."

Text: / handwerksblatt.de

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