Kooperationen mit lokalen afrikanischen Partnern können sehr lukrativ für deutsche Handwerker sein.

Kooperationen mit lokalen afrikanischen Partnern können sehr lukrativ für deutsche Handwerker sein. (Foto: © Bruce Rolff/123RF.com)

Afrika: Ein Blick über den Tellerrand kann sich lohnen

Deutsche Handwerksunternehmen können auch in afrikanischen Staaten südlich der Sahara gute Geschäfte machen.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Wenn es um Außenwirtschaft geht, denken viele Handwerksunternehmen zunächst an das europäische Ausland. Da wären zum Beispiel die Beneluxländer, Frankreich, Polen oder die Schweiz. Doch auch ein Blick über den europäischen Tellerrand kann sich lohnen.

Staaten südlich der Sahara wie etwa Liberia, Uganda, Kenia oder Äthiopien locken mit hohen Renditen. "Sie sind dort deutlich höher als bei uns in Deutschland", bestätigt Heinz G. Rittmann. Der Geschäftsführer des Deutschen Auslandsbauverbands e. V. bahnt schon seit Jahren Geschäftskontakte in afrikanische Staaten an.

Konsortien haben es leichter

"Deutsche Bauunternehmen, die sich in Afrika ein zweites Standbein schaffen wollen, können sich gerne an uns wenden", sagt er. Der Verband verfügt über ein Netzwerk an potenziellen Auftraggebern und Kooperationspartnern in Afrika. "Prinzipiell kann jedes Bauunternehmen mitmachen", so Rittmann: "Voraussetzung ist allerdings, dass es wirtschaftlich gesund ist."

Der Verband versucht zunächst, mehrere Firmen aus Deutschland zusammenzuführen. "Man hat es in Afrika leichter, wenn man alle Leistungen aus einer Hand anbieten kann." Für Konsortien ist es also einfacher, Aufträge zu akquirieren und Bauprojekte umzusetzen. Denn öffentliche Ausschreibungen beinhalten oft mehrere Bereiche – meistens Straßen- und Tiefbau sowie Stahlbetonbau. "Dienstleistungen im Bereich der Sanierungen anzubieten, ist auch nicht verkehrt", ergänzt Rittmann: "Denn viele deutsche Botschaften müssen auch in Afrika saniert werden."

Vorteile für alle Seiten

Deutsche Handwerksunternehmen haben es allein allerdings schwer auf dem afrikanischen Markt. "Deswegen arbeiten wir meistens mit lokalen Partnern zusammen", erklärt Rittmann: "Den ersten Kontakt können wir herstellen; ob die Chemie stimmt, müssen die deutschen und afrikanischen Firmen dann selber herausfinden."

Eine solche Zusammenarbeit habe Vorteile für beide Seiten: Deutsche Unternehmer können leichter auf dem jeweiligen afrikanischen Markt Fuß fassen. Und der afrikanische Partner profitiert vom Know-how des deutschen Betriebs. Denn die deutschen Betriebe schicken in der Regel nicht ihre ganze Mannschaft auf den fremden Kontinent, sondern eher Führungskräfte wie Poliere oder Schachtmeister, die die ungelernten Kräfte vor Ort anweisen und gegebenenfalls auch anlernen können.

"Das Geld muss sicher sein"

Aufgabe des lokalen Partners ist es dann auch, geeignete Projekte zu identifizieren. Wichtig: Die Ausschreibungen sollten auf jeden Fall renommiert finanziert sein. "Das gewährleistet in der Regel eine sichere Auftragsabwicklung. Das Geld muss sicher sein", betont Rittmann.

Für Afrika gelten Aufträge als renommiert, die etwa durch die Kfw-Bank, Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank oder den Arabischen Entwicklungsfonds finanziert sind. Alternativ gebe es andere Sicherungsmechanismen wie die Vorauszahlung auf ein Sperrkonto.

Zusammenarbeit beim Angebot

Sobald eine konkrete Ausschreibung infrage kommt, kann es an die Präqualifizierung gehen. Dazu müssen bestimmte Dokumente eingereicht werden (siehe Infokasten). Sowohl der Auslandsbauverband als auch afrikanische Firmen können die deutschen Betriebe dabei unterstützen. Ist diese Hürde genommen, folgt die Angebotsphase.

 

Präqualifizierung: Im Ragmen einer Präqualifierung verlangen die Finanziers afrikanischer Projekte in der Regel einige Dokumente wiw zum beispiel Gesellen- und Meisterbriefe, Diplome und Nachweise über Weiterbildungen der Mitarbeiter. Zudem sind oft Nachweise über vorhandene Maschinen und die Bilanzen der letzten drei Jahrew einzureichen. Allerdings können von Auftrag zu Auftrag verschiedene Dokumente verlangt werden, "Hier sollten die deutschen Unternhemen mit dem afrikanischen Partner EInheitspreise für die einzelnen Positionen festlegen", empfiehlt Rittmann. Das heißt: Beide Parteien erarbeiten parallel ein Angebot und führen es anschließend zusammen.

Hohe Auftragsvolumina

Bei den einzelnen Losen von verschiedenen Projekten geht es oft um hohe Auftragsvolumina von bis zu 25 Millionen US-Dollar. "Unsere Betriebe erreichen solche Zahlen auch in Deutschland, allerdings nur sehr, sehr selten mit einem einzigen Auftrag." Zudem sind die Renditen in Afrika mehr als ordentlich: "Bei einem halbwegs vernünftigen Bauablauf sind 20 Prozent und mehr drin."

Interessierte Betriebe können sich bei Heinz G. Rittmann vom Deutschen Auslandsbauverband melden, Tel.: 0211/ 9142914; E-Mail: info@auslandsbau-verband.com

 

Impfungen: Deutsche Handwerker, die vor Ort in Afrika tätig werden, sollten sich unbedingt rechtzeitig um eine Reihe von Impfungen kümmern. Wichtig: Einige Impfungen müssen schon mehrere Wochen vor Reisebeginn durchgeführt werden. Bei anderen ist es notwendig, bestimmte Impfabstände einzuhalten. Ratsam ist der Besuch des Hazsarztes mindestens zwei Monate vor Antritt der Reise

Ein Kontinent der Chancen

Für die Politik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist Afrika ein regionaler Schwerpunkt. Auch für die Wirtschaft sei der Kontinent interessant. Der ehemalige Entwicklungsminister Dirk Niebel ist überzeugt, dass mittelständische Unternehmen von den Wachstumschancen dort profitieren können.

Das BMZ unter der Leitung des Ministers Dirk Niebel engagierte sich nach eigener Aussage für die Bekämpfung der Armut, für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung und für den Erhalt der Umwelt und der natürlichen Ressourcen. Eines der wichtigsten Instrumente sei dabei die Entwicklungspolitik.

DHB: Herr Niebel, Sie haben die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft als neuen Schwerpunkt der Arbeit des BMZ definiert. Welche Ergebnisse erwarten Sie von einer Zusammenarbeit von Wirtschaft und Entwicklungspolitik?

Niebel: Salopp formuliert: Wir wollen eine Win-Win-Win-Situation, von der alle Seiten profitieren: Die Partnerländer zuallererst, unsere Entwicklungspolitik ebenso – aber auch die Unternehmen. Also: Wir fördern privatwirtschaftliches Engagement in Entwicklungsländern, damit dort neue Arbeitsplätze und neue Perspektiven für die Menschen entstehen. Mehr Jobs bedeuten aber auch ein höheres Steueraufkommen im Partnerland. Und das kann langfristig die Abhängigkeit von externen Finanzierungsquellen verringern – und genau das muss ja das gemeinsame Ziel sein. Deswegen arbeiten wir gemeinsam mit den Regierungen vieler unserer Partnerländer an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Zugleich haben wir unser Förderinstrumentarium deutlich ausgebaut. Auf diesem Weg möchten wir die deutsche Wirtschaft ermutigen, sich in Entwicklungsländern zu engagieren und sie für gemeinsame Projekte im Rahmen unserer Entwicklungszusammenarbeit gewinnen. Denn gerade deutsche Unternehmen bringen dafür gute Voraussetzungen mit: Ihr Know-how, ihre Technologien, ihre Wertschätzung für Umwelt- und Sozialstandards, natürlich auch ihr Kapital – mit alledem können sie zu entwicklungspolitischen Fortschritten in unseren Partnerländern beitragen. Und im Übrigen gleichzeitig neue Absatzmärkte für ihre guten Produkte erschließen.

DHB: Welche Vorteile bringt das Mitwirken der Wirtschaft im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit für die Unternehmen?

Niebel: Ich weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmen, wie schwer sich gerade kleine und mittelständische Betriebe mit dem Einstieg in neue Märkte tun – insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern: Das Risiko ist einfach oft zu hoch. Da kann die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihren Kontakten in Entwicklungsländern dazu beitragen, so manche Hürde zu senken. Ein Beispiel dafür: Unser Programm DeveloPPP.de – das bietet Unternehmen die Möglichkeit, gemeinsame Projekte mit der Entwicklungszusammenarbeit durchzuführen, mit Vorteilen für beide Seiten, für die Unternehmen ebenso wie für die Entwicklungspolitik. Unsere Durchführungsorganisationen GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), Sequa (Gemeinnützige Gesellschaft der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft) und DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft), begleiten interessierte Unternehmen kompetent. Damit eröffnen wir diesen Unternehmen die Chance, sich in neue Märkte zu wagen - beispielsweise gemeinsam mit der Entwicklungszusammenarbeit. Im Rahmen dieses Programms werden aber auch Projekte gefördert, mit denen Umwelt- und Sozialstandards in Entwicklungsländern erhöht werden – davon profitieren die Menschen vor Ort unmittelbar. Aber auch die deutschen Unternehmen haben etwas davon: Einerseits über die finanzielle Unterstützung durch mein Ministerium oder aber die fachliche Begleitung durch die Experten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Andererseits aber auch, indem sie ihrer unternehmerischen, sozialen und ökologischen Verantwortung besser gerecht werden können.

DHB: Das BMZ definiert Afrika, besonders die Länder südlich der Sahara, als regionalen Schwerpunkt seiner Aktivitäten. Was macht Afrika attraktiv für die Wirtschaft?

Niebel: Afrika ist ein regionaler Schwerpunkt unserer Entwicklungspolitik. Hierzu haben wir uns auch international und im G8-Kreis verpflichtet und dazu stehen wir. Und auch wenn die meisten der am wenigsten entwickelten Länder der Welt in Subsahara-Afrika liegen: Wir definieren Afrika auch als Kontinent der Chancen. Die Dynamik ist beeindruckend: Sechs der zehn weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften sind in Afrika. Die Inflation ist in einstellige Bereiche gesunken, die Haushaltsdefizite sind um zwei Drittel reduziert. Die makroökonomischen Daten sind so gut wie nie zuvor. Dieses Jahr zählen fünf afrikanische Länder zu den Top Ten der Reformländer des "Doing Business"-Berichts der Weltbank. Marokko führt diese Liste sogar an, aber auch Sierra Leone oder Burundi gehören dazu. Interessant für die Wirtschaft dürfte aber auch die wachsende Konsumentenschicht sein. Der "Economist" prognostizierte Ende letzten Jahres, dass in Afrika eine neue Mittelschicht entsteht. Bis 2015 soll die Zahl der Haushalte mit einem Jahreseinkommen von 3000 US-Dollar auf 100 Millionen angestiegen sein – das ist ähnlich hoch wie in Indien. Die Unternehmensberatung McKinsey stellte in ihrer viel beachteten Studie "Lions on the Move" dar, dass es sich kein Investor erlauben könne, Afrika langfristig außer Acht zu lassen. Und wir wollen, dass deutsche Unternehmen mit dabei sind.

DHB: Können auch mittelständische Unternehmen in Afrika erfolgreich sein?

Niebel: Ja, davon bin ich absolut überzeugt – auch wenn die Rahmenbedingungen nicht einfach sind: Afrika ist ein riesiger Kontinent mit rund einer Milliarde Einwohnern und mit 54 verschiedenen Ländern, die Unternehmen vor ganz unterschiedliche Herausforderungen stellen. Gemeinsam mit unseren Partnerländern arbeiten wir daran, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Natürlich ist jedes Auslandsengagement auch immer mit Risiken verbunden – und dennoch: Bei allen Herausforderungen bin ich davon überzeugt, dass auch mittelständische Unternehmen von den Wachstumschancen in Afrika profitieren können.

DHB: Können Sie einige konkrete Beispiele nennen, wo die Förderung und Beratung mittelständischer Unternehmen durch das BMZ bei deren Gang in Entwicklungsländern stattgefunden hat?

Niebel: Auf meiner Reise nach Peru habe ich beispielsweise eines unserer Projekte mit einem mittelständischen deutschen Familienunternehmen besucht, das im Bereich der Trinkwasserversorgung tätig ist. Das Unternehmen trägt mit dazu bei, die Wasserverluste aufgrund maroder Wasserleitungen zu reduzieren – mit Hilfe seiner Technologie und der Qualifizierung des Personals lokaler Wasserversorgungsbetriebe. Unser Projekt hilft damit die Versorgung der lokalen Bevölkerung mit Trinkwasser zu sichern, es hilft dem Wasserbetrieb vor Ort, eigenes Know-how aufzubauen und effizienter zu wirtschaften, und - last but not least - hilft es auch dem deutschen Unternehmen, sich auf einem neuen Markt zu etablieren und seine Technologie bekannter zu machen.

DHB: Können Sie an dieser Stelle einige Hinweise auf die wichtigsten Instrumente des BMZ zur Förderung der Zusammenarbeit von BMZ und Wirtschaft geben?

Niebel: Ein wichtiges Instrument für die Zusammenarbeit mit Unternehmen ist das bereits erwähnte DeveloPPP.de-Programm: Damit fördern wie entwicklungspolitisch und betriebswirtschaftlich sinnvolle, gemeinsame Projekte von Entwicklungszusammenarbeit und Unternehmen. Darüber hinaus unterstützen wir Unternehmen beispielsweise durch die Mitfinanzierung von Machbarkeitsstudien, die der Vorbereitung von entwicklungspolitisch sinnvollen privatwirtschaftlichen Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern dienen sollen. Über die DEG besteht für Unternehmen auch die Möglichkeit zur Finanzierung solcher Investitionen. Ein Instrument zur Zusammenarbeit mit Kammern und Verbänden ist das sogenannte Kammer- und Verbandspartnerschaftsprogramm. Hiermit fördern wir Partnerschaftsprojekte von Kammern oder Verbänden mit Organisationen der verfassten Wirtschaft in Entwicklungsländern. Im vergangenen Jahr haben wir zusätzlich auch ein Berufsbildungspartnerschaftsprogramm gestartet, an dem sich ebenfalls Kammern und Verbände beteiligen können. Insofern bestehen nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern auch für Kammern und Verbände Möglichkeiten, sich gemeinsam mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Entwicklungs- und Schwellenländern zu engagieren.

Kleine und mittlere Unternehmen, die sich über Kooperationsmöglichkeiten und Finanzierungshilfen beraten lassen wollen, können sich mit der Servicestelle des BMZ für die deutsche Wirtschaft in Verbindung setzen. "Darüber hinaus entsenden wir in zahlreiche deutsche Industrie- und Handelskammern und Verbände sogenannte ,EZ-Scouts'. Das sind Verbindungsreferenten, die den Mitgliedsunternehmen ihrer jeweiligen Organisationen als Ansprechpartner für Fragen zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stehen", sagt Minister Niebel. Auch an zahlreiche deutsche Auslandshandelskammern habe das Ministerium Entwicklungsexperten entsendet, die Unternehmen bei Fragen behilflich sein können.
Alle Unternehmen können sich mit Fragen und Projektideen an die Servicestelle wenden: Tel.: 0228/ 995 353 131; E-Mail: wirtschaft-kontakt@bmz.bund.de

Die Fragen stellte: Lars Otten;

Ein zweites Standbein südlich der Sahara

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Michael Temme engagiert sich mit seinem Baubetrieb im Auslandsbau – besonders in Guinea und Nigeria. Bis zu 30 Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet er dort. Afrika lockt mit höheren Renditen als hierzulande. Selbst wenn ein Einsatz auf dem fremden Kontinent auch Risiken birgt und gut vorbereitet werden muss, kann es sich für deutsche Handwerksunternehmen lohnen, dort tätig zu werden. Michael Temme hat diesen Schritt gewagt.

Seit 2005 engagiert sich die Temme GmbH & Co. KG Baugesellschaft in Porta Westfalica im Auslandsbau – vornehmlich in Guinea und Nigeria. Man könne zwar nicht pauschal sagen, wie hoch die Renditen sind – das unterscheide sich von Auftrag zu Auftrag. "Aber für die gleiche Rendite wie in Deutschland brauche ich nicht ins Ausland zu gehen", stellt er klar.

"Qualität ist auch in Afrika nötig"

Bis zu 30 Prozent des Jahresumsatzes konnte der Bauunternehmer in den afrikanischen Ländern erwirtschaften. "In Deutschland war die Umsatzentwicklung im Baugewerbe lange rückläufig. In Afrika war das anders – dort gab es Wachstum", so Temme. Daher hat er sich seinerzeit entschieden, sich dort ein zweites Standbein zu schaffen. In Sachen Bauinfrastruktur sei Afrika 50 Jahre zurück.

"Man muss sich im Vorfeld vergegenwärtigen, dass man bezüglich der Baustoffe vieles selber machen muss; zum Beispiel die Qualitätssicherung und Materialkontrolle." Wichtig sei eine hohe Fertigungstiefe und möglichst europäischer handwerklicher Standard. "Qualität ist auch in den afrikanischen Ländern nötig", betont Temme.

Diskutieren auf Augenhöhe

Die Aufträge, die das deutsche Handwerksunternehmen annimmt, stammen sowohl aus privater als auch aus öffentlicher Hand. Um diese zu erledigen, schickt Temme Führungskräfte, aber auch komplette Kolonnen auf den fremden Kontinent. Trotzdem arbeitet der Betrieb auch immer mit lokalen Arbeitskräften zusammen. Auf einen Europäer kommen laut Temme meistens drei bis vier Afrikaner.

"Um auf den europäischen Standard zu kommen, müssen wir sie oft anleiten. Denn ihnen fehlt häufig die Erfahrung." So profitieren sie vom Know-how des ost-westfälischen Betriebs. "Wichtig ist, dass wir mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren. Man sollte nicht in eine Kolonialherrenhaltung verfallen."

Genaue Planung ist unumgänglich

Die Arbeiten vor Ort in Afrika sind eine Sache, ganz wichtig ist aber auch die Planung vor dem Einsatz – besonders, was die Logistik betrifft (Temme empfiehlt, zwei Monate im Vorfeld damit zu beginnen). "Wir müssen ja fast alles selbst mitbringen", sagt er: "Vieles bekommt man in Afrika nicht. Da gibt es eben nicht den Baumarkt um die Ecke."

Das gilt für Werkzeug und Ersatzteile sowie für Baumaterialien wie zum Beispiel Schalungen. Solche Dinge sollten möglichst in doppelter Ausführung vorhanden sein. "Wenn ein Teil fehlt, ist das eine Katastrophe." Aber auch Gerüste und große Maschinen – etwa Bagger oder Krane – gehen auf die Reise.

Container werden verschifft

Die Fracht wird dann in Container geladen und anschließend verschifft. Und zwar lange vor Arbeitsbeginn; denn per Schiff brauchen die Materialien natürlich länger, bis sie in Afrika ankommen. Für den Zoll muss eine genaue Liste über den Inhalt der Container angefertigt werden – in zwei Sprachen (für den deutschen Zoll und den Zoll des Ziellandes). Den fälligen Importzoll (für Waren, die im Zielland verbleiben) und die Deklaration (Hafengebühr) sollten in die Kalkulation des Auftrags einfließen.

Text: / handwerksblatt.de

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