Foto: © Monika Nonnenmacher

Am Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln gestalten die kaufmännischen Auszubildenden in der Lernsituation Arbeitsplatzgestaltung Büros in einem 3D-Programm. Über eine 3D-Brille können sie durch die Räume "laufen". (Foto: © Monika Nonnenmacher)

Kopfsprung in digitale Welten

Virtual- oder Mixed-Reality-Brillen sind in vielen Handelsunternehmen schon im Einsatz. Am Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln lernen nun auch die kaufmännischen Azubis, wie sie sich in der 3D-Welt bewegen können.

Detlef Steppuhn und seine Kollegen lassen Büroräume von Schülerinnen und Schülern planen, kalkulieren, in einem 3D-Programm gestalten und durch eine Virtual-Reality-Brille begehen. "VR in der kaufmännischen Ausbildung – die meisten, denen wir davon erzählen, halten es für Science-Fiction", sagt der Lehrer vom Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln. Dabei seien neue Technologien längst in den Betrieben angekommen. "Der Handel setzt VR- oder Mixed-Reality-Brillen schon massiv in den Bereichen Lager oder Distribution ein." Dass sich nun auch die Auszubildenden damit vertraut machen, halten die Pädagogen nur für konsequent.

Experten aus jeder Gruppe

Die Fachlehrer für Büroprozesse bauen digitale Medien in die Lernsituation Arbeitsplatzgestaltung ein. Sie wird in der zweiten Hälfte der Unterstufe vermittelt. Die ersten Schritte verlaufen dabei eher analog ab. Seine Klasse teilt Detlef ­Steppuhn in sechs bis sieben Gruppen auf. Jede beschäftigt sich vier bis sechs Stunden mit einem bestimmten Aspekt der Arbeitsplatzgestaltung. Danach wird die Klasse neu durchmischt. Es entstehen vier größere Gruppen, in denen jeweils ein Experte der vorher behandelten Aspekte vertreten ist. Sie sollen gemeinsam die Arbeitsplätze eines Großraum- und Ein-Mann-Büros planen.

Den Auszubildenden macht Detlef Steppuhn nur wenige feste Vorgaben. Ansonsten bekommen sie alle Freiheiten. "Ob sie das Großraumbüro als Kombibüro anlegen oder welche Möbel sie kaufen möchten, bleibt ihnen überlassen." Alle Entscheidungen werden schriftlich festgehalten. Die Kalkulation erstellen die Schülerinnen und Schüler in Excel. Die Ergebnisse ihrer Planungen präsentieren sie in PowerPoint und begründen sie gegenüber der Klasse und dem Fachlehrer. "Sobald die Schülerinnen und Schüler die Räume planen, fangen sie auch an, sie am Computer zu entwerfen. Von da an sind unsere beiden Virtual-Reality-Brillen ständig im Einsatz."

Probleme mit der Schnittstelle

Gestaltet wird mit dem Programm Sweet Home 3D. "Es ist kostenlos verfügbar, ohne große Einweisungen sehr schnell und einfach zu bedienen und bringt schon eine Menge von Modellen mit", zählt Detlef Steppuhn die Vorteile auf. Die Software hat aber auch einen entscheidenden Nachteil. Die Auszubildenden können die von ihnen gestalteten Räume zwar über die 3D-Vorschau am Computer begehen, jedoch nicht über die VR-Brille. Der Grund: Sweet Home 3D bietet dafür noch keine Schnittstelle. Nach langer Recherche haben Detlef Steppuhn und seine Kollegen eine Lösung gefunden: die Internetplattform Sketchfab. "Dort kann man die 3D-Modelle hochladen und sich mit den von uns verwendeten Brillen HTC Vive und Oculus Rift über den Browser in Virtual Reality anschauen."

Noch kaum brauchbare Programme

Technisch und inhaltlich sind die Grenzen noch eng gesteckt. "Wir sind unserem Förderverein sehr dankbar dafür, dass er die ersten VR-Brillen finanziert hat", sagt Steppuhn. Bald werden es mehr sein. Fünf weitere plus Rechner habe nun auch die Stadt Köln bewilligt. Auch die Suche nach Software geht weiter. "Wir gehen ständig die Stores durch, aber die Angebote für VR-Brillen im Allgemeinen und die kaufmännische Ausbildung im Besonderen sind noch sehr mager." Alles in allem hat er den Eindruck, dass der Fachbereich jede Woche einen Schritt weiterkommt.

Seit dem Start im Sommer 2016 haben drei kaufmännische Klassen praktische Erfahrungen mit den VR-Brillen gesammelt. "Die Auszubildenden, aber auch die Lehrer waren total begeistert", so Detlef Steppuhn. Ihm zufolge lernen die Schüler mithilfe der VR-Brille viel intensiver, "weil kein anderes Lernmedium so viele Sinne anspricht". Das bedeute aber nicht, dass sie nun überall und ständig verwendet wird. Digitale Technologien sollen nur dort eingesetzt werden, wo sie den Lernprozess verbessern und den Unterricht auf eine höhere Qualitätsebene heben. "Das ist im Bereich Arbeitsplatzgestaltung eindeutig der Fall."

Text: Bernd Lorenz
Foto: © Monika Nonnenmacher

Text: / handwerksblatt.de

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