Die Anlagenmechaniker SHK an der Oskar-von-Miller-Schule nutzen die eLove-App auf Laptop und Smartphone , um sich die Inhalte des ersten Ausbildungsjahres anzueignen.

Die Anlagenmechaniker SHK an der Oskar-von-Miller-Schule nutzen die eLove-App auf Laptop und Smartphone , um sich die Inhalte des ersten Ausbildungsjahres anzueignen. (Foto: © Karsten Socher)

Liebevoll unterstützt von der eLove-App

Die Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik der Oskar-von-Miller-Schule in Kassel sollen mit der eLove-App möglichst selbstständig lernen. Nicht jeder Azubi freut sich darüber.

Vorne redet einer zwei Stunden. Die anderen hören unbeteiligt zu. Das ist Pädagogik von gestern. Die Oskar-von-Miller-Schule in Kassel setzt auf ein moderneres Konzept: selbstgesteuertes Lernen. Dabei nehmen sich die Lehrer zurück. Sie begleiten ihre Schüler wie ein Coach, lenken sie in Bahnen, geben ihnen Anstöße. Unterstützt werden sie dabei von digitalen Medien.

Das Projekt "LOVE VET"Im Rahmen eines EU-geförderten, internationalen Projekts mit Partnern aus Finnland, Österreich, den Niederlanden und Deutschland ist unter anderem eine Webapplikation für die Grundstufe der SHK-Anlagenmechaniker entwickelt worden – die eLove-App. "Dieses Werkzeug soll den Auszubildenden eine Struktur geben, welche Aufgaben sie zu bearbeiten haben, um bestimmte Kompetenzen zu erreichen", erklärt Oberstudienrat Dieter Holstein, der das Projekt LOVE VET (das englische Akronym steht für "lebensbegleitende, ergebnisorientierte Berufsausbildung durch eine neue Lehr- und Lernkultur") an der Oskar-von-Miller-Schule koordiniert.

Alle eLove-Inhalte online hinterlegt

Bevor die Auszubildenden auf dem Smartphone, Tablet oder Notebook mit der App loslegen können, ist von den Lehrern einiges an Vorarbeit zu leisten. "Unser Team berät darüber, welche Unterrichtsmaterialien und Aufgaben, die für den Kompetenzerwerb in den einzelnen Lernfeldern gebraucht werden, wir einstellen", so Holstein. Alle Daten sind auf der Lernplattform Moodle abgelegt. Von dort können sie den Auszubildenden über die eLove-App zur Verfügung gestellt werden. "Die App ist quasi die sichtbare, vereinfachte Oberfläche von Moodle", erläutert der Berufsschullehrer den technischen Hintergrund. Sie ließe sich auch mit einem Online-Berichtsheft oder einem ePortfolio wie Mahara erweitern.

Digitale und klassische Medien kombiniert

Die SHK-Anlagenmechaniker-Azubis werden blockweise an der Oskar-von-Miller-Schule unterrichtet. Zu Anfang der Woche stellt ihnen der Fachlehrer das Thema vor und hält einen kurzen Impulsvortrag. Danach geht es an die schuleigenen Laptops. Von ihrem Lehrer bekommen die Schüler einen Weblink, der sie zu den Aufgaben führt. Antworten finden sie entweder in den digital bereitgestellten Materialien, im Internet oder in Fach- und Tabellenbüchern. Ihre Lösungen können die Schüler in ein Textverarbeitungsprogramm eintragen oder ihre handschriftlichen Notizen mit dem Smartphone fotografieren.

Die fertiggestellten Aufgaben laden sie – mitsamt Fotos oder selbst erstellten Videos – in ein Cloudsystem hoch. Es dient auch als Archiv, auf das die Azubis rund um die Uhr zugreifen können. Über einen Weblink kommen die Lehrer an die Arbeiten in der Cloud und können sie sofort kontrollieren. Ein grüner Button zeigt den Auszubildenden an, dass die Ergebnisse stimmen. Ist der Button rot, sollten die Aufgaben noch einmal überarbeitet werden. Der Lehrer kann kommentieren, an welcher Stelle es noch hakt. Am Ende der Woche führen zwei Lehrer mit jedem Schüler ein bis zu zehnminütiges Feedbackgespräch.

"Die eLove-App hilft uns dabei, den Schülern schnell eine Rückmeldung zu geben, so dass sie ihre Fehler gleich korrigieren können", lobt Holstein die Flexibilität des digitalen Mediums. Doch nicht jeder nimmt die Hilfe gerne an. Ein Drittel der Azubis fühlt sich gegängelt, "weil man jederzeit beobachten kann, was sie machen und die Lernergebnisse für den Lehrer transparent sind".

Die neue Lern- und Lehrkultur bringt aber auch Veränderungen für die Lehrkräfte mit sich. Im IT-Bereich veraltet das Wissen schnell. Schüler sind mitunter auf dem neueren Stand. "Wir müssen uns auch eingestehen können, dass wir etwas nicht gleich im Detail wissen und dies den Schülern bald nachreichen oder gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen."

Positive Bewertung der SHK-Ausbildungsbetriebe  

Die Fachinnung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Kassel tauscht sich regelmäßig mit der Oskar-von-Miller-Schule aus. Obermeister Uwe Loth ist in die Nutzung der eLove-App eingebunden. Er und die meisten seiner Kollegen bewerten sie "durchaus positiv". Die Lernortkooperation könnte dadurch verbessert werden. Im betrieblichen Alltag stößt die Arbeit mit der App zurzeit noch an ihre Grenzen. "Die Unterrichtsinhalte der Berufsschule und der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung passen selten zu den aktuellen Kundenaufträgen", erklärt der Geschäftsführer der Erhard Loth & Sohn GmbH.

Er könnte sich aber gut vorstellen, dass die Innung – ergänzend zum Berufsschulstoff – praktische Aufgaben formuliert. Uwe Loth ist überzeugt davon, dass digitale Medien das Handwerk bei der Nachwuchsakquise nach vorne bringen. "Das Lernen und Arbeiten mit Apps, Smartphones und Tablets passt zur jungen Generation. Den technik-affinen Leuten macht es Spaß, es wertet unseren Beruf auf und macht ihn attraktiver." 

Text: / handwerksblatt.de

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