(Foto: © totalpics/123RF.com)

Fachkräfte der süßen Verführung

Am 1. August wird der Speiseeishersteller von einem neuen Ausbildungsberuf abgelöst. Der Umgang mit Kunden und die spätere Selbstständigkeit spielen eine größere Rolle.

Eis gibt es für jeden Geschmack: Während konservative Naschkatzen eher eine Kugel Schoko, Vanille oder Erdbeere schlecken, wagen sich Experimentierfreudige auch an die Sorten Birne mit Parmesan, Honig-Joghurt mit Sesam und Kürbis heran. Egal ob klassisch oder extravagant – die Herstellung von Speiseeis verlangt viel handwerkliches Geschick und Fingerspitzengefühl.

Doch auch Kenntnisse im Umgang mit Kunden sind in den Eisdielen und Cafés gefragt. Beides findet sich in der neuen Ausbildungsordnung zur Fachkraft für Speiseeis wieder. Sie tritt am 1. August in Kraft. Die Ausbildung in diesem Handwerksberuf dauert drei Jahre. Zuvor hatte man mit dem Speiseeishersteller lange Zeit eine zweijährige Ausbildung erprobt. Ihre Testphase endet am 31. Juli.

Im dritten Jahr wird's süß und cremig

Die Inhalte der beiden ersten Ausbildungsjahre des neuen Berufes entsprechen überwiegend dem Abschluss zur Fachkraft im Gastgewerbe, sind jedoch auf die Tätigkeit in Eisdielen und Cafés anzuwenden. "Die Inhalte wurden für die Fachkraft für Speiseeis an ganz wenigen Stellen ergänzt und ausdifferenziert", erklärt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Im dritten Lehrjahr beschäftigen sich die Azubis mit dem handwerklichen Part der süßen Kunst. Die angehenden Fachkräfte für Speiseeis erwarten im Vergleich zu den Speiseeisherstellern zwei wichtige Neuerungen. "Es werden mehr Kenntnisse im Umgang mit Kunden verlangt und erste kaufmännische Grundlagen schon mit Blick auf eine mögliche spätere Selbstständigkeit gelegt", so Bretschneider. Letzteres wird im Umfang von zehn Wochen im dritten Lehrjahr vermittelt.

Die wenigen Azubis sind über ganze Republik verstreut

Insgesamt 27 Auszubildende zum Speiseeishersteller listet die Datenbank des Zentralverbands des Deutschen Handwerks für das Jahr 2012 auf – 14 im ersten, 13 im zweiten Lehrjahr. Weitere 24, die derzeit noch in der Zuständigkeit der Industrie- und Handelskammern ausgebildet werden, kommen hinzu. Ab August wird der Beruf dann zu einem reinen Handwerksberuf. Die meisten Auszubildenden kommen aus NRW, Baden-Württemberg und Bremen.

"Ansonsten sind sie über die ganze Republik verstreut", sagt Bretschneider, der die Erprobung des Speiseeisherstellers evaluiert hat. Die geringen Lehrlingszahlen erschweren die Beschulung. "Kommen genug Auszubildende zusammen, kann wie in Mannheim eine Fachklasse gebildet werden. Ansonsten wurden die Speiseeishersteller bislang zusammen mit den Konditoren unterrichtet." Durch die geänderte Ausrichtung des neuen Berufs werden die angehenden Fachkräfte für Speiseeis künftig in den ersten beiden Jahren eine Berufsschule mit gastronomischem Schwerpunkt besuchen.

Fortbildungschancen nach bestandener Prüfung

Die Zwischenprüfung steht nach zwei Jahren an und wird – wie auch die Abschlussprüfung – von der Handwerkskammer abgenommen. "Die Inhalte decken sich mit denen der Fachkraft im Gastgewerbe, aufgrund der spezifischen Gegebenheiten in Eisdielen und Cafés wird mit der bestandenen Prüfung aber nicht automatisch der IHK-Abschluss erworben", sagt Markus Bretschneider. Andererseits können die Absolventen der zweijährigen IHK-Ausbildung noch ein Jahr dranhängen und sich zur Fachkraft für Speiseeis ausbilden lassen – "hierzu müssen sie dann einen Ausbildungsbetrieb finden, in dem sie die Ausbildung fortsetzen". Nach der Gesellenprüfung können die Fachkräfte für Speiseeis weitere Sprossen der Karriereleiter erklimmen und sich zum Verkaufsleiter im Nahrungsmittelhandwerk, Hotelmeister oder Restaurantmeister fortbilden.

Ausbildungsordnung ist bis zum Jahr 2019 befristet

Die neue Ausbildungsordnung ist zunächst befristet. Im Jahr 2019 soll Bilanz gezogen werden, ob der Beruf die Erwartungen der Ausbildungsbeteiligten erfüllt. Das war beim Speiseeishersteller nicht der Fall. "Hier war man von 400 bis 500 Ausbildungsverträgen pro Jahr ausgegangen, tatsächlich waren es dann 30 bis 40", so Bretschneider. Bei den Fachkräften für Speiseeis liegt die Latte deutlich niedriger. Mindestens 100 neue Lehrverträge pro Jahr sollen spätestens 2019 abgeschlossen werden. "Wir hoffen, dass die neue Ausbildungsordnung den Beruf attraktiver und anschlussfähiger für den Arbeitsmarkt macht."

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: