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Engagieren sich für die Junioren des Handwerks: Mario Heinemann und Michael Grabacz. (Foto: © Peter Leßmann)

Nachwuchs für das Ehrenamt

Michael Grabacz und Mario Heinemann sprechen mit dem DHB über Aufgaben und Ziele der Handwerksjunioren.

Die Junioren des Handwerks in Münster feiern 2019 ihr 50-jähriges Jubiläum und sind seit 2016 ein eigenständiger Verein. Michael Grabacz (35) ist Geschäftsführer im väterlichen Betrieb für Zerspanungstechnik und Metallbearbeitung. Er ist seit der Vereinsgründung stellvertretender Vorsitzender und designierter Vorsitzender. Mario Heinemann (35) ist Unternehmensberater bei der Handwerkskammer Münster und Geschäftsführer der Junioren im Kammerbezirk Münster.


DHB: Warum sind Sie Handwerksjunior geworden?
Grabacz: Ich arbeite im väterlichen Betrieb. Als ich in den Betrieb eingetreten bin, konnte ich mich mit kaum jemandem austauschen. In meinem Freundeskreis sind alle Arbeitnehmer. Mit ihnen konnte ich meine Probleme als Arbeitgeber nicht so gut besprechen. Deswegen habe ich andere Unternehmer und Führungskräfte für den Austausch gesucht, die ähnlich gelagerte berufliche Probleme haben wie ich. Die habe ich bei den Handwerksjunioren gefunden.

DHB: Wie haben Sie von den Handwerkjunioren erfahren?
Grabacz: Bevor der Verein gegründet wurde, hatte ich über die Unternehmensberatung der Kammer Münster schon mal von den Handwerksjunioren gehört. Ich war vorher schon länger bei den Wirtschaftsjunioren. Das ist das Pendant der Handwerksjunioren bei der Industrie- und Handelskammer. Da fühlte ich mich als Handwerksbetrieb aber nicht wirklich richtig aufgehoben. Deswegen habe ich es mit den Junioren des Handwerks probiert. Als dann der Verein gegründet werden sollte, hat Mario Heinemann mich gefragt, ob ich mich nicht im Vorstand engagieren wolle. Da habe ich direkt zugesagt.

DHB: Wie viele Mitglieder haben Sie derzeit?
Heinemann: Aktuell sind es 68.

DHB: Gibt es Gewerke, die besonders viele Junioren stellen?
Heinemann: Es ist bunt gemischt, würde ich sagen. Metall ist vielleicht ein bisschen stärker.
Grabacz: Davon sind aber auch entsprechend viele Betriebe bei der Handwerkskammer angemeldet. Ich glaube, wir haben einen repräsentativen Schnitt.
Heinemann: Mich freut es besonders, dass wir es in Münster geschafft haben, viele starke junge Frauen für die Handwerksjunioren zu gewinnen. Das gilt auch für den Vorstand: Aktuell haben wir hier eine Frau und für den kommenden Vorstand voraussichtlich drei Frauen. Es war in der Vergangenheit auch nicht immer so, dass sich so viele junge Unternehmerinnen oder weibliche Führungskräfte in einem Netzwerk wie den Junioren des Handwerks engagieren. Wir sind schon stolz drauf, dass wir eine so gute Mischung haben und nicht zu männerdominiert sind.

DHB: Wie viel Zeit kostet Sie Ihr Ehrenamt bei den Junioren?
Grabacz: Ich schätze, etwa zehn bis fünfzehn Tage sind das schon im Jahr. Das ist die Zeit, die ich als Vorstandsmitglied aufwende, um vor Ort zu sein.
Heinemann: Wir sind nicht nur im Ortsverband, sondern auch auf Landes- und auf Bundesebene aktiv. Da muss man natürlich abwägen, wie man sich engagiert und wer zu bestimmten Veranstaltungen hinfährt. Wir wollen ja auch wahrgenommen werden und unsere Interessen vertreten. Da gibt es schon ab und zu zweitägige, manchmal auch dreitägige Termine. Da kommt schon was zusammen.

DHB: Haben die Handwerksjunioren auch eine Netzwerkfunktion für Ihren eigenen Betrieb, können Sie Aufträge generieren oder sich gegenseitig aushelfen?
Grabacz: Teilweise. Aber das war nicht die Hauptintention, mich den Handwerksjunioren anzuschließen. Was ich viel wichtiger finde, ist, dass wir teilweise auch Mitbewerber in den Reihen der Junioren haben, mit denen ich mich austauschen kann. Hier geht es dann eher um Hilfestellungen und Ratschläge, wenn im Betrieb mal etwas nicht so gut funktioniert.

DHB: Da kommt kein Konkurrenzdenken auf?
Grabacz: Nein, zum Glück gar nicht. Wir informieren uns eher gegenseitig, das ist ein gutes Miteinander. In meinem Fall ist der Betrieb meines Mitbewerbers bei den Handwerksjunioren direkt neben unserem gelegen. Wir kooperieren jetzt deutlich mehr als vor meiner Zeit bei den Junioren.

DHB: Welches Interesse hat denn die Kammer an den Handwerksjunioren? Warum ist es für die Kammer wichtig, Handwerksjunioren zu gewinnen?
Heinemann: Ein Ziel ist natürlich, junge Unternehmer an das Ehrenamt heranzuführen. Es ist im Interesse der Kammer und des ganzen Handwerks, für Nachwuchs zu sorgen. Ich glaube, es wurde – nicht nur hier, sondern generell in vielen Kammern – erkannt, dass für den Nachwuchs mehr getan werden muss. Wir stehen als Organisation auch dahinter und haben die Handwerksjunioren bei ihrer Vereinsgründung unterstützt, auch finanziell. Zusätzlich bekommt das junge Handwerk eine Plattform, um Themen anzusprechen, die es bewegt.


DHB: Was muss ein Unternehmer mitbringen, der auch Handwerksjunior werden will?
Heinemann: Zuallererst eine gewisse Offenheit. Wir sind ein Netzwerk und das bringt es für jeden Einzelnen nur etwas, wenn er sowohl etwas rausnimmt als auch etwas reinbringt. Da muss schon die Lust vorhanden sein, sich mit anderen auszutauschen. Wir bieten ein breites Programm an, es ist nicht verpflichtend, dass man überall hinkommt. Es wäre natürlich schon schön, wenn ein Mitglied wenigstens zu zwei Veranstaltungen im Jahr dazukommt. Unser wichtigstes Kriterium bleibt aber wirklich das Interesse am Austausch.

DHB: Es wird ja oft geklagt, dem Ehrenamt fehle der Nachwuchs. Wie ist jetzt Ihr Eindruck, speziell was junge Unternehmer betrifft?
Grabacz: Es ist schwierig. Wir sprechen hauptsächlich Unternehmer und Führungskräfte an. Die haben kaum Zeit für ein Ehrenamt, wenn sie relativ jung sind und noch nicht so lange im Geschäft sind. Da braucht es meistens jemanden, der den Betrieb dann auch mal leiten kann, wenn man mal so einen halben Nachmittag mit den Handwerksjunioren beschäftigt ist. Als jüngerer Mensch ist man vielleicht eher der Meinung, dass der Betrieb den Bach runtergeht, wenn man einen halben Tag fehlt. Da fehlt dann die Gelassenheit, wenn niemand da ist, der den Betrieb vertretungsweise leiten kann.
Heinemann: Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Ich spreche die Unternehmer an, auch die jungen. Viele haben Interesse und würden sich auch gerne engagieren, aber es fehlt oft die Zeit. Ich denke auch nicht, dass das eine Ausrede ist. Man muss immer auch bedenken: Die meisten haben oder gründen eine Familie und stehen zusätzlich im Betrieb vor Herausforderungen. Da ist es dann schon sehr schwer, die Dinge unter einen Hut zu bringen.

DHB: Wenn man mit den Handwerksjunioren über mehrere Jahre zu tun hat, merkt man dann, dass sie eher ins Ehrenamt reinwachsen als junge Handwerker, die sich nicht bei den Handwerksjunioren engagieren?
Heinemann: Ich habe das nicht statistisch, aber wenn man mal in unserem Haus guckt, unser Kammerpräsident Hans Hund oder Vizepräsident Josef Trendelkamp waren beide bei den Junioren. Er war da auch sehr engagiert auf Landes- und Bundesebene. Das hat ihn auf dem Weg in der Handwerksorganisation weitergebracht. An Zahlen können wir es nicht genau bemessen, aber ich würde schon sagen, dass ein Engagement bei den Handwerksjunioren junge Handwerker stärker an das Ehrenamt heranführt.

DHB: Stichwort Politik. Handwerkskammern sind ja stark in der Interessenvertretung. Was bewegt denn die Handwerksjunioren?
Grabacz: Wir versuchen zunächst für den neu gegründeten Verein Mitglieder zu gewinnen, um in Zukunft mal auf regionaler Ebene ein Sprachrohr zu sein, das gehört wird. Dass die Handwerksjunioren jetzt politisch vorpreschen, ist eher nicht gewollt bei uns. Das übernimmt dann der Landes- oder der Bundesverband, darüber bringen wir uns dann ein.
Heinemann: Im jungen Handwerk ist das Thema Fachkräftemangel genauso aktuell wie im gesamten Handwerk. Wo bekomme ich Auszubildende her? Wo bekomme ich Fachkräfte her? Wie kann ich meinen Betrieb attraktiver für solche Zielgruppen machen? Was gibt es da für Unterstützungsmöglichkeiten? Ein anderes Thema, das ich sehe, ist die Flüchtlings- und die Asylverfahrensproblematik. Das ist ein sehr politisches Thema. Es gibt noch viele weitere Themen, aber in der aktuellen Phase, in der sich der Verein befindet, fordern wir von unserer Seite eher weniger bestimmte Dinge von der Politik ein.

DHB: Können Sie eine Bilanz ziehen, was Sie bisher geschafft haben? Sie sind ja jetzt schon über ein Jahr dabei als stellvertretender Vorsitzender.
Grabacz: Wir haben sehr viele neue Mitglieder gewonnen und diejenigen reaktiviert, die noch mitmachen wollten. Seit der Gründung des Vereins sind die Handwerksjunioren insgesamt deutlich aktiver geworden.

DHB: Welche Ziele haben Sie für die Zukunft bei den Junioren?
Grabacz: Ich möchte denen, die noch nicht dabei sind, das ermöglichen, was die Handwerksjunioren mir ermöglicht haben. Ich möchte, dass viel mehr Leute von den Handwerksjunioren erfahren.
Heinemann: Ein konkretes Ziel ist, nach fünf Jahren um die 100 aktive Mitglieder zu haben. Da sehen wir uns eigentlich auf einem ganz guten Weg. Wir haben jetzt nach zwei Jahren schon knapp die 70. Wir haben in diesen zwei Jahren viel bewegt, um auf uns aufmerksam zu machen.

DHB: Welche Veranstaltungen gibt es jetzt schon, und was planen Sie für die Zukunft?
Heinemann: Im September haben wir ein Fußballturnier ausgerichtet. Das war eine tolle Aktion. Wir haben gemeinsam Sport getrieben. Hinterher dann auch noch ein Bier getrunken und uns ausgetauscht. Wir haben in Papenburg hier in der Nähe die Meyer Werft, da wollen wir ein Familienevent organisieren und uns die Produktion der Aida in der Endphase anschauen. Beim Stadtfest in Münster sind wir immer vertreten, um für das Handwerk zu werben. Ganz wichtig wird im nächsten Jahr die Mitgliederversammlung, wo auch die neuen Vorstandwahlen stattfinden werden. Wir haben Erfahrungsgruppen aufgebaut, um die Unternehmer auf etwas lokalerer Ebene zusammenbringen. Da gibt es jetzt aktuell drei Gruppen, die aus acht bis zehn Teilnehmern von bis zu acht Unternehmen bestehen. Sie treffen sich dreimal im Jahr. Jeder ist einmal Gastgeber und stellt seinen Betrieb und seinen Werdegang vor. Dann wird ein spezielles Thema des Gastgebers und allgemein über andere Themen diskutiert. Diese Treffen finden abends statt und dauern rund drei Stunden. Darüber vernetzt sich diese Gruppe sehr gut. Das ist hauptsächlich gerichtet an Betriebe, die neu in dieses Netzwerk kommen. Etwas weiter in der Zukunft liegt noch unser 50. Jubiläum. Wir planen, in 2019 das jährliche Treffen des Bundesverbands auszurichten. Das wollen wir uns als Highlight setzen.

Das Interview führte Lars Otten
Foto: © Peter Leßmann

Text: / handwerksblatt.de

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