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Schluss mit der "Soka-Abzocke"

Thomas Fieber hat die Faxen dicke. Über Facebook macht der Fliesenlegermeister aus Niedersachsen mobil gegen die Ausbildungsabgabe der Soka-Bau. Die Zahl seiner Mitstreiter wächst und wächst.

Mal eben 900 Euro zahlen?! Das ist für Fliesenlegermeister Thomas Fieber viel Geld. Ihm stinkt es, dass er neben etlichen Steuern und Beiträgen als Solo-Selbstständiger bald auch noch für die Berufsausbildung am Bau blechen soll. "Abzockerei" nennt er das. Und der Abzocker hat für ihn auch einen Namen: die Sozialkasse der Bauwirtschaft, kurz Soka-Bau.

Sie hat die Solo-Selbstständigen, und dabei besonders die Fliesenleger ins Visier genommen. Dass nun auch sie bluten müssen, ist für Thomas Fieber leicht zu erklären. Der Soka-Bau fehle Geld. Das Geld fehle ihr, weil es kaum noch beschäftigte Fliesenleger gibt, für die Beiträge bezahlt werden müssen. Der Grund dafür: die Novelle der Handwerksordnung im Jahr 2004. Seitdem kann sich jeder als Fliesenleger selbstständig machen. Und so ist es auch geschehen. Die Konsequenzen: viel Billigkonkurrenz, hoher Preisdruck, weniger Beschäftigte, weniger Auszubildende.

Keinen Cent für die Soka-Bau

Was die Väter der Handwerksnovelle verbockt haben, will Thomas Fieber nun nicht ausbaden. Er wird der Soka-Bau keinen Cent zahlen. "Ich habe mit eurem Verein nichts am Hut, keine Verträge und nichts unterschrieben", bloggt der Betriebsinhaber in seinem Internetauftritt. Doch er schimpft nicht nur wie viele andere. Der Mann aus dem niedersächsischen Bodenfelde handelt auch.

Mitte Juli hat Thomas Fieber auf Facebook zusammen mit drei Kollegen die geschlossene  Gruppe "Handwerker gegen SOKA Willkür 2015" gegründet. Die dort platzierten Infos können nur Mitglieder lesen. Über 1.400 Handwerker sind bis Ende Juli schon zusammengekommen. Weitere Einzelunternehmer sollen folgen. Mit der öffentlichen Fanseite "Solo Handwerker gegen Soka-Bau Willkür" wird der Aufruf zum Widerstand im Netz breiter gestreut.

Warum sich die Solo-Selbstständigen gegen die Abgabe wehren

Bis Mitte August will Thomas Fieber warten. Dann wird er sehen, wie viele Mitstreiter hinter ihm stehen. "2.000 Leute wollen wir bis dahin zusammenkriegen", hat er sich zum Ziel gesetzt. "Von ihnen kann jeder vorschlagen, was wir gegen die Ausbildungsabgabe der Soka-Bau unternehmen wollen." Denkbar sei etwa, eine Petition an den Bundestag zu schicken oder einen Verein für Kleinunternehmer zu gründen, der künftig mit am Tisch der Tarifverhandlungen sitzt. Juristisches Know-how ist bereits vorhanden. Zwei Rechtsanwälte haben sich der Facebook-Gruppe angeschlossen.

Doch die Aussichten auf Erfolg sind mager. Anfang Juli hat das Bundesarbeitsministerium den Tarifvertrag des Baugewerbes für allgemeinverbindlich erklärt. Zudem wurde die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge von 2012 und 2013 durch das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg bestätigt. Thomas Fieber will trotzdem kämpfen. "Wenn wir nichts unternehmen, dann werden weiterhin Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg gefällt."

Bauhandwerksverband klärt auf

Harald Schröer hat sich an die Aufregung um die Ausbildungsabgabe schon gewöhnt. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes telefoniert in letzter Zeit öfter mit verunsicherten Einzelunternehmern. "Ich nehme mir dann viel Zeit, um ihnen zu erklären, warum wir diese Abgabe erheben", erklärt er. "Am Ende des Gesprächs ernte ich dann eigentlich immer viel Verständnis." So habe er kürzlich einen Fliesenleger beruhigen können, der durch eine Langzeiterkrankungen in diesem Jahr noch keinen Umsatz gemacht hat. Schröer: "Er muss natürlich für diese Monate der Erkrankung keine Berufsbildungsabgabe zahlen."

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Text: / handwerksblatt.de

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