Dr. Reinhard Pfeiffer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, Messe München GmbH.

Dr. Reinhard Pfeiffer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, Messe München GmbH. (Foto: © Messe München)

"BAU 2021 kann Impulsgeber für die Branche sein"

Mit einem Vorlauf von einem halben Jahr schaut die Messe München zuversichtlich auf eine Durchführung der BAU 2021. Trotz einiger Absagen auf Ausstellerseite gibt es bereits jetzt eine Flächenbuchung wie vor zwei Jahren.

Das Deutsche Handwerksblatt (DHB) hat mit Dr. Reinhard Pfeiffer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, Messe München GmbH, gesprochen.

DHB: Bedingt durch die Corona-Pandemie gab es in diesem Jahr zahlreiche Absagen wichtiger und zentraler Messen für das Handwerk. Für die Durchführung der BAU, die Anfang 2021 stattfinden soll, setzen Sie aktuell positive Akzente. Für wie wahrscheinlich halten Sie die Prognose, dass die BAU 2021 stattfindet?
Dr. Pfeiffer: Da bin ich sehr zuversichtlich. Schließlich ist es noch ein knappes halbes Jahr bis zur BAU. Und so wie wir nach fast fünf Monaten Corona-Einschränkungen wieder in Restaurants gehen oder auch Urlaub machen, wollen in sechs Monaten sich Menschen wieder begegnen und austauschen – gute Voraussetzungen für eine Messe. Zu den Absagen: Leider wird das ein oder andere Unternehmen im kommenden Jahr nicht dabei sein. Aber es gibt erfreulich viele neue Aussteller, die zur BAU 2021 bestätigt haben oder auch Wiederkehrer, die schon länger nicht mehr bei uns waren. Wir hatten z.B. noch nie eine so hohe Flächennachfrage von Ausstellern aus dem europäischen Ausland. Über 1.000 Aussteller haben bei der BAU zum jetzigen Zeitpunkt fest gebucht und vertrauen darauf, dass die Messe stattfindet.

DHB: Zahlreiche Verbände und Unternehmen setzen sich aktiv für eine Durchführung der BAU ein. Was sind die Beweggründe?
Dr. Pfeiffer: Zunächst einmal ist die BAU alle zwei Jahre die unumstrittene Plattform der Branche, auf der man sich trifft, austauscht und die neuesten Trends und Innovationen präsentiert bekommt. Darüber hinaus wissen die Industrievertreter, dass die BAU einen wichtigen Impuls für die Branche geben kann und wird, die wohl erst im kommenden Jahr nachgelagert die Auswirkungen der Corona-Pandemie vollumfänglich zu spüren bekommt. Insofern ist es nun essenziell, dass die Branche sich auf der BAU 2021 präsentiert und zeigt, dass sie da und bereit für die Zukunft ist.

DHB: Neben den Verbänden und Baustoffherstellern sind es vor allem auch BAU-ITUnternehmen, die signalisiert haben, dass sie als Aussteller dabei sein werden. Wie wichtig ist das Thema Digitalisierung auf der BAU?
Dr. Pfeiffer: In der Baubranche wird die Digitalisierung immer wichtiger und nimmt inzwischen einen nicht unerheblichen Stellenwert ein - sie hat sogar einen Schub durch die Corona Krise bekommen. Auf der BAU wird vor allem in der Halle C5 die Digitalisierung in der Baubranche gezeigt, aber auch in anderen Bereichen präsentieren Firmen neben ihren herkömmlichen auch zahlreiche digitalisierte Produkte. Wie wichtig die Digitalisierung für diese Branche ist, zeigt auch der Erfolg der digitalBAU, die für das Jahr 2022 eine Verdoppelung in der Fläche gegenüber diesem Jahr anstrebt.

DHB: Aus Sicherheitsgründen wird es dicht gedrängte Menschenansammlungen wie in den Vorjahren auf der BAU 2021 voraussichtlich nicht geben. Wie sieht ihr Sicherheitskonzept aus und gibt es Planungen, wie Besucherströme geleitet werden?
Dr. Pfeiffer: Das ist tatsächlich so nicht notwendig. Schon auf Basis des aktuellen Schutz- und Hygienekonzeptes, das die Wiederaufnahme von Messen in Bayern ab dem 1. September ermöglicht, ist die gesamte Bruttofläche des genutzten Veranstaltungsgeländes die relevante Messegröße für die Besucherzahl. Die Bruttofläche bei einer BAU liegt über 300.000 m², d.h. wir könnten schon Stand jetzt pro Tag und bei Vorgabe von einer Person pro 10 m² schon 30.000 Besucher gemäß den Vorgaben passend abbilden. Wir gehen zudem davon aus, dass es bis zur BAU genau wie in der Gastronomie und im Einzelhandel zu Lockerungen kommen wird. Hier darf ich nochmals betonen, dass es bis zur Messe hin noch ein halbes Jahr ist. Aktuell ist es nicht erforderlich, dass z.B. Gänge verändert oder verbreitert werden müssten. Auch die Standbauten unserer Aussteller müssen nur insofern angepasst werden, dass dort vor allem beim Catering – vergleichbar zur Gastronomie – die Abstände und die Hygieneregeln passend eingehalten werden. Die Messe München berät hier die Aussteller gerne. Wir werden in den Hallen „Meeting Areas“ und „Meeting Points“ schaffen. Dort haben Aussteller dann zusätzliche, passende Möglichkeiten des Austauschs.

DHB: Das bisherige Denken der Superlative – und dafür steht die BAU im besten Sinne seit vielen Jahren mit Aussteller- und Besucherrekorden - muss durch die Coronakrise sicherlich relativiert werden. Eine BAU mit weniger Ausstellern und weniger Besuchern: Liegt hier evtl. auch eine Chance?
Dr. Pfeiffer: In gewisser Weise sicherlich, insbesondere für kleinere Unternehmen, Erstaussteller oder solche, die wieder dabei sind. Sie, genauso wie alle anderen Aussteller, die dabei sein werden, werden eine BAU 2021 in einer ganz besonderen Atmosphäre erleben. Vielleicht mit einer etwas ruhigeren, aber dafür umso entschlosseneren „jetzt erst recht Stimmung“, in der ausreichend Zeit für wichtige Gespräche und Netzwerken sein wird. Ich bin sicher, dass die BAU 2021 der Branche den entscheidenden Impuls geben wird, aus dieser speziellen Zeit geschlossen und gestärkt heraus zu kommen.

DHB: Die Baubranche blieb bislang noch im Vergleich zu anderen Branchen relativ verschont von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. Dennoch gab es auch hier Einbußen. Wie wichtig ist die Messeplattform BAU für das Handwerk gerade mit Blick auf die nächsten Jahre?
Dr. Pfeiffer: Aus meiner Sicht: Unersetzlich! Die BAU ist die Branchenplattform gerade auch für das Handwerk, zu dem alle zwei Jahre die wichtigsten Industrievertreter zusammenkommen. Darüber hinaus ist die BAU traditionell die Veranstaltung für die Trends und Neuheiten der Branche. Aber das wichtigste Argument für die BAU, speziell für die im kommenden Jahr, ist, dass sie der Impulsgeber für die Branche sein kann. Am Ende der Weltwirtschaftskrise 2008 hatten wir auch die Diskussionen, ob die BAU 2009 nicht zu früh kommt. Das Gegenteil war der Fall. Es herrschte eine regelrechte Aufbruchstimmung, mit der vorher so niemand gerechnet hätte.

Mehr zum Thema Bau 2021Lesen Sie auch "Wir sind dabei": Branchenverbände stehen hinter BAU 2021

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: