Manche Unternehmensentscheidung lässt sich nicht auf Anhieb finden. Unternehmensberaterin Kerstin Seidel erklärt eine Methode, mit der sich im Team passende Lösungen finden lassen: Design Thinking.

Manche Unternehmensentscheidung lässt sich nicht auf Anhieb fällen. Unternehmensberaterin Kerstin Seidel erklärt eine Methode, mit der sich im Team passende Lösungen finden lassen: Design Thinking. (Foto: © aimage/123RF.com)

Design Thinking: Komplexe Probleme schneller lösen

Mit Design Thinking lassen sich auch anspruchsvolle Aufgaben durchdenken und lösen, versprechen Experten wie Kerstin Seidel. Die Beraterin erklärt, wie das geht.

Gute Auszubildende finden, Geschäftsprozesse digitalisieren, neue Produkte oder Dienstleistungen entwickeln – solche Aufgaben treiben viele Betriebsinhaber um. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie anzugehen, einige Unternehmensberater schwören auf die Methode des Design Thinking. Sie schwärmen davon, wie dynamisch der Ansatz ist, wie schnell er zu Ergebnissen führt.

Konsequent aus der Sicht des Kunden denken

Das Charakteristische daran: Es wird konsequent aus Sicht des Kunden oder Nutzers gedacht. Was sind seine Wünsche oder Bedürfnisse? Von Anfang an fließen sie in den Entwicklungsprozess mit ein. Immer wieder werden das Produkt oder die Lösung auf Grundlage von Kundenrückmeldungen verfeinert und verbessert. Da dabei einzelne Schritte des gesamten Lösungsfindungsprozesses immer wieder durchlaufen werden können, nennt man die Methode auch "iterativ".

Kunden und Nutzer einbeziehen

Die Trainerin und Unternehmensberaterin Kerstin Seidel hat sich auf Design Thinking spezialisiert. Seit sie die Methode in den USA kennengelernt und erfahren hat, wie wirksam sie ist, zeigt sie deutschen Unternehmen in Workshops und Beratungen, wie diese Design Thinking für sich nutzen können.

Unter ihrer Anleitung haben Betriebe bereits auf diese Art ausgeklügelt, wie sich ihre Mitarbeiter auf den Baustellen gesünder ernähren können oder welches Softwaresystem für die Planung von Geschäftsprozessen das passende ist. Ende November bietet sie einen Tagesworkshop in der Handwerkskammer Trier an, um interessierte Betriebsinhaber an das Thema heranzuführen.

Eine pragmatische Methode

"Design Thinking ist eine sehr lösungsorientierte, pragmatische Methode", erklärt Kerstin Seidel. "Visuelles Denken ist die beste Umschreibung dafür." Komplexe Prozesse würden visuell dargestellt, dann würde mit Hilfe eines Methodenkoffers die Lösung denkerisch entwickelt. Das passiert in verschiedenen Schritten. 

Veranstaltung: "Design Thinking – Methode im agilen Arbeiten". Unternehmensberaterin und Coach Kerstin Seidel führt in die Arbeitsmethode ein, mit der Probleme oder Kundenbedürfnisse in kurzer Zeit erkannt und schnell Lösungen gefunden werden. Am 28. November, von 9 bis 16 Uhr, Handwerkskammer Trier.  

Zunächst werden Teams gebildet. Jedes Team sollte einen Querschnitt der Mitarbeiter beinhalten und aus nicht mehr als zehn bis zwölf Personen bestehen. Sie durchdenken das Problem oder die Fragestellung genau, werden sozusagen zu Experten dafür. Dazu holen sie möglichst viele Sachinformationen ein und befragen alle Beteiligten, beispielsweise Kunden, für die ein Produkt entwickelt werden soll, oder Mitarbeiter, die mit einer anzuschaffenden Software arbeiten sollen.

Die Bedürfnisse und Vorlieben des Nutzers verstehen

Die Teammitglieder versuchen, sich in die Rolle dieser Zielpersonen hineinzuversetzen: Was wünschen sie sich? Wie arbeiten sie? Sind alle Informationen eingeholt, geht es an die Phase der Ideenfindung. "Hier können Kreativitätstechniken wie Brainstorming oder Brainwriting eingesetzt werden", sagt Seidel. Im nächsten Schritt werden die Ideen bewertet: Welche passt am besten zu den Bedürfnissen des Nutzers oder Kunden? Welche lässt sich leicht und wirtschaftlich umsetzen?

Design Thinking ist ein Prozess mit v­erschiedenen Phasen. Je nach ­Rückmeldung kehrt man zu früheren Schritten zurück und durchläuft den Prozess erneut, bis die ­passende ­Lösung gefunden ist. Diese ­Vorgehensweise nennt sich iterativ. Foto: © marigranula/123RF.com
Design Thinking ist ein Prozess mit v­erschiedenen Phasen. Je nach ­Rückmeldung kehrt man zu früheren Schritten zurück und durchläuft den Prozess erneut, bis die ­passende ­Lösung gefunden ist. Diese ­Vorgehensweise nennt sich iterativ. Foto: © marigranula/123RF.com

Mit einfachen Mitteln baut das Team einen Prototyp der Idee. Das können mit Legosteinen versinnbildlichte Datenströme oder Kommunikationswege sein oder der Entwurf einer Stellenausschreibung. Bei dieser Bearbeitung mit den Händen fällt den Beteiligten meist schon auf, ob eine Idee etwas taugt. Sie erarbeiten sich damit buchstäblich noch einmal ein tieferes Verständnis des Problems. Zudem wird die Idee auf diese Weise schnell erlebbar gemacht und kann dem Kunden oder Nutzer zum Testen zur Verfügung gestellt werden. Anhand seiner Rückmeldung wird der Prototyp weiter verfeinert. Kann er gar nichts damit anfangen, kehrt das Design Thinking-Team zum Schritt der Ideenfindung zurück und durchläuft von dort aus erneut alle weiteren Phasen.

Fehler gehören zum Prozess

Die Vorteile: Lösungen werden nicht langwierig und teuer im stillen Kämmerlein entwickelt, um dann womöglich im Ergebnis zu scheitern, sondern immer wieder dem Praxistest unterzogen und so Schritt für Schritt verbessert. Das spart Zeit, Geld und Ressourcen. Auch fällt ein mögliches Scheitern nicht so sehr ins Gewicht, vielmehr gehört es bei dieser spielerischen Herangehensweise dazu, nicht sofort ein fertiges und perfektes Produkt oder Ergebnis zu liefern, sondern erst im Laufe des Verfahrens zu entwickeln.

Buchtipp: Falk Uebernickel et al.: Design Thinking: Das Handbuch; 240 Seiten, Frankfurter Allgemeine Buch, ISBN: 3956010655, 29,90 Euro. Das Buch gibt allen, die neugierig geworden sind, einen umfassenden Einblick in das Thema und kann im VH-Buchshop bestellt werden: Michael Sasse, Tel. 0211/ 39098-26, E-Mail: sasse@verlagsanstalt-handwerk.de.

In ihren Kursen arbeiten die Teilnehmer im Stehen, agil und dynamisch, erklärt Seidel. Geht sie als Beraterin in die Unternehmen, begleitet sie die Prozesse oft bis zur Umsetzung der Lösung. Viele, gerade kleine und mittlere Betriebe können für eine solche Beratung eine Förderung in Anspruch nehmen (siehe Kasten), auf die Kerstin Seidel ihre Kunden hinweist. "Es ist wichtig, sich bei einem komplexen Problem früh genug Gedanken zu machen und nicht sofort die schnelle Lösung zu wählen", rät die Expertin. Design Thinking sei dafür eine gute Methode.

 

Förderprogramm: Das Programm "Unternehmenswert: Mensch plus" richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Unternehmensabläufe digitalisieren wollen. Um die dazugehörigen Strategien und Konzepte zu entwickeln, fördert das Programm eine Prozessberatung. Gefördert werden zwölf Beratungstage, wobei 80 Prozent der Kosten übernommen werden. Der Beratungsprozess dauert etwa fünf bis sechs Monate. Um die passenden Lösungen für die Digitalisierung im Betrieb zu finden, kann die Design Thinking-Methode angewendet werden. Weitere Informationen zur Förderung gibt es auf der Website des Programms.

Text: / handwerksblatt.de

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