Das Dachdeckerhandwerk behauptet erneut seine Rolle als krisenfeste Sparte. Allerdings leiden die Betriebe unter stark steigenden Preisen, etwa für Bitumen - ein Bindemittel und Abdichtungsmaterial. (Foto: © AMH)

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Wie geht es der Baubranche und den Ausbaubetrieben?

Bau- und Ausbaubetriebe erholen sich langsam von schwierigen Jahren. Von einem Ende der Talsohle will die Branche noch nicht sprechen. Vor allem weil gerade die Preise für Bitumen, Zement, Kunststoffe und Diesel explodieren. Wie geht es den einzelnen Gewerken?

Die Bau- und Ausbauwirtschaft hat ein schwieriges Jahr 2025 hinter sich: Während sich die Umsätze langsam stabilisieren, erschweren außenwirtschaftliche Faktoren eine nachhaltige Erholung. "Wir blicken auf ein Jahr, in dem die zarten Erholungssignale des vergangenen Jahres jetzt auf eine neue Belastungsprobe von außen treffen. Der Umsatz hat sich stabilisiert, aber von einem Ende der Talsohle kann noch keine Rede sein", betont der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB), Marcus Nachbauer.

Im Frühjahr 2026 stuften nur noch 15 Prozent der Betriebe ihre Lage mit "gut" ein. Nach dem Boom-Jahr 2022 (43 Prozent) ging es stetig bergab. Knapp 39 Prozent sprechen aktuell von einer "befriedigenden" Lage und 46 Prozent sagen, die Lage sei "schlecht". Den schlechtesten Wert gab es im Hochbau.

Marcus Nachbauer Foto: © BVB Cornelis GollhardtMarcus Nachbauer Foto: © BVB Cornelis Gollhardt

Die in der Bundesvereinigung zusammengeschlossenen 370.000 Betriebe mit etwa 3,4 Millionen Beschäftigten erzielten 2025 einen Umsatz von rund 432 Milliarden Euro – ein leichtes - nicht inflationsbereinigtes - Plus von 0,8 Prozent. Getragen wurde diese Stabilisierung laut dem BVB vor allem von Preiseffekten. Die Zahl der Beschäftigten ging demografiebedingt um 1,4 Prozent auf rund 3,78 Millionen zurück.

Ausblick: Für 2026 erwartet die Branche einen Umsatz etwa auf Vorjahresniveau; die Beschäftigung dürfte um etwa 0,3 Prozent leicht sinken.

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Kaum geht es den Unternehmen etwas besser, spüren sie die geopolitischen Krisen mit voller Wucht. Seit Ende Februar haben der Nahost-Konflikt verbunden mit der Sperrung der Straße von Hormus die Energie- und Rohstoffmärkte erfasst. "Bitumen, Zement, Kunststoffe und Diesel sind binnen Wochen spürbar teurer geworden – gut drei Viertel der Betriebe melden höhere Materialpreise", so die Bundesvereinigung. Viele Betriebe erinnere das an den Preisschock bei Baumaterialien im Jahr 2022. 

Nachbauer: "In unserer Frühjahrsumfrage berichten 75,9 Prozent der Betriebe von gestiegenen Bitumenpreisen, 74,5 Prozent von höheren Beton- und Zementpreisen und 81,3 Prozent von teureren Kunststoffen." Mit der Folge, dass die Unternehmen die höheren Preise an ihre Kundschaft weitergeben müssen. 43 Prozent hätten schon Preisanpassungen veranlasst, 55,5 Prozent planen gerade Preiserhöhungen.

Wohnungsbau bleibt größte Baustelle

Besonders kritisch bewertet die Verbände die Entwicklung im Wohnungsbau. 2025 wurden lediglich rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt – der niedrigste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Dem steht ein jährlicher Bedarf von rund 400.000 Wohnungen gegenüber. "Der Wohnungsbau muss endlich wieder in Gang kommen", fordert Nachbauer. "Die Voraussetzungen dafür sind bekannt und müssen jetzt konsequent umgesetzt werden."

Wann zündet der Bau-Turbo? Der Bau-Turbo ist seit dem 30. Oktober 2025 in Kraft. Die BVB-Umfrage zeigt: Bei den Unternehmen sei er bisher nicht angekommen. Fehlende Personalkapazitäten in den Bauverwaltungen, unzureichende Digitalisierung der Genehmigungsprozesse und die anhaltende Haushaltsnot der Kommunen würden verhindern, dass das Gesetz seine Wirkung zügig entfaltet.

 

Die Bauwirtschaft fordert deshalb:

1. KfW-Förderung verlängern und ausbauen: Das Förderprogramm für das Standard-Effizienzhaus-55 in Kombination mit 100 Prozent erneuerbarer Wärme müsse über das geplante Ende hinaus verlängert und mit einem langfristig verlässlichen Zinssatz unterhalb des Marktniveaus ausgestattet werden, so die Bundesvereinigung Bauwirtschaft.

2. Den Bauüberhang mobilisieren: Es gehe um rund 453.000 genehmigte, aber noch nicht begonnenen Wohnungen. Die sollten durch zeitlich befristete Sonderkonditionen mobilisiert werden, etwa durch einen Zinsvorteil oder Zuschuss bei nachgewiesenem Baustart innerhalb einer definierten Frist. 

3. Sonder-AfA an den EH 55-Standard koppeln: Die bis 2029 befristete Sonder-AfA sollte laut der BVB an den EH 55-Standard gekoppelt werden, um vor allem den Mietwohnungsbau zu revitalisieren. Allein dadurch könnten jährlich rund 30.000 zusätzliche Wohnungen aus dem bestehenden Bauüberhang aktiviert werden, rechnet der Verband vor.

Infrastrukturinvestitionen beschleunigen 

Zudem fordert die Bauwirtschaft eine schnellere Umsetzung der angekündigten Infrastrukturinvestitionen. Von gut 37 geplanten Milliarden seien 2025 laut ifo-Institut nur 24 abgeflossen. "An Länder und Kommunen kein einziger Euro." Die Zehn-Prozent-Investitionsquote müsse im Vollzug erreicht werden. Nachbauer: "Gemessen an dem, was tatsächlich verbaut wird, nicht an Soll-Zahlen auf dem Papier." Es brauche eine verlässliche überjährige Finanzierung, etwa einen Verkehrsinfrastrukturfonds, und das Geld muss dort ankommen, wo der Investitionsstau am größten sei, also in den Kommunen.

Darüber hinaus fordert Marcus Nachbauer, das Infrastruktur-Zukunftsgesetz nicht zu verwässern: "Dass die Bundesregierung Straßen, Brücken, Schienen und weiteren technischen Infrastrukturprojekten ein überragendes öffentliches Interesse einräumen will, ist der richtige Hebel. Wenn nun aber auch Moore, Biotope oder Auen pauschal diesen Sonderstatus erhalten sollen, läuft der Beschleunigungseffekt für die Infrastruktur ins Leere."

Nachbauer: "Die Koalition hat versprochen, dass sich die Kräne drehen und die Bagger rollen. Straßen, Brücken und Bahnhöfe, Kindergärten und Schulen sollen endlich modernisiert werden. Wenn dieses Versprechen noch in dieser Legislaturperiode eingelöst werden soll, ist jetzt entschlossenes Handeln gefragt. Die Bauwirtschaft hat das Potenzial, dieses Land aus der Stagnation zu führen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die Aufgaben sind groß und sie dulden keinen Aufschub."

So geht es den einzelnen Branchen:

Bauhauptgewerbe:

Mit einem Umsatz von rund 146 Milliarden Euro stellt das Bauhauptgewerbe gemeinsam mit dem Garten- und Landschaftsbau etwa ein Drittel des Branchenumsatzes. Für 2026 wird mit leichten Rückgängen gerechnet.

Positiv entwickelt sich zuletzt die Auftragslage. Die durchschnittliche Reichweite der Auftragsbestände stieg auf 9,5 Monate. Im Wohnungsbau legten die Auftragspolster sogar um knapp 19 Prozent zu. Die daraus resultierenden Umsätze werden jedoch überwiegend erst ab 2027 wirksam.

Gebäudetechnik (SHK-Handwerk, Elektrohandwerk, Gebäudereiniger und Sonnenschutz): 

Die Gebäudetechnik bleibt mit rund 179 Milliarden Euro Umsatz die größte Sparte der Branche. Sie steht für rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes und beschäftigt etwa die Hälfte aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Während sich das Sanitär-, Heizungs- Klimahandwerk auf ein verhaltenes Jahr einstellt, sorgen Modernisierung und Energieeffizienz weiterhin für Stabilität. Das Elektrohandwerk und der Sonnenschutzbereich rechnen mit einer Stagnation. Unterstützend wirkt das Gebäudereiniger-Handwerk, das leicht wachsen dürfte

Dachdeckerhandwerk:

Das Dachdeckerhandwerk behauptet erneut seine Rolle als krisenfeste Sparte. Mit einem Umsatz von rund 13,5 Milliarden Euro profitiert es von der anhaltend hohen Nachfrage nach Reparatur-, Wartungs- und Sanierungsarbeiten und energetischen Modernisierungen. Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei der Ausbildung: Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse erreicht den höchsten Stand seit 2002. 

Garten- und Landschaftsbau:

Der Garten- und Landschaftsbau bleibt ein Stabilitätsanker der Branche und dürfte auch 2026 weiterwachsen. Impulse kommen vor allem aus Investitionen in die kommunale Klimaanpassung, etwa bei Schwammstadt-Konzepten (Klimaanpassung, Regenwassermanagement und Stadtgrün), sowie aus einem stabilen Privatkundengeschäft. 

Gerüstbau:

Angespannter bleibe die Lage im Gerüstbau. Der Verband berichtet von einem im Wesentlichen seitwärts gerichteten Geschäft; vor dem Hintergrund der gestiegenen Material- und Energiekosten und der schwachen Hochbaukonjunktur rechnen wir für 2026 mit einem leichten Umsatzrückgang. Die Gerüst- und Geräteauslastung bewegt sich weiter auf gedrücktem Niveau. 

Ausbaugewerke (unter anderem Stuckateure, Fliesenleger, Tischler und Maler): 

Die Ausbaugewerke erwirtschaften rund 107 Milliarden Euro Umsatz. Insgesamt bleibt die Entwicklung nahezu stabil, wenn auch mit leicht negativer Tendenz. Während das Tischlerhandwerk robuste Perspektiven meldet, belasten rückläufige Aufträge im Privatkundengeschäft die Erwartungen vieler Malerbetriebe.

Quelle: Bundesvereinigung Bauwirtschaft

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Text: / handwerksblatt.de

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