Foto: © alfexe/123RF.com
HWK Koblenz | Juli 2026
Stipendien: Gebäudeenergieberater
Bewerbungen für Teilnehmer aus dem Kreis Altenkirchen sind ab sofort möglich. Der Lehrgang beginnt am 4. September 2026.
Die Verbände appellieren gemeinsam an die Bundesregierung, Minijobs nicht schleichend unattraktiv zu machen. (Foto: © bartusp /123RF.com)
Vorlesen:
Juli 2026
Die Landesverbände des Handwerks, Handels und Gastgewerbes in Nordrhein-Westfalen fordern den Erhalt der Minijobs als flexible Beschäftigungsform.
Die von der Bundesregierung geplante Reform der Minijobs im Rahmen der Neuaufstellung des Rentensystems sorgt im Handwerk, Handel und Gastgewerbe für Unruhe. Die Rentenkommission hatte eine Abschaffung empfohlen und die Regierung kündigte zunächst an, alle Empfehlungen auch umsetzen zu wollen. Aktuell sollen Minijobs doch erhalten bleiben, unklar ist aber für wen und unter welchen Voraussetzungen.
Es wird über die Anhebung des Pauschallohnsteuersatzes um 150 Prozent gesprochen und auch über höhere Sozialversicherungsbeiträge, die schon jetzt nur von den Unternehmen gezahlt werden. Weitere Änderungen, zulasten der Arbeitgeber stehen im Raum.
"Damit droht die flexibelste, unbürokratischste Beschäftigungsform, die sich seit Jahren als unverzichtbarer Baustein des deutschen Arbeitsmarktes bewährt hat, empfindlich verteuert zu werden", sagen jetzt Handwerk.NRW, der Handelsverband NRW und der Hotel- und Gaststättenverband NRW.
Für viele Unternehmen seien Minijobs aber weit mehr als ein flexibles Instrument. Sie sicherten den täglichen Betrieb, ermöglichen die Abdeckung von Auftragsspitzen, saisonalen Schwankungen und Randzeiten und schafften gleichzeitig unkomplizierte Verdienstmöglichkeiten für Studierende, Rentner und Menschen, die ihre Kinder oder Angehörigen betreuen müssen oder eine Nebentätigkeit ausüben.
Besonders in Zeiten des anhaltenden Arbeits- und Fachkräftemangels dürften bewährte Beschäftigungsmodelle nicht zusätzlich belastet werden. Die Verbände appellieren deshalb gemeinsam an die Bundesregierung, Minijobs nicht schleichend unattraktiv zu machen. Wer ihre Bedeutung ausdrücklich anerkennt, dürfe sie nicht durch höhere Steuern oder zusätzliche Sozialabgaben verteuern.
"Das Handwerk steht für stabile Sozialversicherungen, faire Wettbewerbsbedingungen und mehr reguläre Beschäftigung. Wer ein bewährtes Beschäftigungsmodell verändert, muss auch erklären, wie die betriebliche Realität anschließend organisiert werden soll. Deshalb sollten wir Reformen daran messen, ob sie Beschäftigung erleichtern oder erschweren – denn eine hohe Erwerbsbeteiligung ist langfristig die beste Grundlage für stabile Sozialversicherungen."
Andreas Ehlert, Präsident von Handwerk.NRW
"Minijobs sind für den nordrhein-westfälischen Handel ein unentbehrlicher Bestandteil der Personalplanung. Sie ermöglichen es den Unternehmen, Stoßzeiten und saisonale Nachfragespitzen flexibel abzudecken. Rund 1,5 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen nutzen Minijobs, um flexibel dazuzuverdienen. Für viele sind sie ein Einstieg in den Arbeitsmarkt oder eine attraktive Nebentätigkeit. Wer Minijobs verteuert, gefährdet diese Chancen und nimmt den Unternehmen dringend benötigte Flexibilität."
Dirk Wittmer, Vorsitzender des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen – Rheinland
"Wir brauchen weiterhin eine Beschäftigungsform, die die wirtschaftliche Realität in den Betrieben abbildet. Sie muss unbürokratisch, flexibel und wirtschaftlich attraktiv für Aushilfen und bezahlbar für Arbeitgeber sein. Schon jetzt führen wir Arbeitgeber allein über 30 Prozent an Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern ab. Wenn diese Quote auf annährend 40 Prozent steigen sollte, wird sie aber wirtschaftlich immer unattraktiver. Wer diese Beschäftigungsform so schleifen will, der gefährdet nicht nur Teile der über 200.000 Minijobs allein im Gastgewerbe NRW, sondern gefährdet das gesamte Beschäftigungssystem im Gastgewerbe mit Auswirkungen auf die Betriebe und die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Von dem zu erwartenden empfindlichen Rückgang des Binnenkonsums einmal ganz zu schweigen."
Patrick Rothkopf, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands NRWDHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
Kommentar schreiben