Geplante Abschaffung der Minijobs sorgt für Aufregung
Die von der Rentenkommission vorgeschlagene Abschaffung der Minijobs wird vom Handwerk kritisch bewertet. Sie seien ein unverzichtbares Flexibilitätsinstrument.
Zum Umbau des deutschen Rentensystems hat die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission 33 Vorschläge vorgelegt. Dazu gehört die Abschaffung der Minijobs. Sie sollen sie sollen künftig ausschließlich für Schüler möglich sein. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angekündigt, alle Empfehlung der Kommission umzusetzen.
Handwerkspräsident Jörg Dittrich hält die Abschaffung für sehr problematisch. "Minijobs sind ein unverzichtbares Flexibilitätsinstrument. Sie ermöglichen es Betrieben, auf schwankende Auftragslagen, personelle Engpässe und Kundenwünsche zu reagieren. Hier braucht es definitiv andere Lösungen, um dieser Funktion von Mini-Jobs gezielt gerecht zu werden" sagt er.
Anstieg der Schwarzarbeit droht
Auch das Gebäudereinigerhandwerk ist verunsichert, weil die Regierung jüngst vorgeschlagen hatte, bei Pflege und Krankenversicherung erstmals auch auf Minijobs einseitig zulasten der Arbeitgeber Versicherungsbeiträge zu erheben. Nun sollen Minijobs generell entfallen. Wolfgang Molitor, Hauptgeschäftsführer des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks, kritisiert den Schlingerkurs der Bundesregierung.
"Eine weitere einseitige Belastung der Unternehmen in diesem Bereich darf es auf keinen Fall geben. Zumal eine mögliche Kapitalrente die Lohnnebenkosten für die Betriebe noch einmal erhöht", fordert er. Bei einem Wegfall der Minijobs drohe ein Anstieg der Schwarzarbeit oder ein Rückzug von Arbeitskräften aus dem Arbeitsmarkt.
Sächsisches Handwerk lehnt Abschaffung ab
"Es ist daher zum Beispiel von zentraler Bedeutung, Beschäftigte gerade im unteren Einkommensbereich bei Steuern und SV-Abgaben gezielt zu entlasten und endlich die Steuerklassen-Kombination 3/5 abzuschaffen." Die durchschnittlichen Personalkosten in der Gebäudereinigung liegen bei 85 Prozent, der Minijob-Anteil bei rund 30 Prozent.
Das Handwerk in Sachsen lehnt die Abschaffung ab. Minijobs seien in vielen Handwerksbetrieben eine feste Größe. Sie abzuschaffen wäre ein Debakel für die Branche, sagt Lars Bubnick, Geschäftsführer des Sächsischen Fleischer-Innungs-Verbandes.Mit Minijobs könnten viele Menschen flexibel arbeiten. So lange sich das Arbeitszeitgesetz in den aktuell starren Grenzen bewege, sei Bubnick gegen die Abschaffung.
SHT für Flexibilisierung der Arbeitszeit
Auch der Sächsische Handwerkstag (SHT) lehnt die Abschaffung von Minijobs ab. "Die Unternehmer sind auf diese Arbeitnehmer angewiesen", sagt SHT-Präsident Uwe Nostitz. "Fast jeder fünfte Betrieb musste in den vergangenen Wochen einen Personalrückgang verkraften." Der Handwerkstag plädiert stattdessen für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit.
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Text:
Lars Otten /
handwerksblatt.de
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