Düsseldorf ist beliebt. Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren kontinuierlich auf fast 650.000 Menschen angestiegen. So geht es vielen Großstädten. Doch der neue Wohnraum verdrängt oft traditionelle Handwerker-Standorte. (Foto: © Olena Kachmar/123RF.com)

Handwerk fordert Schutz für Standorte in den Innenstädten

Unternehmensführung

In den Innenstädten entsteht immer mehr Wohnraum. Die ansässigen Handwerks- und Gewerbebetriebe werden verdrängt. In vielen Städten, so auch in Düsseldorf, verschwinden traditionelle Handwerker-Standorte.

Neuer Wohnraum geht in der wachsenden Metropole Düsseldorf zunehmend zu Lasten ansässiger Handwerks- und Gewerbebetriebe. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung der Standortsituation durch das Institut für Stadtplanung und Städtebau der Uni Duisburg-Essen im Auftrag der Handwerkskammer Düsseldorf.

Die Forscher Prof. J. Alexander Schmidt und Diplom-Ingenieurin Anne Söfker-Rieniets haben zwei Innenstadtquartiere in Düsseldorf, die Stadtteile Bilk und Flingern, unter die Lupe genommen. Hier gab es in der Vergangenheit konzentrierte Handwerkslagen, wo ein neuer großflächiger Bebauungsplan keinerlei Handwerksnutzung mehr vorsieht.  Wo früher das Areal eines großen und überregional bekannten Autohauses und eine Schraubenfabrik angesiedelt waren, ist eine neue Wohnanlage entstanden. So geht es vielen Städten. Das Handwerk wird an den Stadtrand verdrängt. 

Die Innenstadt müsste Mischgebiet sein

In diesen exemplarischen Vierteln gab es traditionelle Innenhof-Standorte, die komplett und ohne Anschlussmöglichkeit für Handwerk und Gewerbe auf unabsehbare Zeit an neuen Wohnungsbau verloren gehen, so die Forscher. "Die gesamte Innenstadt müsste Mischgebiet mit Entfaltungsraum für das Handwerk sein."

Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert betonte bei der Präsentation der Studie, dass notwendiger Wohnungsbau zu Lasten von Gewerbe und Urbanität geht. "Der Befund ist ein Weckruf an Rat und Verwaltung der Landeshauptstadt, dem dynamisch verlaufenden Verdrängungsprozess rasch konzeptionell, in der Genehmigungspraxis und planungsrechtlich entgegenzutreten." 

Massiver, kaum umkehrbarer Substanzverlust

Gehe der Druck auf bezahlbare Pachten und Gewerbelagen ungebremst weiter, drohe Düsseldorf ein "massiver, kaum umkehrbarer Substanzverlust in seiner Vielfalt an Produktions-, Versorgungs- und Dienstleistungs-Unternehmen und an Urbanität". 

Neben der ökonomischen drohe auch eine "soziale Erosion", denn mit dem Sterben der Betriebe würden auch gewerbliche Arbeitsmöglichkeiten auf dem Ersten Arbeitsmarkt verloren gehen, warnt der Kammerchef.

Kammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Fuhrmann und Kreishandwerksmeister Thomas Dopheide fordern, dass bestehenden Gewerbe- und Mischgebiete und die in Düsseldorf bislang stark gewerblich nutzbaren Innenhoflagen planungsrechtlich besser geschützt werden und dass Neu-Investoren auch in Misch- und Urbanen Gebieten vertraglich zu nennenswerter Flächenvorhaltung für Gewerbe - "ausdrücklich auch produzierender Branchen" verpflichtet werden.

Sie hoffen auf neue Handwerkerhöfe und Gründerzentren im Stadtinnenbereich und die Planung von Mischgebieten in oder am Rande von Wohngebieten mit gutem Autobahnanschluss für Betriebe der "Baustellengewerke". Sie mahnen Konzepte für mehrgeschossige Gewerbegebiete an und drängen auf eine Überarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts in diesem Sinne.

"Über die gesamte Stadtfläche hinweg ist mindestens auf eine ausgewogene, räumliche Verteilung von Gewerbe- und handwerklich geprägten Mischgebieten zu achten", gaben die beiden Handwerkssprecher der Stadtpolitik im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Kammer mit auf den Weg.

Text: / handwerksblatt.de