Pfändungsfreigrenze

Ab dem 1. Juli bleibt Schuldnern mehr Geld zum Leben. (Foto: © ginasanders/123RF.com)

Höhere Pfändungs-Freigrenzen seit 1. Juli

Der pfändungsfreie Grundbetrag für Arbeitseinkommen wird seit 1. Juli 2019 auf 1.178,59 Euro angehoben. Arbeitgeber sind zur automatischen Beachtung der neuen Pfändungsfreibeträge verpflichtet.

Bei einer Pfändung von Einkommen liegt der Freibetrag für Alleinstehende seit dem 1. Juli bei 1.179,99 Euro. Das entspricht einem Plus von 3,95 Prozent. Erhöht werden die geschützten Beträge, die bei einer Zwangsvollstreckung in Forderungen und andere Vermögensrechte nicht gepfändet werden dürfen. Der Gesetzgeber legt Pfändungsfreigrenzen fest, um Schuldnern das Existenzminimum zu sichern.

Wer eine Familie hat, darf mehr Geld behalten: Die Höhe des pfändbaren Einkommens richtet sich nach der Anzahl der unterhaltspflichtigen Personen des Arbeitnehmers. Hierzu gehören leibliche Kinder, Ehepartner ohne Einkommen oder geschiedene Ehepartner, an die Unterhalt gezahlt wird.

Die neuen Pfändungsfreigrenzen gelten ohne Übergangsregelung und müssen automatisch sowohl von Arbeitgebern bei Lohnpfändungen und Lohnabtretungen als auch von Kreditinstituten bei einem Pfändungsschutzkonto (P-Konto) beachtet werden. Schuldner müssen aber selbst aktiv werden, wenn individuelle Freibeträge per Gericht oder Vollstreckungsstelle öffentlicher Gläubiger festgesetzt wurden.

Arbeitgeber müssen auch laufende Pfändungen beachten

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber verpflichtet, die neuen Pfändungsfreibeträge automatisch zu beachten, und zwar auch bei schon länger laufenden Pfändungen und Abtretungen. Betroffene Schuldner sollten sich beim Arbeitgeber oder Sozialleistungsträger erkundigen, ob die neue Pfändungstabelle bekannt ist und angewendet wird.

Die neue Pfändungstabelle finden Sie hier! Sie zeigt alle Arbeitseinkommen und pfändbaren Sozialleistungen, die nach dem 1. Juli 2019 zur Auszahlung kommen. Durch die Erhöhung kann etwa ein alleinstehender Schuldner ohne Unterhaltspflicht bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.300 Euro jetzt 1.215,01 Euro von seinem Lohn behalten. Ist er für eine Person unterhaltspflichtig, kann grundsätzlich nichts gepfändet werden.

Zum Nettoeinkommen im Sinne der Pfändungstabelle zählen Gehalt, Altersrente, ALG 1 und ALG 2 abzüglich einiger Zulagen des Arbeitgebers, wie etwa einmalige Beihilfen und vermögenswirksam angelegte Einkommensteile, die Hälfte von eventuell gewährtem Weihnachtsgeld bis maximal 500 Euro, Urlaubsgeld und Mehrarbeitsvergütungen.

P-Konto schützt vor Pfändung

Ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) bietet automatisch einen Pfändungsschutz. Ein Girokonto kann innerhalb weniger Tage in ein P-Konto umgewandelt werden. Danach kann der Schuldner über das Guthaben in Höhe des monatlichen Freibetrags verfügen: Überweisungen tätigen, Lastschriften einlösen und Bargeld abheben. Die Umwandlung eines Girokontos in ein P-Konto ist gebührenfrei. Nur für die Kontoführung fallen dagegen in aller Regel Kosten an.

Lohnpfändung beim Arbeitnehmer? Wird beim Mitarbeiter der Lohn gepfändet, muss der Chef einen Teil des Geldes direkt an die Gläubiger zahlen. Worauf Arbeitgeber achten sollten: lesen Sie hier mehr!

Text: / handwerksblatt.de

Kommentar schreiben

Das könnte Sie auch interessieren: