Weiterhin positiv, aber abgeschwächt, präsentierte sich die Auftragslage im Baugewerbe. (Foto: © Wavebreak Media Ltd/123RF.com)

Mittelstand stemmt sich gegen die Rezession

Nicht nur die Industriekonjunktur schwächelt. Jetzt hat sich auch die Stimmungslage im deutschen Mittelstand spürbar verschlechtert.

Der Creditreform Geschäftsklimaindex für die mittelständische Wirtschaft erreichte auf Basis der aktuellen Herbstbefragung einen Wert von 17,1 Punkten. Das sind gut zehn Punkte weniger als zum Vorjahreszeitpunkt.  

Insbesondere die Geschäftserwartungen hätten demnach deutlich nachgegeben. Insgesamt bleibt der Creditreform Geschäftsklimaindex aber weiterhin im Plusbereich.

Wachstumsschwäche von Industrie und Export färbt ab

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für den Mittelstand haben sich demnach verschlechtert. Die bisher stabile Binnenkonjunktur werde wohl nicht völlig unbeeindruckt von der Wachstumsschwäche der Industrie und des Exports bleiben, so die Creditreform-Volkswirte.

Deutliche Einschnitte in der Auftragslage verzeichneten bereits die Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, heißt es da. Die Befragten berichteten häufiger von gesunkenen Auftragseingängen als von gestiegenen.

Weiterhin positiv, aber abgeschwächt, präsentierte sich die Auftragslage im Baugewerbe.

Insgesamt entwickelten sich Auftrags- und Umsatzlage im deutschen Mittelstand in den zurückliegenden Monaten aber noch einmal positiv. Gut ein Drittel der Befragten (35,2 Prozent) meldete einen Umsatzanstieg, auch wenn es im Vorjahr noch 42,4 Prozent der Befragten waren.

Umsatzeinbußen mussten 14,3 Prozent der Unternehmen hinnehmen (Vorjahr: 12,2 Prozent).

Die Wachstumsabschwächung hat bislang kaum Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl. 30,6 Prozent der befragten Unternehmen (Vorjahr: 30,8 Prozent) haben ihre Belegschaft zuletzt aufgestockt. Knapp jedes zehnte Unternehmen (9,1 Prozent) verkleinerte den Personalbestand (Vorjahr: 9,7 Prozent).

Hoch war die Personalnachfrage insbesondere im Bau und im Dienstleistungsgewerbe.

Noch kein Pessimismus, aber die Hochkonjunktur ebbt ab

"Trotz der zunehmenden Vorsicht bei den Geschäftserwartungen ist der Mittelstand nicht in Pessimismus verfallen", schreibt Creditreform. Weiterhin überwiege der Anteil der Befragten, die steigende Umsätze oder eine bessere  Auftragslage erwarten.

Stabile Umsätze prognostiziert gut die Hälfte der Befragten (56,3 Prozent), fast jeder Dritte (30,4 Prozent) rechnet mit steigenden Umsätzen.

"Allerdings dürften die Zeiten fortwährender Umsatzanstiege wohl auch im Mittelstand vorerst vorbei sein", heißt es in der Untersuchung. Knapp ein Viertel der Befragten (24,4 Prozent) rechnet mit steigenden Auftragseingängen. Im letzten Jahr waren das noch 30,5 Prozent.

Ein Rückgang bei den Auftragseingängen wird demnach mittlerweile von 12,8 Prozent der Befragten befürchtet (Vorjahr: 8,2 Prozent).

Wachstumseinbußen drohen laut Creditreform vor allem dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel, die ihre Auftragserwartungen deutlich zurückgenommen haben. Im Baugewerbe dürfte die Hochkonjunktur der letzten Jahre zwar abebben – bei engen Kapazitäten (Fachkräftemangel) wird die Nachfrage nach Bauleistungen aber hoch bleiben.

Hohe Investitionsbereitschaft im Baugewerbe

Auch in den kommenden Monaten wollen die Unternehmen Arbeitsplätze schaffen. 22,5 Prozent der Befragten gaben an, sich personell verstärken zu wollen (Vorjahr: 28,3 Prozent). Die Mehrheit der Befragten (70,0 Prozent) will die Mitarbeiterzahl unverändert lassen (Vorjahr: 65,2 Prozent).

Die Investitionspläne werden durch die schlechteren Konjunkturaussichten getrübt. Entsprechend verringert hat sich die Investitionsbereitschaft. 51,4 der Befragten wollen investieren (Vorjahr: 53,1 Prozent). Im Vergleich der letzten zehn Jahren ist das nochmals ein überdurchschnittlich hoher Wert.

Gegen den Trend zugenommen hat die Investitionsbereitschaft im Baugewerbe.

Langfristig steigende Eigenkapitalquoten

Stabil zeigen sich die Eigenkapitalquoten. Erneut meldet jedes dritte Unternehmen (33,6 Prozent; Vorjahr: 33,2 Prozent) eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2010 stieg dieser Anteil um 6,5 Prozentpunkte. "An dieser positiven Entwicklung hat die gute Umsatz- und Ertragslage der letzten Jahre regen Anteil", heißt es.

Als stark fremdfinanziert gelten 29,3 Prozent der Befragten. Bei diesen Unternehmen liegt die Eigenkapitalquote unter zehn Prozent (Vorjahr: 29,4 Prozent). Dabei zeigt sich die Kapitalstruktur insbesondere im Baugewerbe anfällig für eventuelle Veränderungen bei den Finanzierungsbedingungen.

Gut funktionierendes Forderungsmanagement

30,5 Prozent der befragten Unternehmen (Vorjahr: 28,6 Prozent) verzeichneten in den letzten Monaten überhaupt keine Zahlungsausfälle. Lediglich 6,4 Prozent der Befragten mussten hohe Forderungsverluste von über einem Prozent des Umsatzes hinnehmen. 

Quelle: Creditreform

Text: / handwerksblatt.de

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