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Wann Selbstständige staatliche Hilfe brauchen

Rund 80.000 Selbstständige haben Ende 2018 zusätzlich Arbeitslosengeld II erhalten. Warum sie das beantragen und warum diese Grundsicherung sinnvoll ist, berichtet das IfM Bonn. 

Viele Selbstständige brauchen erst ihr Erspartes auf, bevor sie staatliche Hilfe beantragen. Foto: © alphaspirit/123RF.com
Viele Selbstständige brauchen erst ihr Erspartes auf, bevor sie staatliche Hilfe beantragen.

Rund 1,1 Millionen Erwerbstätige waren Ende 2018 auf zusätzliche staatliche Leistungen angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dazu gehörten auch 80.000 Selbstständige. Warum die Selbstständigen in die Grundsicherung kommen und wie lange sie diese nutzen, hat jetzt ein Team von Wissenschaftlern des IfM Bonn untersucht.

Das Ergebnis: Das monatliche Nettoeinkommen von Selbstständigen, die staatliche Leistungen beziehen, liegt im Durchschnitt mit 390 Euro deutlich unter dem von abhängig Beschäftigten in der Grundsicherung (746 Euro), so die Forscher.

Mehr zum Arbeitslosengeld und zu weiteren finanziellen Hilfen für Selbstständige bei der Arbeitsagentur"Ein wesentlicher Grund, warum Selbstständige zusätzlich Arbeitslosengeld II beantragen, sind Unternehmenskrisen. In diesen Phasen können die Unternehmer und Freiberufler trotz intensiver Arbeitsleistung kein ausreichendes Einkommen erwirtschaften", berichtet der Leiter des Studienprojekts, Hans-Jürgen Wolter.

Das Einkommen der Selbstständigen hat sich vor Eintritt in die Grundsicherung im Durchschnitt um rund 60 Prozent reduziert. Mehr als ein Viertel von ihnen brauchte zunächst die eigenen Ersparnisse auf, bevor sie Arbeitslosengeld II beantragten. 

"Die Grundsicherung ermöglicht es vielen Selbstständigen, während einer krisenhaften Phase ihr Geschäftsmodell anzupassen. Ohne diese Möglichkeit könnten sie ihre selbstständige Tätigkeit unter Umständen nicht fortführen", so Wolter. 

Wege aus der Krise

Den meisten Selbstständigen gelingt es laut der Studie, den Leistungsbezug innerhalb der ersten beiden Jahre zu beenden, weil ihr Einkommen wieder steigt. Der Wechsel in eine abhängige Beschäftigung oder zusätzliches Haushaltseinkommen, das vom Partner erwirtschaftet wird, seien seltener der Grund für den Austritt.

Gute Ausbildung mindert das Risiko

Übrigens würde eine gute Ausbildung das Risiko für Selbstständige, auf ALG II angewiesen zu sein, reduzieren. Dagegen steige es bei Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und bei Alleinerziehenden, die beispielsweise aufgrund von Kinderbetreuung ihre Eigenständigkeit nur zeitlich eingeschränkt ausführen können. Kein negativer Effekt zeigte sich laut IfM bei Selbstständigen mit Migrationshintergrund. 

"Grundsicherung für Selbstständige grundsätzlich sinnvoll"

Fazit der Forscher: In manchen Fällen müsse man das Geschäftsmodell hinterfragen, aber allgemein sei die Grundsicherung für Selbstständige ein sinnvolles Instrument, das es vielen ermöglicht, ihr Unternehmen nach einer Krise neu auszurichten und anschließend wieder auf eigenen Beinen stehen zu können

Text: / handwerksblatt.de
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