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Ausbildungsstart gut vorbereiten

Mit der Ausbildung beginnt für Jugendliche ein neuer Lebensabschnitt. Die Ausbildungsexperten der Kammer geben Tipps, worauf die Betriebe beim Ausbildungsbeginn achten sollten.

Foto: © Fabian Schmidt/123RF.com
Foto: © Fabian Schmidt/123RF.com

Mit der Ausbildung startet ein neuer Lebensrhythmus. An die klaren Regeln und Absprachen müssen sich viele Auszubildende erst gewöhnen. Umso wichtiger ist, dass der Start gelingt. Der erste Tag muss von den Betrieben deshalb gut vorbereitet werden. Bei einem Rundgang durch den Betrieb lernt der Azubi seine neuen Kollegen und das Umfeld kennen. Ihm wird ein fester Ansprechpartner zugeteilt. Oliver Christoph Klaus schlägt vor, dass vor dem Beginn der Ausbildung einige Betriebsvorschriften erlassen werden. „Darin sollten die Arbeitszeitregelung, Pausenzeiten, weisungsberechtigte Personen, Verhaltensnormen, Verhalten im Krankheitsfall und Arbeitsschutz berücksichtigt werden“, zählt der Hauptabteilungsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer zu Leipzig einige Beispiele auf.

Damit prasselt viel Neues auf den neuen Mitarbeiter ein. Alle wichtigen Infos können in einem Ordner für den Azubi gesammelt oder in einer Zusatzvereinbarung zum Ausbildungsvertrag – in der auch auf Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge hingewiesen wird – festgehalten werden. „Mithilfe einer Zielvereinbarung lässt sich klären, was der Auszubildende in den ersten Wochen lernen soll“, schlägt Martina Schaar, Teamleiterin Berufsausbildung der Handwerkskammer Cottbus, darüber hinaus vor. Auch der Ausbildungsplan – sei es für die ersten Wochen oder für die gesamte Dauer – kann gleich zu Anfang durchgesprochen werden.

In der ersten Zeit genau kontrollieren

HandwerkDass die vereinbarten Regeln eingehalten werden, sollte speziell in der ersten Zeit genau kontrolliert werden. Dazu gehört auch, dass der Azubi das Berichtsheft, auch Ausbildungsnachweis genannt, regelmäßig und zeitnah führt. „Sonst lässt sich kaum noch nachvollziehen, was er gemacht hat“, warnt Jörg Wiesniewski, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Möglichkeiten dazu gibt es viele: eine Viertelstunde vor oder gegen Ende des Arbeitstages, nach der Berufsschule, wenn es sich nicht mehr lohnt, für eine Stunde in den Betrieb zurückzukehren oder kurz vor dem Wochenende. Diese Aufgabe ist kein Privatvergnügen des Lehrlings. „Dem Azubi ist Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft innerhalb der Arbeitszeit zu führen“, verdeutlicht Dana Schneider.

Sorgfalt verlangt die Juristin in der Abteilung Berufsbildung bei der Handwerkskammer Potsdam aber nicht nur von den Jugendlichen. Denn mit der regelmäßigen Kontrolle sichert sich auch der Betrieb ab, dass er alle Inhalte der Ausbildung vermittelt hat. Ist das Berichtsheft unvollständig ausgefüllt, wird der Azubi unter Umständen nicht zur Gesellen- oder Abschlussprüfung zugelassen. Die Experten der Kammern empfehlen, dass der Ausbildungsnachweis möglichst jede Woche, maximal aber alle 14 Tage besprochen und abgezeichnet wird.

Kosten für Betriebe und Azubis

HandwerkDas Berichtsheft ist ein Arbeitsmittel. Der Betrieb muss es dem Azubi kostenlos zur Verfügung stellen. Das gilt auch für die Werkzeuge, Werkstoffe, Ausbildungsordnung und -plan sowie betriebstypische Berufs- und Arbeitsschutzbekleidung. Kosten, die mit dem Besuch der Berufsschule zusammenhängen, fallen nicht darunter. Dazu gehört etwa die Fahrkarte. Die Auszubildenden können versuchen, finanzielle Unterstützung beim Schulverwaltungsamt, in dessen Landkreis sich die Ausbildungsstätte befindet,  zu beantragen oder ein vergünstigtes Ticket zu bekommen, indem sie bei den Verkehrsbetrieben ihren Lehrlingsausweis, unter Umständen auch den Ausbildungsvertrag, vorzeigen. „Wenn sie für die Hin- und Rückfahrt zur Berufsschule mehr als drei Stunden brauchen und auf eine auswärtige Unterkunft angewiesen sind, können sie beim Schulverwaltungsamt einen Zuschuss für ihre Unterkunfts- und Verpflegungskosten mit einer Begrenzung von zehn Euro pro Tag bekommen. Manche Landkreise und Städte beteiligen sich auch an den Fahrtkosten zur Berufsschule“, weist Martina Schaar hin. Pro Tag werden bis zu zehn Euro für Unterkunft und Verpflegung übernommen.

Fährt der Azubi von zu Hause zur Baustelle, zur überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) und zu firmenspezifischen Lehrgängen kommt der Betrieb für die Kosten auf. Die Gebühren für die Zwischen- und Abschlussprüfung muss er ebenfalls übernehmen. „Die Fahrtkosten, damit der Azubi zur Prüfung kommt, braucht der Betrieb nur für die Zwischenprüfung zu zahlen, für die Abschlussprüfung nicht“, erklärt Dana Schneider. Materialien, die für die Prüfung benötigt werden, aber nicht vor Ort sind, fallen auch in die Zuständigkeit des Unternehmens. „Das gilt auch, wenn der Prüfungstermin nach dem Ende der Ausbildung liegt“, verdeutlicht die Expertin der Handwerkskammer Potsdam. Land und Bund greifen den Betrieben finanziell unter die Arme und beteiligen sich mit einem Zuschuss an den Lehrgangs- und Internatskosten. Die Kosten für die Verpflegung während der ÜLU kann sich der Betrieb bei seinem Azubi wieder holen.

Fotos: © Fabian Schmidt/123RF.com; auremar/123RF.com: costasz/123RF.com

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