Babyboomer: Warum sie für das Handwerk so wichtig sind
Die Zielgruppe 50plus ist für das Handwerk eine der kaufkräftigsten und interessantesten Kundengruppen. Sie legen Wert auf Qualität, investieren in ihre Gesundheit und ihr Äußeres - und sie sind besonders treu.
Jede zweite Person in Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Für das Handwerk ist das eine wichtige und kaufkräftige Zielgruppe.
Gerade die Babyboomer (ungefähr Mitte der 1950er bis Ende der 1960er Jahre geboren) gelten als die reichste Generation, die je in Deutschland gelebt hat. Sie konnten in einer langen Friedens- und Wirtschaftsaufschwungphase Vermögen aufbauen. Sie konnten ihre Häuser oder Wohnungen noch zu akzeptablen Preisen kaufen und finanzieren. Außerdem gilt die Generation als sehr "arbeitsorientiert".
Sie geben ihr Erspartes gerne für Qualität aus, kaufen eher bei Manufactum als bei Temu. Bei vielen sind die Kinder schon aus dem Haus. Als Immobilieneigentümer investieren sie jetzt in energetische Sanierungen, moderne Heiztechnik, eine neue Gartengestaltung oder Design-Bäder. Sie gönnen sich hochwertige Möbel, teure Rennräder, individuellen Schmuck vom Goldschmied und/oder exklusive Siebträger-Kaffeemaschinen.
Die Generation ist eine ganz besonders interessante Zielgruppe für das Handwerk. Das sind die Kunden, die für ein besonderes Sauerteigbrot beim Handwerksbäcker oder ein Stück Torte beim Konditor gerne etwas mehr ausgeben, die den Haarschnitt und die Farbe vom Friseur ihres Vertrauens zu schätzen wissen und die sich für ihr neues Bad oder den neuen Anstrich an den renommierten Meisterbetrieb aus dem Ort wenden.
Auch Nachhaltigkeit spielt bei den Konsumentscheidungen eine wichtige Rolle
Was die Betriebe bei ihrer Marketingstrategie nicht vergessen sollten: Die 55- bis 75-Jährigen haben nahezu alle ein Smartphone (94 Prozent) und informieren sich vorab online über das ansprechendste und passendste Angebot. Daher sollte man auch die Gestaltung der Firmen-Website nicht vernachlässigen (Lesen Sie dazu ein Interview mit Fotograf Markus Bronold).
Eine pwc-Studie aus dem Jahr 2025 hat sich mit dem Konsumverhalten der Babyboomer beschäftigt. "Menschen ab 55 Jahren sind eine hochrelevante Zielgruppe, deren Kaufkraft den Motor des privaten Konsums in Deutschland maßgeblich antreibt. In Sachen Mediennutzung und Onlineshopping gibt es durchaus Parallelen zu jüngeren Altersgruppen; Unternehmen sollten dies in ihrer Kommunikation und Werbung berücksichtigen", sagt Dr. Christian Wulff, Consumer Markets Leader bei PwC Deutschland.
Beim Konsum legen die Babyboomer laut der Studie vor allem Wert auf Qualität (86 Prozent) und Preis (84 Prozent). Wichtig ist ihnen die Verlässlichkeit und Sicherheit der Produkte (43 Prozent). Aber auch Nachhaltigkeitskriterien haben Einfluss auf die Kaufentscheidung: 60 Prozent geben an, bewusst regionale Produkte zu kaufen - was zum Beispiel dem regionalen Lebensmittelhandwerk zu Gute kommt. Bei den 71- bis 75-Jährigen sind es sogar 70 Prozent.
➡️ Das könnten entsprechende Schlagworte in der Ansprache sein, um die Generation 50plus als Kunden zu erreichen und zu halten: (Meister-)Qualität, Service, Verlässlichkeit, Sicherheit, Nachhaltigkeit, regionale Produkte, Zutaten etc. ...
Nicht herausstellen, dass die Produkte und Dienstleistungen speziell für Ältere sind
Die Studie untermauert die finanziell stabile Situation vieler Babyboomer: Haushalte mit Personen von 55 Jahren oder älter tätigen mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller privaten Konsumausgaben. Während die größte aktuelle Sorge von Personen zwischen 18 und 54 Jahren die eigene finanzielle Situation ist, blicken die 55- bis 75-Jährigen zunächst sorgenvoll auf geopolitische Konflikte, anhaltende Inflation, eigene Gesundheit und Naturkatastrophen. Erst darauf folgen Bedenken zu den persönlichen Finanzen.
Ebenfalls interessant für das Handwerk: Menschen ab 55 bleiben Marken besonders treu. 87 Prozent der Befragten gaben an, häufig dieselben Marken zu kaufen, da sie dann wissen, was sie erwarten können. Das dürfte so oder ähnlich auch für Dienstleister, Werkstätten und Geschäfte gelten.
Wie können Betriebe das für ihr Marketing nutzen? "Händler und Hersteller sollten gezielt herausstellen, wofür ihre Marke steht, und diese Identität mit hoher Produktqualität und passenden Services stärken. Treue zu Marken und Unternehmen wird teils über Generationen weitervermittelt, wenn ein Vertrauensverhältnis besteht.
Aber Achtung: "Speziell auf Ältere zugeschnittene Produkte sind nicht notwendig: Nur jede und jeder Fünfte bevorzugt solche Marken", betont Dr. Christian Wulff.
Der Friseur wird zum Lifestyle- oder Gesundheitscoach
Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hat kürzlich mit Prof. Dr. Dr. Fred Harms von der Beneganic AG über die ältere Zielgruppe gesprochen. Er sagt: "Das zahlungskräftige Publikum zwischen 40 und 60 Jahren erwartet heute mehr als einen handwerklich perfekten Haarschnitt. Das ist die Pflicht. Die Kür ist die Entwicklung hin zum Lifestyle- oder Gesundheitscoach. Wer die physiologischen Zusammenhänge von Haargesundheit versteht und beraten kann, schafft eine Kundenbindung, die weit über den nächsten Termin hinausreicht."
Die Zielgruppe ist für Friseure und Kosmetiker auch deshalb interessant, weil sie gerade massiv in den Erhalt ihrer Vitalität und Ausstrahlung investiert. "Während Discounter über den Preis kommen, punkten Sie mit evidenzbasierter Beratung. Sie holen die Kundinnen und Kunden dort ab, wo Drogeriemärkte aufhören: bei der individuellen, fachlichen Begleitung", betont der Friseurverband.
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Text:
Kirsten Freund /
handwerksblatt.de
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