Der Zaun als Photovoltaik-Anlage
Doppelstabmattenzäune können künftig nicht nur Grundstücke abgrenzen, sondern auch Solarstrom erzeugen. Das System Sunbooster Vertical+ lässt sich auf bis zu 100 Meter erweitern und macht Zaunflächen besonders für Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe interessant.
Das System Sunbooster Vertical+ nutzt bifaziale PV-Sichtschutzstreifen in Doppelstabmattenzäunen, lässt sich modular auf bis zu 100 Meter Zaunlänge erweitern und ermöglicht eine dreiphasige Netzeinspeisung. Damit eröffnet sich eine zusätzliche PV-Fläche, die sich unabhängig oder ergänzend zu Dach- und Freiflächenanlagen nutzen lässt.
Erschließung neuer Flächen
Die klassische Photovoltaikanlage nutzt vor allem Dach- und Freiflächen. Mit dem Doppelstabmattenzaun steht jedoch eine weitere, bislang wenig beachtete Fläche zur Verfügung. Die PV-Elemente werden nicht auf einer zusätzlichen Unterkonstruktion montiert, sondern in bestehende Doppelstabmattenzäune eingefädelt.
Das Grundprinzip hat Sunbooster bereits mit Sunbooster Vertical umgesetzt. Die 2025 eingeführte Lösung war für die Nutzung ähnlich einem Balkonkraftwerk ausgelegt. Mit Vertical+ wird das Konzept nun für größere Anlagenleistungen und eine professionelle Einbindung in die elektrische Anlage erweitert.
Bifaziale PV in vertikaler Montage
Technisch unterscheidet sich eine Zaun-PV-Anlage zunächst durch ihre Ausrichtung deutlich von einer klassischen Dachanlage. Die PV-Fläche steht senkrecht und nutzt bifaziale Solarzellen. Dadurch kann sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite einfallendes Licht zur Stromerzeugung beitragen. Das wirkt sich insbesondere auf das Erzeugungsprofil aus. Eine typische nach Süden ausgerichtete Dachanlage erreicht ihre höchsten Erträge rund um die Mittagszeit. Eine vertikale bifaziale Zaunanlage kann dagegen morgens und abends vergleichsweise interessante Erträge liefern.
Für die Planung von PV-Anlagen ist dieser Unterschied relevant: Vertical+ soll nicht nur zusätzliche installierte Leistung bereitstellen, sondern kann das Erzeugungsprofil einer bestehenden Dachanlage ergänzen. Besonders bei Anlagen mit hohem Eigenverbrauch am Morgen und Abend kann diese Charakteristik interessant sein. Auch saisonal ergeben sich Besonderheiten. Durch den niedrigen Sonnenstand im Herbst und Winter kann eine vertikale PV-Fläche günstig angestrahlt werden. Hinzu kommt der mögliche Reflexionseffekt von Schnee.
Zwei Zaunfelder bilden die Grundlage für die Verschaltung
Eine zentrale technische Neuerung ist die Möglichkeit, jeweils zwei Zaunfelder in Serie zu verschalten. Die Leistungsoptimierung erfolgt über ein Dual-Field-MPPT, das auf das jeweilige Zaunfeldpaar ausgelegt ist. Damit wird die elektrische Auslegung stärker von der einer klassischen Plug-and-Play-Steckersolaranlage entkoppelt.
Gleichzeitig arbeitet das System laut Hersteller mit niedriger Gleichspannung. Das soll sowohl die elektrische Sicherheit als auch die Effizienz der Anlage unterstützen. Die Zaun-PV kann als eigenständiges System geplant und in die elektrische Infrastruktur des Gebäudes integriert werden, anstatt auf die für ein Balkonkraftwerk typischen Leistungsgrenzen beschränkt zu bleiben.
Dreiphasige Einspeisung statt 800-Watt-Limit
Beim bisherigen Sunbooster Vertical erfolgte die Netzanbindung über einen Schukostecker. Dadurch war die Lösung auf eine maximale Zaunlänge von 10 Metern und 800 Watt Leistung begrenzt. Mit Vertical+ verändert sich das Anwendungsszenario grundlegend. Der erzeugte Strom kann dreiphasig in das Hausnetz eingespeist werden. Damit lässt sich die Zaun-PV in eine reguläre elektrische Anlage integrieren und auch für größere Erzeugungsleistungen einsetzen.
Alternativ kann die Einbindung laut Hersteller über Optimierer und einen Standard-String-Wechselrichter erfolgen. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, die Zaunflächen gemeinsam mit weiteren PV-Flächen in ein bestehendes Anlagenkonzept einzubinden. Auch die Kombination mit einem Batteriespeicher ist vorgesehen.
Bis zu 18,8 kWp auf 100 Metern Zaun
Die modulare Auslegung ermöglicht eine erhebliche Skalierung. Laut Hersteller lassen sich Zaunfelder bis zu einer Gesamtlänge von 100 Metern kombinieren. Daraus kann eine Anlagenleistung von bis zu 18,8 kWp entstehen. Damit wird der Zaun auch für größere Gewerbe- und Landwirtschaftsprojekte interessant.
Gerade bei Betrieben mit langen Grundstücks- oder Betriebszäunen kann die verfügbare Fläche erheblich sein. Ein Vorteil gegenüber einer klassischen Flächenerweiterung: Die Zaunfläche ist bereits vorhanden und erfüllt weiterhin ihre ursprüngliche Funktion als Abgrenzung und Sichtschutz.
Upgrade bestehender Sunbooster-Anlagen
Auch für bereits installierte Sunbooster-Vertical-Systeme bietet Vertical+ eine Nachrüstoption. Laut Hersteller kann die Umrüstung durch den Austausch der Wechselrichter erfolgen. Damit müssen bestehende Zaun-PV-Anlagen nicht zwangsläufig vollständig ersetzt werden, wenn der Betreiber zu einem späteren Zeitpunkt eine größere Leistung oder eine dreiphasige Einspeisung realisieren möchte.
Die größte Stärke liegt weniger darin, Dach-PV zu ersetzen, sondern zusätzliche Erzeugungsflächen zu erschließen. Die unterschiedliche Ausrichtung und das bifaziale Konzept können dazu beitragen, die Stromproduktion über den Tagesverlauf anders zu verteilen als bei einer klassischen Dachanlage. Gleichzeitig lässt sich vorhandene Infrastruktur doppelt nutzen: Der Zaun bleibt Zaun und wird zusätzlich zum PV-Generator.
sunbooster.de
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Text:
Claudia Stemick /
handwerksblatt.de
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