Fachkräfteeinwanderung im Handwerk: Pilotprojekt in Brandenburg
Was Fachkräfteeinwanderung im Handwerk bedeutet, zeigt ein Pilotprojekt in Brandenburg mit zwei Fachkräften aus Usbekistan, einem Betrieb und ersten Erfahrungen.
Seit vier Monaten arbeiten Khurshidbek Tursunov (29) und Shobozjon Rabbonov (31) aus Usbekistan bei der HTB Haustechnik GmbH in Brandenburg an der Havel. Vermittelt wurden die beiden über das bundesweite Pilotprojekt "Future International Talents (FIT) for German Climate Businesses", an dem die Handwerkskammer Potsdam als Projektpartnerin beteiligt ist.
Bei einem Pressegespräch am Bildungs- und Innovationscampus Handwerk (BIH) in Groß Kreutz zogen Vertreter aus Handwerk, Verbänden und Politik eine erste Zwischenbilanz. Die ersten Monate zeigen: Fachkräfteeinwanderung funktioniert im Handwerk, aber nicht ohne strukturelle Begleitung der Betriebe.
Schlüsselqualifikationen im SHK-Handwerk optimieren
Sprachzertifikate bescheinigen ein Niveau, ersetzen aber keine Berufspraxis in der Sprache. Gerade im SHK-Handwerk entscheidet Verständigung auf der Baustelle über Sicherheit und Ablauf: Fachbegriffe, Anweisungen im Kundenkontakt, eingespielte Routinen. Wer das Zertifikat hat, aber die Fachsprache noch lernt, braucht mehr Einarbeitungszeit, und die Betriebe müssen diese Zeit aufbringen.
Tursunov und Rabbonov durchlaufen derzeit praxisorientierte Qualifizierungsmaßnahmen: Im Zuge der Gleichwertigkeitsprüfung wurden Unterschiede zu den deutschen Referenzberufen festgestellt. In Praxisphasen im Betrieb arbeiten sie nun fehlende Kenntnisse in einzelnen Arbeitsbereichen nach. Ziel ist die volle Gleichwertigkeit mit den deutschen Ausbildungsberufen und die Anerkennung als vollwertige Fachkraft.
Hinzu kommen alltagsrelevante Herausforderungen wie bei der Nutzung und Umschreibung von Führerscheinen, Wohnungssuche in einem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt, Behördengänge von der Anmeldung über die Krankenkasse bis zur Übersetzung von Dokumenten. Für Handwerksbetriebe, in denen Mobilität häufig Voraussetzung für den Arbeitseinsatz ist, entstehen daraus zusätzliche, auch kostenintensive Begleitungen, die bislang bei den Unternehmen hängenbleiben.
Integration in Betrieb und Alltag
Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam: "Qualifizierte Fachkräfte sind für die Zukunft des Handwerks existenziell. Deshalb brauchen wir auch eine gezielte und praxistaugliche Fachkräfteeinwanderung. Entscheidend ist, dass unsere Betriebe bei dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden. Sie brauchen Unterstützung bei Aufenthaltsverfahren, Sprache, Integration im Betrieb und im Alltag. Nur wenn wir Bürokratie abbauen und die Unternehmen konkret begleiten, kann internationale Fachkräfteeinwanderung auch im brandenburgischen Handwerk wirklich gelingen."
Dierk Lause, Unternehmensgründer und geschäftsführender Gesellschafter der HTB Haustechnik GmbH: "Für uns als Betrieb ist das Projekt eine echte Chance, weil wir Fachkräfte brauchen und gleichzeitig in der Praxis lernen, was für gelingende Integration tatsächlich erforderlich ist. Wir sehen aber auch sehr deutlich, wie hoch der Aufwand im Alltag ist. Es geht nicht nur um Arbeit, sondern um Sprache, Einarbeitung, Mobilität, Behördenwege und das gesamte Ankommen. Gerade in einem Handwerksbetrieb zeigt sich sehr schnell, dass Integration Zeit, Struktur und Verlässlichkeit braucht. Genau diese Erfahrungen müssen ernst genommen werden, wenn Fachkräfteeinwanderung überall funktionieren soll."
Hoffnung auf weitere Bewerber
Auch die Handwerkskammer Cottbus ist an dem Pilotprojekt beteiligt. Abhängig von der Realisierung notwendiger Behördengänge bei der Deutschen Botschaft in Usbekistan werden voraussichtlich im Frühsommer zwei Fachkräfte im Bereich Kfz-Mechatronik ihre Tätigkeit bei der A.A.T. Autohaus Auto-Tech GmbH in Schönefeld aufnehmen. "Wir gehen seit einiger Zeit neue Wege, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Das Projekt FIT for German Climate Businesses und die Talent Days verstehen wir dabei als Chance, zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland kennenzulernen. In unserem Betrieb arbeiten bereits Kfz-Mechatroniker aus der Ukraine, der Türkei und aus Russland. Auch den künftigen Mitarbeitenden aus Usbekistan stehen wir offen und zuversichtlich gegenüber", resümiert Salvatore Mira, Geschäftsführer bei der A.A.T. Autohaus Auto-Tech GmbH.
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Text:
Karsten Hintzmann /
handwerksblatt.de
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