Erste Zeichen der Erholung am Wohnungsbau
Im Wohnungsbau steigt die Zahl der Baugenehmigungen um 15 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Die Baubranche wertet das dennoch nicht als Trendwende. Sehr viele Vorhaben werden wieder storniert.
Im Juni wurde in Deutschland der Bau von 21.600 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 13,8 Prozent oder 2.600 Baugenehmigungen mehr als im Juni 2025. Im Neubau waren es 14,1 Prozent mehr (insgesamt 17.800 Wohnungen; Vorjahr: 15.600). Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch einen Umbau bestehender Gebäude entstehen werden, stieg im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,1 Prozent auf 3.900. Im ersten Halbjahr 2026 summiert sich die Zahl auf 126.300 genehmigte Wohnungen – ein Plus von 15,1 Prozent (16.600 Wohnungen mehr). Einen stärkeren Anstieg im Vergleich zum Vorjahr gab es zuletzt 2016.
Allerdings fällt der aktuelle Anstieg vor dem Hintergrund des sehr niedrigen Ausgangsniveaus aus. In den ersten sechs Monaten 2024 und 2025 waren lediglich 106.700 beziehungsweise 109.800 Wohnungen genehmigt worden.
Hubertz: Bau-Turbo nimmt Fahrt auf
Bundesbauministerin Verena Hubertz spricht von einem "Ergebnis zielgerichteter Politik". 13 Monate in Folge steigen die Genehmigungszahlen. Der Bau-Turbo nehme jetzt Fahrt auf. "Unsere Förderprogramme werden breit angenommen und das Upgrade des Baugesetzbuchs steht in den Startlöchern", so die Ministerin, die aber auch einräumt, dass das Niveau zuvor sehr niedrig war.
"Wir sind noch längst nicht dort, wo dieses Land beim Wohnungsbau stehen muss. Genau deshalb legen wir nach: mit einem massiven Mitteleinsatz für den sozialen Wohnungsbau, dem weiteren Abbau von Bürokratie und der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft des Bundes für mehr bezahlbaren Wohnraum."
13,1 Prozent der Unternehmen berichten von stornierten Vorhaben
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), wertet die Zahlen als Hoffnungsschimmer, aber nicht als Durchbruch. Denn es würden aktuell auch wieder mehr Projekte storniert. Laut einer aktuellen ifo-Umfrage würden inzwischen 13,1 Prozent der Unternehmen von stornierten Vorhaben berichten – nach 11,4 Prozent im Vormonat. "Kurz gesagt: Eine Baugenehmigung ist noch keine gebaute Wohnung. Sie ist erst der Startschuss. Wenn die Finanzierung danach nicht mehr aufgeht, wird der Auftrag storniert", gibt Pakleppa zu bedenken.
Dass es auf dem Papier aufwärts geht, sei durchaus positiv, aber es würden in Summe immer noch zu wenig Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel bleibe trotz kleiner Hoffnungsschimmer eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Der Handlungsdruck bleibe hoch. Pakleppa: "Was für Häuslebauer und Investoren zählt, damit am Ende tatsächlich gebaut wird, ist Verlässlichkeit. Wir brauchen schnellstens den Gebäudetyp E, damit wir die Baukosten in den Griff bekommen." Der Gebäudetyp E steht für "Einfaches Bauen". Ein Datum für das Inkrafttreten des bundesweiten Gebäudetyp-E-Gesetzes steht noch nicht fest.
Außerdem müssten die KfW-Förderprogramme "ordentlich und verlässlich ausgestattet werden", so der ZDB-Chef. "Jetzt ist der letzte Zeitpunkt, dem Wohnungsbau den für diese Legislaturperiode notwendigen Schwung zu geben. Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen für private Bauherren, Investoren und für die Bauwirtschaft kommt der Wohnungsbau wieder richtig in Fahrt."
Gesetz für den Gebäudetyp E beschließen
Auch die Bauindustrie fordert von der Politik weitere Maßnahmen und Initiativen. Hohe Zinsen und Baukosten würden den Wohnungsbau weiter im Würgegriff halten, so Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, der sich gegen eine schärfere Mietenregulierung oder Vergesellschaftungen ausspricht, wie sie unter anderem in Berlin von den Linken gefordert wird. Das würde seiner Ansicht nach neue Unsicherheiten für öffentliche und private Wohnungsunternehmen, aber keinen neuen Wohnraum.
Bund und Länder müssten deshalb weiter daran arbeiten, Bauen zu ermöglichen, statt zu verhindern, so Müller. "Der Bund kann dabei vornehmlich im Bereich der Finanzierung aktiv werden und muss endlich einen BauTurbo II vorlegen, mit neuer Förderkulisse für EH55 Gebäude, einer erhöhten Sonderabschreibung und eigenkapitalunterstützenden Darlehen."
Auch die Bauindustrie fordert, dass das Gesetz für den Gebäudetyp E nach der Sommerpause schnell durchs Parlament müsse. "Die Länder müssen wiederum daran arbeiten, einfaches Bauen durch ihre Landesbauordnungen abzubilden und unnötige Anforderungen an neue Gebäude zu streichen."
Quellen: Bundesbauministerium; Destatis; ZDB; Hauptverband der Bauindustrie
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Text:
Kirsten Freund /
handwerksblatt.de
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