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Minimalistisch, modern, mutig: Zwei Gründerinnen und ihr Café

Mit Enthusiasmus, Zielstrebigkeit und einem klaren Konzept wagten Christin Wemmel und Madleen Asaturoglu den Schritt in die Selbstständigkeit. Unterstützung zur Finanzierung fanden sie bei der Sparkasse Bielefeld und der Bürgschaftsbank NRW.

Kaffeeduft, lebhaftes Stimmengewirr und das sanfte Klirren von Tassen und Löffeln füllen den hohen, hellen Raum. Trotz des grauen und regnerischen Frühlingstags sind die 40 Sitzplätze im "Venue" fast alle besetzt. Bevor sie sich mit einem Stück glutenfreiem Kuchen zum Interview setzt, räumt Christin Wemmel noch schnell ein paar Tassen vom Nachbartisch ab und fragt die Gäste am Fenster im Vorbeigehen, ob bei ihnen alles in Ordnung ist. Die Co-Inhaberin des Café Venue am Bielefelder Klosterplatz arbeitet an diesem Tag in der Nachmittagsschicht. Gemeinsam mit Madleen Asaturoglu eröffnete die Jungunternehmerin im Frühjahr 2024 das Café, das mit seinem speziellen Angebot und der besonderen Atmosphäre bald zu einem – mittlerweile nicht mehr ganz so geheimen – "Geheimtipp" wurde.

"Die Ästhetik des Cafés machte von Anfang an einen großen Teil unseres Konzepts aus", erklärt Wemmel. "Unsere Vision war es, in Bielefeld einen Ort für Menschen zu schaffen, an dem sie Freunde treffen, arbeiten und sich einfach wohlfühlen können".

Vom Moodboard zur Speisekarte

Viel Energie und Recherche haben die beiden Gründerinnen in die Entwicklung ihrer Speisekarte gesteckt. Die selbstgebackenen Kuchen und die mit Avocado oder Grilled Cheese belegten Sauerteigbrote sehen im Café mindestens genauso gut aus wie auf den begeisterten Instagram-Posts der knapp 9.000 Follower des "Venue". "Alle Rezepte für unsere Speisen, auch für Kuchen, Brote und Smoothies, haben wir selbst entwickelt", erzählt Wemmel. Nach ihrem BWL-Studium und Master im Bereich Nachhaltigkeit arbeitete die Wahl-Bielefelderin zunächst für ein Berliner Start-up im Gebiet ganzheitliche Ernährung. Bei einem Heimatbesuch traf sie die heute 28-jährige Asaturoglu, die Medienkommunikation studiert hatte und als Barista bereits Gastronomie-Erfahrung mitbrachte. Sie freundeten sich an und stellten fest, dass sie beide von der eigenen Selbstständigkeit träumten. "So entstand die Idee eines urbanen Frühstück- und Lunch-Cafés mit gesundem Ernährungskonzept", berichtet Wemmel.

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"Mit Schwerpunkt auf gesunder Ernährung haben wir eine Karte mit zuckerfreien, teils veganen und glutenfreien Produkten zusammengestellt, hinter denen wir zu 100 Prozent stehen können", sagt Wemmel. "Darum verzichten wir auch komplett auf Fertigprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel." Industriellen Zucker ersetzen die Betreiberinnen durch Datteln.

Glücksgriff Immobilie

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Die Räumlichkeiten am Klosterplatz entdeckten die Gründerinnen zufällig bei einem Frühjahrsspaziergang. "Wir sahen, wie schön die Sonne durch die Fenster in den Laden leuchtete, und wussten sofort: Das ist es!", erinnert sich Wemmel. Zufall oder Schicksal – das ehemalige Heizungsgeschäft stand zur Vermietung. "Wir haben dann gleich am nächsten Tag dort angerufen und uns beworben." Als dann die Zusage vom Vermieter kam, seien sie überglücklich gewesen.

Unterstützung durch Gründungsberatung

Tipps und Beistand für die Geschäftsgründung bekamen die jungen Frauen vor allem vom GründerCenter der Sparkasse Bielefeld. "Von unserer Beraterin Tanja Siepke fühlten wir uns sofort ernst genommen und unterstützt", berichtet Wemmel. "Als relative Neulinge in der Gastronomie mussten wir uns nicht verstellen und etwas darstellen, was wir nicht sind."

Um die Beratung in Anspruch nehmen zu können, brauche es keine besonderen Erfahrungen und Vorkenntnisse, bestätigt Siepke. "Mit etwas mehr als der bloßen Idee sollte man aber schon zu uns kommen." So wie die beiden Café-Gründerinnen, die sehr gut vorbereitet gewesen seien.

Bürgschaftsbank als Partner

Auch das für Bielefeld neuartige und ausgereifte Konzept zusammen mit dem vielversprechenden Standort im Herzen der Altstadt habe überzeugt. Damit gewann das Vorhaben schließlich auch das Vertrauen der Bürgschaftsbank, obwohl die Gründerinnen kein Eigenkapital mitbrachten. "Das ist eigentlich nicht die Regel", sagt Siepke. In diesem Fall kam hinzu, dass der Vermieter einen Teil der hohen Umbaukosten übernahm und damit quasi als weiterer Geldgeber mit ins Boot stieg. "Nur in dieser Konstellation konnten wir die Gründung in einer herausfordernden Branche wie der Gastronomie überhaupt finanzieren", erklärt die Finanzexpertin.

Foto: © Bürgschaftsbank NRWFoto: © Bürgschaftsbank NRW

"Das Café Venue zeigt, dass gute Gründungsideen auch in einer herausfordernden Branche erfolgreich umgesetzt werden können, wenn Strategie, Engagement und Finanzierungspartner zusammenpassen."
Monika Westenberger, 
Firmenkundenberaterin der Bürgschaftsbank NRW

Erfolgreich dank definierter Zielgruppe

Zwei Jahre nach der Eröffnung gibt der Erfolg den jungen Gründerinnen recht: "Mittlerweile haben wir viele Stammgäste aller Altersstufen, sodass ich mich hier oft wie in einer großen Familie fühle", erzählt Wemmel. Vieles läuft inzwischen rund, dennoch fordert der Alltag Kraft. Mittelfristig wollen die beiden Gründerinnen sich etwas stärker aus dem operativen Geschäft zurückziehen und Verantwortung abgeben. Die Einstellung einer Service- und einer Küchenleitung steht auf dem Plan. "Bei allem Stress genieße ich es hier jeden Tag, unser eigenes Business zu haben und keine Vorgesetzten mehr", sagt Christin Wemmel zum Abschluss. Dann ist das Gespräch auch schon vorbei. Sie greift nach dem leeren Kuchenteller und verschwindet wieder hinter der Theke – zurück an die Arbeit.

Checkliste So funktioniert eine Bürgschaft:

Das sollten Antragsteller wissen:

✔️ Ausfallbürgschaften kann jeder Gründer, Unternehmer und Freiberufler beantragen. Es muss sich um ein klein- oder mittelständisches Unternehmen handeln.

✔️ Sie brauchen für Ihr Tätigkeitsgebiet entsprechende persönliche, kaufmännische und fachliche Qualifikationen.

✔️ Erforderlich ist ein Businessplan mit einer wirtschaftlichen Prognose, die belegt, dass sich aus dem Geschäftsbetrieb der Kapitaldienst und ein angemessener Lebensunterhalt erwirtschaften lässt.

✔️ Die Anträge laufen in der Regel über die Hausbank. Bürgschaften können aber auch direkt bei der Bürgschaftsbank beantragt werden.

✔️ Die maximale Bürgschaftssumme liegt bei 2 Millionen Euro.

✔️ Bürgschaften gibt es für nahezu jedes Vorhaben und Projekt, wenn die Perspektive stimmt. Ausgenommen sind Sanierungsmaßnahmen, Umschuldungen sowie Maßnahmen, die nach den EU-Wettbewerbsregeln nicht beihilfefähig sind.

✔️ Wenn zusätzlich Eigenkapital benötigt wird, empfiehlt die Bürgschaftsbank eine Mitwirkung der KBG NRW.

Weitere Informationen zu Förderangeboten der Bürgschaftsbank finden Sie unter:
nrw.ermoeglicher.de

Fazit

Finanzierung: Vor der Gründung muss der Finanzbedarf für das Vorhaben ermittelt werden.

Starke Partner: Wenn das Konzept stimmt, greifen Hausbank und Bürgschaftsbank Hand in Hand.

Vorbereitung: Eine gründliche Vorbereitung erhöht die Chancen für die Übernahme einer Bürgschaft. 

Businessplan: Mit einem Businessplan belegt der Gründende die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Risikominimierung: Durch die Bürgschaft wird das persönliche Risiko des Kreditnehmers minimiert.

Verbesserte Konditionen: Eine Einbindung der Bürgschaftsbank ist oft mit verbesserten Kreditkonditionen verbunden.

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Text: / handwerksblatt.de

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